Pallas Strategie : Eine Zukunft für die Bahn?

Die neuen Geschäftszahlen der Bahn sehen verheißungsvoll aus. Doch der tägliche Betrieb ist weiterhin ein Desaster. Wird bis 2035 alles gut?

Es war ein Start nach Maß für den neuen Verkehrsminister – und der ging auf das Konto der Deutschen Bahn, ausgerechnet. Konzernchefin Evelyn Palla sorgte dafür, dass Steffen Bilger seinen zweiten Amtstag am Donnerstag mit guten Nachrichten angehen durfte. Erstmals seit der Corona-Krise wies das Staatsunternehmen unterm Strich schwarze Zahlen aus. Es setzt damit einen Trend fort, der sich seit 2024 abzeichnet. Die damals noch im Milliardenbereich liegenden Verluste schmelzen dahin, und jetzt wird tatsächlich ein Gewinn sichtbar. Auch das Gesamtjahr will der Staatskonzern positiv abschließen.

Zu viel Jubel ist freilich nicht opportun, und das weiß Palla nur zu genau. Seit ihrem Amtsantritt im vergangenen Oktober verfolgt sie eine Blut-, Schweiß- und Tränenrhetorik von beinahe Churchill’schem Format. Hier gehe es um einen Neustart, nichts werde schnell besser, aber am Ende stehe eine nachhaltig stabile Bahn – „eine Bahn, die schafft, wofür sie da ist: ihre Fahrgäste und die Transportgüter der Wirtschaft verlässlich ans Ziel bringen“.

Es gibt kaum Alternativen

Das klingt so banal wie selbstverständlich und zugleich meilenweit von einer Umsetzung entfernt, blickt man auf das Chaos auf dem 33.400 Kilometer umfassenden Schienennetz der DB. Man kann es sich einfach nicht vorstellen, wie nicht nur das tägliche Verspätungsdesaster jemals enden sollte, genauso wie das tägliche Versagen im kommunikativen Umgang damit.

Und doch gibt es wenig Alternativen dazu, den seit einem Dreivierteljahr beschrittenen Weg des Umbaus eines dysfunktional gewordenen Konzerns weiterzugehen und zugleich das Tempo der Infrastruktursanierung hoch zu halten. All das allerdings am besten unter genauer Beobachtung und ständiger Evaluierung vonseiten des Eigentümers Bund. Soll heißen: Wenn Programme wie die von der DB geplanten großen Korridorgeneralsanierungen nicht klappen wie geplant, sollte auch schnell reagiert und verändert werden.

Banal und selbstverständlich

Auch das klingt eigentlich banal und selbstverständlich – und doch hat man in der Vergangenheit zu viel Zeit verstreichen lassen, von allen Seiten. Die Politik hat das Infrastrukturthema zu lange schleifen lassen, das Bahnmanagement hat nur zögerlich auf das absehbare Versagen des Schienenverkehrs reagiert. Jetzt müssen es alle ausbaden und alle bezahlen. Wir warten auf die erste detaillierte Untersuchung zu den volkswirtschaftlichen Schäden aller über das Jahr zusammengefahrenen Zugverspätungen.

Immerhin: Funktioniert Pallas Langfristplan, wartet am Ende eine schöne neue Bahnwelt. Pünktlich 2035, wenn die Eisenbahn in Deutschland ihr 200-Jähriges feiert. Ihre letzte richtige Glanzzeit hatte die Eisenbahn hierzulande um die vorvergangene Jahrhundertwende, mit prächtigen Bahnhofsbauten und mächtigen Dampflokomotiven. Vielleicht lässt sich daran anknüpfen. Natürlich in modern.