Tech Update Vergesst LLMs – der nächste KI-Hype sind Weltmodelle

Wer schon länger dabei ist, erinnert sich vielleicht an unsere große Enpal-Recherche von Ende vergangenen Jahres. Wir hatten darin unter Berufung auf interne Dokumente, Chatverläufe, Zeugen und diverse weitere Quellen über die teils schwierigen Arbeitsbedingungen insbesondere bei den aus dem Ausland angeworbenen Elektrikertrupps berichtet. Von uns befragte Experten sprachen im Zusammenhang mit verwendeten Vertragsklauseln sogar von „moderner Sklaverei“. Enpal und CEO Mario Kohle (41) bestritten die Vorwürfe. Sie versuchten die Berichterstattung zu unterbinden – und zogen vor Gericht.

In zwei Eilverfahren untersagte das Landgericht Berlin zunächst die Verbreitung mehrerer Aussagen aus der Recherche. Wir haben dagegen Rechtsmittel eingelegt. Im Berufungsverfahren stellte das Kammergericht Berlin dann klar, dass es beabsichtige, in allen angegriffenen Punkten zugunsten des manager magazins zu entscheiden. Daraufhin zog Enpal sämtliche Unterlassungsanträge zurück. Nun ist die Geschichte wieder vollständig online. Hier könnt Ihr sie nachlesen. Für uns ist dieser Erfolg ein Zeichen, bei unseren Recherchen hartnäckig zu bleiben.

  • Vergesst LLMs – der nächste KI-Hype sind Weltmodelle

  • Empion-Gründerin Annika von Mutius verkauft ihr Start-up

  • Cash für Gründerinnen: Auxxo schließt neuen 33-Millionen-Fonds

Exklusive Recherche: Vergesst LLMs – der nächste KI-Hype sind Weltmodelle

Auf Putzmission: Eine Kamera zeichnet die Aktionen der MicroAGI-Mitarbeiterin beim Einsatz in München auf

Foto: [M] Daniel Delang / manager magazin

Die heißeste KI-Wette 2026 klingt erst mal nicht nach „Hightech“, sondern nach Hausarbeit: Das Münchner Start-up MicroAGI schickt sogenannte „Operatoren“ mit Kamera-Caps in fremde Küchen und Badezimmer, um etwa beim Putzen Handgriffe aufzuzeichnen, die wir für selbstverständlich halten – und die Roboter bis heute nicht beherrschen. Ich war selbst bei so einem Putzeinsatz in München dabei. Aus den Aufnahmen wird ein Datensatz, aus dem Datensatz ein Produktversprechen: Roboter sollen mit neuen KI-Modellen endlich lernen können, wie Menschen in der echten Welt handeln.

Sogenannte Weltmodelle sind die Wette darauf, dass die nächste KI-Billionenchance nach den klassischen Sprachmodellen in der physischen Welt liegt. Gerade erst in dieser Woche hat die „Godmother of AI“ Fei-Fei Li (50) mit ihrer Firma World Labs ihr neuestes Modell Atlas vorgestellt. Das ist schon megabeeindruckend, siehe auch hier . Nach Gesprächen mit vielen Insidern beschreibe ich die Hoffnungen hinter den World Models und die verschiedenen Player. Unter anderem war ich dabei in Freiburg: bei den Machern von Black Forest Labs, die sich mit Flux 3 auch in Richtung Weltmodell entwickeln (auch wenn sie selbst lieber von „visueller Intelligenz“ sprechen). Hier geht es zu meinem Text.

Köpfe: Annika von Mutius ++ Fred Ehrsam ++ Paul Singer ++ Tim Höttges

Neues Team: Empion-Gründerin Annika von Mutius und Factorial-Chef Jordi Romero

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  • Annika von Mutius (33), Gründerin der Berliner KI-Firma Empion und eine der wichtigsten Stimmen der hiesigen KI-Szene, verkauft ihr Start-up an Factorial. Die spanische Milliardenfirma von Jordi Romero hat sich in den vergangenen Monaten zu einem der größten Personio-Konkurrenten aufgeschwungen. Wie es nun weitergeht, hat mein Kollege Caspar Schlenk mit den beiden diskutiert .

  • Fred Ehrsam (38), Coinbase-Gründer, nimmt Venezuela ins Visier. Nachdem ihn seine Kryptoplattform zum Milliardär gemacht hat, bewegt er sich in der Nähe des US-Präsidenten Donald Trump (80). Nun will der Gründer offenbar in venezolanische Ölfelder investieren.

  • Paul Singer (82), aktivistischer Investor, kommt offenbar Deutsche Telekom-CEO Tim Höttges (63) in die Quere. Der von Singer gegründete Hedgefonds Elliott soll eine größere Beteiligung aufgebaut haben, um eine Milliardenfusion mit T-Mobile US zu verhindern. Stattdessen fordert er wohl kräftigere Aktienrückkäufe.

Round-up: Auxxo ++ Apple ++ Delivery Hero ++ Uber ++ Google

Frauen investieren in Frauen (-geführte Start-ups): Die Auxxo-Chefinnen Gesa Miczaika (l.) und Bettine Schmitz

Foto: PR
  • Cash für Gründerinnen: Der Berliner Wagniskapitalfonds Auxxo investiert nur in Start-ups, die von Frauen (mit-)gegründet wurden. Gerade in Deutschland werden das aktuell wieder weniger, beobachtet Co-Chefin Gesa Miczaika (45). Anlässlich des Abschlusses ihres zweiten Fonds, der insgesamt 33,3 Millionen Euro umfasst, habe ich sie zum Gespräch getroffen: über das anstrengende Fundraising, eine neue Matchingplattform – und warum sie ihren Investmentprozess nach dem ersten Fonds komplett umgestellt haben .

  • Neuer Chef, neue Ideen? Der neue Apple-Chef John Ternus (51) übernimmt einen Konzern in Bestform. Seine Vergütung: insgesamt 58 Millionen Dollar in Cash und Aktienanteilen – doch sein Vorgänger verdient fast genauso viel als neuer Apple-Chairman. Was Ternus jetzt bei Apple unbedingt anpacken muss, hat mein Kollege Theodor Harzer aufgeschrieben .

  • Take the deal: Die Führungsspitze von Delivery Hero empfiehlt ihren Aktionären, das Übernahmeangebot von Uber anzunehmen. Vorstand und Aufsichtsrat halten den Preis von 41,50 Euro je Aktie für fair.

  • Glück gehabt: Google muss sein Werbegeschäft doch nicht zerschlagen. Das US-Justizministerium hatte die Techfirma wegen ihrer Online-Werbebörse verklagt. Die Behörde hat Sorge vor einer zu großen Monopolstellung des Konzerns. Nun errang Google einen wichtigen Erfolg in dem Kartellverfahren.

Error 404 – das hat noch gefehlt: (No) Novacane, baby

Legende ohne Schmerzmittel: Sequoia-Investor Douglas Leone

Foto: Dave Benett / Max Cisotti / Evantic Capital / Getty Images

Dass Investoren manchmal wunderliche Wesen sind, wissen wir ja schon. Ein schönes Beispiel dafür lieferte nun Doug Leone (69) vom Silicon-Valley-Investor Sequoia. In einem aktuellen Podcastinterview erzählte er stolz, dass er eine Zahnwurzelbehandlung absichtlich ohne das Schmerzmittel Novocain durchgezogen habe. Warum das? Er hatte ein Meeting danach – und außerdem wollte er mal testen, ob er wirklich „Bad-ass“ oder das „Bad-Ass-Sein nur fake“ sei. Nun ja, ob er damit wirklich Bad-Assness bewiesen hat oder einfach nur ausgewiesene Dummheit, darüber lässt sich streiten. Wir halten es derweil mit dem Sänger Frank Ocean (38), der schon 2011 im Song „Novacane“ so treffend textete: „Don’t let the high go to waste“.

Nun wünschen wir euch einen schönen Freitag, denn das war es schon wieder mit dem aktuellen „Tech Update“. Leitet den Newsletter gern an andere Interessierte weiter. Abonnieren könnt ihr uns hier, damit ihr auch in Zukunft keine Ausgabe verpasst.

Und wie immer: Fragen, Anmerkungen oder Kritik gern an [email protected] .