Lieferdienst : Will Uber sich ein Liefermonopol aufbauen?

Delivery Hero befürwortet das Übernahmeangebot des US-Fahrdienstvermittlers Uber. Doch die Branche beklagt Kartellprobleme.

Vor der anvisierten Übernahme des Essenslieferdienstes Delivery Hero durch den US-Plattformanbieter Uber rufen Branchenvertreter und Politiker die Kartellbehörden auf, genau hinzusehen. Die Übernahme könne dazu führen, dass die Tochtergesellschaft Uber Eats auf einigen europäischen Märkten annähernd allein agiert.

Die Führungsriege des M-Dax-Unternehmens hatte eine Übernahme durch Uber Mitte der Woche begrüßt. Der Kaufpreis von 41,50 Euro je Delivery-Hero-Aktie werde als angemessen und fair bewertet, hieß es. Die Offerte des US-Konzerns bewertet Delivery Hero insgesamt mit knapp 13 Milliarden Euro. Derzeit notiert die Aktie von Delivery Hero bei rund 36,60 Euro.

Uber Eats und Delivery Hero dominieren das Liefergeschäft in vielen Ländern

Uber würde mit dem Zukauf zum ⁠größten Essenslieferdienst weltweit außerhalb von China aufsteigen. Allerdings steht schon länger die Frage im Raum, ob Uber Delivery Hero vollständig übernehmen darf. Denn in mehreren Ländern dominieren Uber Eats und Delivery Hero den Lieferantenmarkt. In Spanien beispielsweise beträgt der Marktanteil von Uber Eats bis zu 30 Prozent, der von Delivery Hero gar bis zu 60 Prozent.

Um Kartellprobleme in den Überlappungsmärkten zu vermeiden, gibt Delivery Hero sein Geschäft in 14 Ländern an den New Yorker Finanzinvestor SSW Partners ab. SSW zahlt rund 1,4 Milliarden Euro für die Märkte in Österreich, Chile, Zypern, der Tschechischen Republik, Ecuador, Griechenland, Moldau, Norwegen, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, der Türkei und Spanien.

Von der Konkurrenz wird befürchtet, dass SSW diese Märkte anschließend an Uber weiterverkauft. Die Transaktion in einem Weiterverkauf könnte unterhalb einer Schwelle liegen, bei der die Wettbewerbshüter der Europäischen Kommission auf den Verkauf schauen – dann müssten die einzelnen Nationalstaaten den Deal prüfen. Andererseits könnte die Kommission die Übernahme von Delivery Hero durch Uber und den möglichen Weiterverkaufsschritt von SSW an Uber im Ganzen betrachten; das jedenfalls erhofft sich die Konkurrenz. In der Übernahmebekundung von Uber heißt es hingegen: „Uber wird keine Kontrolle über die an SSW übertragenen Geschäftsbereiche erlangen, und SSW wird eigenständig den Prozess leiten, um strategische Partner zu finden.“

Auswahlmöglichkeiten für Verbraucher sinken und die Preise steigen

Die geplante Übernahme hat längst die Aufmerksamkeit von Parlamentariern in Brüssel auf sich gezogen. Der Abgeordnete des Europäischen Parlaments Andreas Schwab (EVP) warnt vor einer Genehmigung der Kommission im Eilverfahren. Er befürchtet eine „starke Konzentration“ auf dem Lieferantenmarkt in mehreren EU-Ländern, wie Schwab dem Nachrichtenportal „Euractiv“ sagte. Einher gehe das Risiko, dass die Auswahlmöglichkeiten für Verbraucher sinken und die Preise steigen.

Der Offerte von Uber an Delivery Hero war ein Bieterkampf mit Prosus vorausgegangen, dem Investor hinter der Lieferando-Muttergesellschaft Just Eat Takeaway. Prosus muss wegen EU-Auflagen im Zuge des Einstiegs bei Just Eat die Anteile an Delivery Hero reduzieren – wodurch sich die Chance für Uber ergeben hatte, seine Position bei dem M-Dax-Unternehmen aufzustocken.

Der Lieferantenmarkt ist hart umkämpft. Uber versucht immer wieder, in neue Märkte vorzustoßen. Vor zwei Jahren griff Uber nach Foodpanda Taiwan, einer Tochterfirma von Delivery Hero, doch die dortigen Kartellbehörden untersagten den Kauf. Mit der Übernahme von Delivery Hero erkauft Uber sich viel Infrastruktur, etwa kleine Lager, die sich das deutsche Unternehmen als einer der führenden Anbieter für Quick Commerce, eine schnelle Art des Onlinehandels, aufgebaut hat. Der Vollzug des Angebots von Uber an Delivery Hero wird für die zweite Jahreshälfte 2027 erwartet.