„Unverbindliche Ansprache“ BASF will Rivalen Evonik übernehmen

Der Chemiekonzern BASF strebt eine Übernahme des ​kleineren Konkurrenten Evonik an. BASF habe Evonik unverbindlich zu einem möglichen Übernahmeangebot angesprochen, teilte Evonik am Freitag mit. Es gehe um eine Komplettübernahme. Gespräche fänden derzeit nicht statt, erklärte der Vorstand. Einen weiteren Kommentar lehnte das Unternehmen ab. Zuvor hatten bereits mehrere Medien über die Gespräche berichtet.

Die Aktien von Evonik sprangen am Nachmittag in der Spitze um bis zu 11 Prozent auf 20 Euro und damit auf das höchste Niveau seit Mai 2025. Die Aktien des Interessenten korrigierten gleichzeitig um rund 3 Prozent nach unten.

Die Ludwigshafener wollten mit einer Übernahme von Evonik ihren globalen Fußabdruck und ihr Portfolio vertiefen, um im schwierigen Branchenumfeld besser zu bestehen, berichtete zuvor unter anderem die „Financial Times “ unter Berufung auf informierte Kreise.

Ankeraktionär von Evonik ist ‌die Essener RAG-Stiftung, die rund 43 Prozent der Anteile hält. Ihr ‌käme eine Schlüsselrolle ​bei einer ‌möglichen Übernahme zu. Die Stiftung bestätigte, dass sie durch BASF auf ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für Evonik angesprochen worden ist.

Chemiekonzerne haben es derzeit angesichts stark anziehender Energiepreise infolge des Kriegs im Nahen Osten schwer, auch wenn es in einigen Fällen wegen Knappheiten ihrer Produkte eine Sonderkonjunktur gibt.

Stärkere Konkurrenz für China

Der BASF-Konzern, dessen Marktwert bei 47 Milliarden Euro liegt, führt laut „FT“ seit Anfang des Jahres Gespräche mit Banken über eine mögliche Übernahme. Evoniks Marktkapitalisierung liegt bei mehr als 8 Milliarden Euro.

Der Deal wäre ein bedeutender Schritt von BASF-Chef Markus Kamieth (56) zur Konsolidierung der zersplitterten europäischen Chemieindustrie. Dadurch entstünde ein in Deutschland ansässiger Marktführer, der besser mit chinesischen Konkurrenten wie Sinopec sowie amerikanischen Wettbewerbern wie Dow konkurrieren könnte.

Evonik und BASF erzielten im vergangenen Jahr zusammen einen Gesamtumsatz von 74 Milliarden Euro. Evonik ist mit rund 31.000 Mitarbeitern in mehr als 100 Ländern tätig und stellt Spezialadditive für Farben und Matratzenschaum sowie Polymere für die Automobil- und Luftfahrtindustrie und Aminosäuren für Tierfutter her.

Evonik befindet sich aktuell mitten im Umbau. Der Essener Konzern hatte ‌bereits im Juni angekündigt, bis Ende 2029 rund 3200 Arbeitsplätze zu streichen, 2150 davon in Deutschland. Von den Töchtern Oxeno und Syneqt mit rund 4300 Beschäftigten will sich der Konzern trennen. Inklusive ‌bereits umgesetzter Sparprogramme könnte die Belegschaft von Evonik ​damit um insgesamt rund 10.000 Menschen schrumpfen.

CEO Rettig will Konzern auf Kerngeschäfte konzentrieren

Interimschef Claus Rettig (66) ‌will den Konzern auf profitable Kerngeschäfte konzentrieren und mit den Einsparungen Raum ‌für neue Investitionen schaffen. ​Zwar lasten hohe Energiekosten und Preisdruck aus Asien auf der Branche in Deutschland, doch hatte Evonik in den vergangenen Monaten von Lieferengpässen asiatischer ​Konkurrenten profitiert, die unter den Folgen des Iran-Kriegs leiden. ⁠Evonik hatte deshalb im August von einer „Sonderkonjunktur“ ​gesprochen, ​die Essener hatten ihre Jahresprognose angehoben. „Wir werden ein gutes Jahr haben“, hatte Rettig erst Anfang der Woche gesagt.

  • Umbau beim Chemiekonzern: Warum Evoniks Interimschef Tausende Arbeitsplätze streichtVon Eva Buchhorn3 Min3 Min
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Rettig hatte die Führung übernommen, nachdem Christian Kullmann (57) im August aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten war. Das Unternehmen schließt kleinere Werke und verkauft Nicht-Kerngeschäfte, während es gleichzeitig Wachstumschancen in Asien und Amerika nutzt.