Raumfahrtkonzern : SpaceX übertrifft die Erwartungen
Der Börsenneuling hat sein Umsatzwachstum dramatisch beschleunigt. Aber er weist weiterhin Verluste aus. Und die Börse ist nicht beeindruckt.
Insgesamt lagen die Zahlen über den Erwartungen von Analysten. Der Aktienkurs notierte im nachbörslichen Handel dennoch zeitweise fast sieben Prozent im Minus, möglicherweise weil SpaceX auch einen dramatischen Anstieg seiner Investitionen in das Geschäft mit Künstlicher Intelligenz gemeldet hat, wie das derzeit auch viele andere Technologieunternehmen tun. An der Börse wird in jüngster Zeit kritischer hinterfragt, ob sich diese Investitionen auch auszahlen. Die Aktie von SpaceX hat allerdings am Dienstag im regulären Handel vor der Vorlage der Zahlen noch fast zehn Prozent an Wert gewonnen.
SpaceX blickt in seiner bislang kurzen Zeit als börsennotiertes Unternehmen auf eine sehr wechselhafte Entwicklung zurück. Die Aktie kam im Juni zu einem Ausgabepreis von 135 Dollar an die Börse, was einer Marktkapitalisierung von fast 1,8 Billionen Dollar entsprach. Der Börsenstart war erfolgreich, am ersten Tag legte der Kurs auf mehr als 160 Dollar zu und in den Tagen danach sogar auf mehr als 200 Dollar. Danach ging es aber bergab, und am Dienstag notierte die Aktie zum Handelsschluss bei rund 125 Dollar, also unterhalb des Ausgabepreises. Der Kursrückgang hat dafür gesorgt, dass Musk seinen zwischenzeitlichen Rang als Billionär wieder eingebüßt hat.
Nach dem jetzt vorgelegten Quartalsbericht kommt schon am Donnerstag ein weiterer wichtiger Moment für die SpaceX-Aktie. Dann läuft erstmals eine Haltefrist für bisherige SpaceX-Aktionäre, also zum Beispiel Mitarbeiter und frühe Investoren. Der bisherige Streubesitz von SpaceX ist sehr klein, nach dem Börsengang waren zunächst nur weniger als fünf Prozent und damit ein vergleichsweise geringer Anteil der Aktien frei handelbar. Von Donnerstag an werden es mehr als doppelt so viele sein, und Analysten halten es für möglich, dass dies den Aktienkurs weiter unter Druck bringt. In den kommenden Monaten werden weitere Haltefristen ablaufen.
Starlink ist Umsatzbringer
Für das zweite Quartal meldete SpaceX ein Umsatzwachstum von 92 Prozent auf 7,8 Milliarden Dollar. Das war eine dramatische Beschleunigung im Vergleich zum ersten Quartal, als das Wachstum noch bei 15 Prozent lag. Analysten hatten im Schnitt mit 6,9 Milliarden Dollar gerechnet. Der Nettoverlust betrug 541 Millionen Dollar und war damit in etwa halb so hoch wie vor einem Jahr.
SpaceX wurde schon 2002 gegründet und ist traditionell auf Raketen und Raumschiffe spezialisiert, die Nutzlast und Astronauten bringen, zum Beispiel für die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA. Erst vor wenigen Tagen hat SpaceX auch einen Auftrag im Wert von 1,6 Milliarden Dollar von der Space Force bekommen, der auf Raumfahrt spezialisierten Einheit der amerikanischen Streitkräfte. Für das vergangene Quartal wies SpaceX in der Raumfahrtsparte einen Umsatz von 962 Millionen Dollar und damit 29 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit ist dies heute die kleinste Unternehmenssparte.
Das umsatzstärkste Geschäft ist Starlink. Damit stellt SpaceX mittels Satelliten aus dem Weltall Hochgeschwindigkeitszugänge aus dem Internet zur Verfügung. Zu den Kunden gehören Unternehmen, Regierungen und auch Privathaushalte. Ende des Quartals hatte Starlink zwölf Millionen Abonnenten, drei Monate zuvor waren es noch 10,3 Millionen, vor einem Jahr 6,0 Millionen. Der Umsatz der Starlink-Sparte stieg gegenüber dem Vorjahr um 66 Prozent auf 4,3 Milliarden Dollar. Gwynne Shotwell, die als Chief Operating Officer gewissermaßen die Nummer zwei im Unternehmen ist, sagte am Dienstag, sie rechne damit, mit Starlink den großen amerikanischen Telekommunikationskonzernen AT&T, Verizon und T-Mobile viele Kunden streitig machen zu können.
Das dritte Geschäftsfeld ist Künstliche Intelligenz, SpaceX hat in diesem Jahr Musks KI-Unternehmen X.AI übernommen. In dieser Sparte hat sich der Umsatz auf 2,6 Milliarden Dollar mehr als verdreifacht. Dies erklärt sich vor allem mit Vereinbarungen zur Vermietung von Computerkapazitäten in seinen Rechenzentren, die SpaceX in den vergangenen Monaten mit Anthropic und Google geschlossen hat. Allein Anthropic zahlt SpaceX dafür 1,25 Milliarden Dollar im Monat. Mit seinen eigenen KI-Aktivitäten wie dem KI-Modell Grok gilt SpaceX indessen im Wettbewerbsvergleich bislang als eher schwach aufgestellt.
Um seine Computerkapazitäten auszubauen, hat SpaceX seine Investitionen massiv aufgestockt. In der KI-Sparte waren es im vergangenen Quartal 15,8 Milliarden Dollar, mehr als doppelt so viel wie noch im ersten Quartal. Musk sagte am Dienstag, SpaceX habe sich verpflichtet, fortan nur noch KI-Chips von Nvidia in seinen Rechenzentren zu nutzen, weil dies die besten seien. Daraufhin gewann die Nvidia-Aktie im nachbörslichen Handel an Wert.
An den Finanzmärkten wird spekuliert, dass Musk sein Imperium weiter umbauen und SpaceX mit dem Elektroautohersteller Tesla fusionieren könnte. Musk hat das kürzlich bei der Vorlage von Teslas Quartalsergebnissen nicht ausgeschlossen und auf Synergien zwischen beiden Unternehmen verwiesen.
Ähnlich wie er dies auch bei Tesla tut, nutzte Musk auch die Vorlage von SpaceX-Zahlen, um rosige Versprechungen für die Zukunft zu machen. Er sagte zum Beispiel, Starlink könnte in weniger als zehn Jahren die Mehrheit aller Internetverbindungen auf der Welt liefern. Vor wenigen Wochen schrieb Musk auf der ebenfalls zu SpaceX gehörenden Onlineplattform X: „SpaceX wird mehr sein als der Rest der Erde, wenn wir unsere Ziele erreichen.“