DAX Check: MTU, Heidelberg Materials und Siemens Energy zünden die Ölpreis-Rally – Rheinmetall stürzt unter 1.000 Euro

DAX Check: MTU, Heidelberg Materials und Siemens Energy zünden die Ölpreis-Rally – Rheinmetall stürzt unter 1.000 Euro

Was für ein Comeback zum Monatsauftakt: Nach dem Tech-Schock vom Freitag erobert der DAX die 26.000er-Marke zwischenzeitlich zurück und schließt mit einem Plus von 0,77 Prozent bei 25.981,99 Punkten. Der Brandbeschleuniger kommt vom Ölmarkt – Brent bricht um rund sechs Prozent ein, weil Donald Trump vor den Zwischenwahlen auf Diplomatie mit dem Iran setzt. Die Gewinner dieser Wende stehen in der DAX Analyse ganz oben: Triebwerksbauer MTU, Zementkonzern Heidelberg Materials und Siemens Energy. Auf der Verliererseite fällt Rheinmetall erstmals seit Wochen unter die psychologisch wichtige Marke von 1.000 Euro. Unser DAX Check zeigt, was hinter den Bewegungen steckt.

Autor: Redaktion, aktiencheck.de · 2. November 2026

Öl-Crash statt Krisenmodus: Warum der DAX heute die Zinsangst abschüttelt

Wer am Freitagabend in die Depots geschaut hat, konnte für den Wochenstart wenig Gutes erwarten. Die Nasdaq war nach den Zahlen von Amazon und Intel um 3,5 Prozent eingebrochen, Siemens Energy und Infineon hatten im DAX jeweils rund sieben Prozent verloren, und der Ölpreis notierte auf dem höchsten Stand seit März. Doch der Montag erzählt eine völlig andere Geschichte. Am Vormittag pendelte der Leitindex noch richtungslos um die Nulllinie – die Nervosität vor den US-Zwischenwahlen am Dienstag war mit Händen zu greifen. Am Nachmittag aber kippte die Stimmung, und zwar kräftig.

Der entscheidende Faktor heißt Öl. Die Nordseesorte Brent rutschte im Tagesverlauf um rund sechs Prozent auf etwa 106 US-Dollar je Barrel ab, nachdem sie am Morgen noch bei rund 110 Dollar gelegen hatte. Der Auslöser: US-Präsident Trump will der Diplomatie mit dem Iran vor neuen Militärschlägen mehr Zeit geben, parallel laufen Gespräche zwischen iranischen und katarischen Unterhändlern über ein Ende des Krieges. Für die Börse ist das ein dreifacher Befreiungsschlag. Erstens entlastet ein billigeres Barrel energieintensive Branchen von Zement bis Chemie unmittelbar. Zweitens profitieren Luftfahrt und Tourismus, deren größter Kostenblock das Kerosin ist. Und drittens – und das ist für den Gesamtmarkt am wichtigsten – nimmt der Ölpreisrutsch Druck aus den Inflationserwartungen und damit aus den Anleiherenditen, die in den vergangenen Wochen wie ein Bleigewicht auf den Bewertungen lagen.

Den zweiten Schub lieferte um 16 Uhr die US-Konjunktur. Der ISM-Index für die amerikanische Industrie sprang auf 55,5 Punkte und übertraf die Erwartungen klar. Noch wichtiger: Die Preiskomponente fiel deutlich stärker als prognostiziert. Mehr Wachstum bei weniger Preisdruck – das ist genau die Kombination, die Investoren sehen wollen. An der Wall Street legten Dow Jones und Nasdaq 100 daraufhin jeweils rund ein Prozent zu, was den DAX in der Schlussphase zusätzlich stützte.

Bemerkenswert ist die Breite der Erholung: 32 der 40 DAX-Werte gingen mit Gewinnen aus dem Handel. Die größten Indexbeiträge kamen von Siemens, Siemens Energy und Infineon – also genau jenen KI- und Elektrifizierungswerten, die am Freitag am härtesten abgestraft worden waren. Infineon schloss 2,62 Prozent fester, Siemens gewann 2,66 Prozent. Die Botschaft der DAX Analyse: Der Freitag war für viele Anleger eine Übertreibung, keine Trendwende. Gebremst wurde der Index dagegen vom Schwergewicht SAP (-0,24 Prozent) sowie von Rheinmetall und der Deutschen Telekom.

Und doch bleibt ein Rest Skepsis. Trumps Ankündigung, den Iran-Krieg „so oder so" bald zu beenden, lässt alle Optionen offen – Marktstrategen warnen, dass die Rhetorik nach den Midterms schnell wieder anziehen könnte. Die Straße von Hormus ist weiterhin weitgehend blockiert. Gold verteuerte sich parallel zur Aktienrally um rund zwei Prozent, ein Zeichen, dass viele Investoren ihre Absicherungen nicht aufgeben. Und heute Abend um 22:30 Uhr muss Apple beweisen, dass der Tech-Ausverkauf vom Freitag nicht der Beginn einer größeren Korrektur war.

DAX Gewinner im Check: MTU, Heidelberg Materials, Siemens Energy, Fresenius und Adidas

MTU Aero Engines ist mit einem Kurssprung von 5,40 Prozent auf 345,60 Euro der unangefochtene Spitzenreiter unter den DAX Gewinnern. Die Logik ist schnell erklärt: Kein anderer DAX-Wert hängt so direkt an der weltweiten Flugaktivität wie der Münchner Triebwerksspezialist. Je billiger das Kerosin, desto mehr Maschinen bleiben in der Luft, desto mehr Flugstunden fallen an – und desto stärker brummt das margenstarke Wartungs- und Ersatzteilgeschäft, das inzwischen das Herzstück der MTU-Investmentstory ist. Der gesamte Luftfahrtsektor feierte den Ölpreisrutsch: Lufthansa und Fraport zogen im MDAX jeweils um mehr als dreieinhalb Prozent an, im DAX gewann Airbus 2,44 Prozent. Für MTU kommt hinzu, dass die Analysten nach den jüngsten Quartalszahlen geschlossen hinter dem Titel stehen. Im Oktober haben 16 Häuser die Aktie bewertet, 13 davon raten zum Kauf. JPMorgan setzte das Kursziel zuletzt auf 465 Euro, Jefferies und Bernstein auf 460 Euro, die Deutsche Bank auf 457 Euro. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 436 Euro – weit über dem aktuellen Kurs. Denn trotz des heutigen Sprungs notiert die Aktie noch deutlich unter ihrem Februar-Hoch von rund 400 Euro, seit dem ein enttäuschender Ausblick sie auf Talfahrt geschickt hatte. Ende November will MTU auf einem Kapitalmarkttag die Ziele für die kommenden Jahre präzisieren. Bis dahin dürfte der Ölpreis der wichtigste Taktgeber bleiben.

Heidelberg Materials springt um 4,70 Prozent auf 156,05 Euro und setzt damit die Erholung der vergangenen Tage eindrucksvoll fort. Für den Zementriesen ist der fallende Ölpreis keine Randnotiz, sondern der Kern der Geschichte: Im Juli hatte der Konzern seinen Ergebnisausblick ausdrücklich wegen gestiegener Energiekosten gesenkt. Zementöfen gehören zu den energiehungrigsten Industrieanlagen überhaupt – jede Entspannung an den Energiemärkten hebt die Margenperspektive unmittelbar. Zugleich rückt der nächste Termin näher: Am Mittwoch, 4. November, legt Heidelberg Materials das Trading-Update zum dritten Quartal vor. Die Analysten haben sich im Vorfeld positioniert. RBC hob die Aktie jüngst von „Sector Perform" auf „Outperform" und hält den Titel nach einem schwachen Branchenquartal für überverkauft. JPMorgan bestätigte die positive Einschätzung mit einem Kursziel von 225 Euro, Jefferies erwartet ein organisches Wachstum von 4,6 Prozent im dritten Quartal. CEO Dominik von Achten sieht erste, wenn auch vorsichtige Anzeichen einer Belebung im Baugeschäft, getragen von Infrastruktur-, Energie- und Rechenzentrumsprojekten. Mit dem geplanten Kauf der schwedischen und norwegischen Zuschlagstoff- und Asphaltaktivitäten von NCC baut der Konzern zudem sein Skandinavien-Geschäft aus. Charttechnisch hat die Aktie Ende Oktober die 50-Tage-Linie zurückerobert. Der Weg ist allerdings weit: Seit Jahresbeginn steht noch immer ein Minus von gut einem Drittel zu Buche, das Jahreshoch aus dem Januar lag bei rund 241 Euro.

Siemens Energy gewinnt 3,17 Prozent auf 130,38 Euro und macht damit einen Teil des Freitags-Debakels wett. Am Freitag war die Aktie um gut sieben Prozent abgestürzt, nachdem Intels enttäuschender Ausblick Zweifel an der Rentabilität der gigantischen KI-Investitionen geschürt hatte – und Siemens Energy gilt als einer der größten Profiteure des Strombedarfs neuer Rechenzentren. Heute kehrten die Käufer zurück, flankiert von einer optimistischen Einschätzung der JPMorgan-Strategen, die den Halbleiter- und KI-Infrastrukturzyklus noch bis 2028 von knappen Kapazitäten geprägt sehen. Mit einem Tageshoch von 131,46 Euro hat die Aktie die charttechnisch kritische Zone um 126 Euro, wo Analysten die Nackenlinie einer Schulter-Kopf-Schulter-Formation verorten, wieder klar hinter sich gelassen. Die Bank of America hatte erst in der vergangenen Woche ihr Kursziel von 250 Euro bestätigt. Der eigentliche Härtetest folgt am 11. November mit den Zahlen zum vierten Geschäftsquartal und den neuen Mittelfristzielen. Bis dahin bleibt die Aktie ein Spielball der KI-Stimmung – mit hoher Volatilität in beide Richtungen.

Fresenius legt 3,07 Prozent auf 48,76 Euro zu und liefert damit die einzige echte Unternehmensnachricht unter den Top 5 der DAX Gewinner. Der Bad Homburger Gesundheitskonzern hat am Morgen eine exklusive Entwicklungsvereinbarung mit dem chinesischen Auftragsforscher WuXi Biologics bekannt gegeben. Fresenius erhält damit über die kommenden zehn Jahre exklusiven Zugriff auf bis zu 37 potenzielle Biosimilar-Kandidaten – Nachahmerpräparate biotechnologisch hergestellter Medikamente, deren Patente auslaufen. Die anvisierten Originalpräparate erzielen auf Basis von Listenpreisen einen Umsatz von mehr als 370 Milliarden Euro. Das Biosimilar-Portfolio könnte so von heute 29 auf bis zu 66 Moleküle wachsen; Fresenius spricht von der bislang größten Vereinbarung dieser Art in der Branche. Die weltweiten Vermarktungsrechte bleiben bei Fresenius, WuXi wird pro ausgewähltem Kandidaten auf Dienstleistungsbasis vergütet. Gleichzeitig bekräftigte der Konzern die Jahresprognose 2026 und die Biopharma-Ziele für 2030: Bis dahin soll sich der Biopharma-Umsatz gegenüber 2025 etwa verdoppeln, bei einer EBIT-Marge von rund 20 Prozent. Einen Haken gibt es: Die Entwicklungskosten steigen zunächst und belasten die Profitabilität, erste vermarktbare Moleküle erwartet Fresenius erst Anfang der 2030er-Jahre. Die Börse honoriert dennoch die strategische Weichenstellung. JPMorgan bleibt bei „Overweight" mit einem Kursziel von 55,20 Euro, Jefferies bestätigte am Montag die Kaufempfehlung.

Adidas gewinnt 2,92 Prozent auf 172,50 Euro und setzt die Rally nach dem Rekordquartal fort. Bereits am vergangenen Donnerstag war die Aktie nach den detaillierten Zahlen zum dritten Quartal um fast sechs Prozent gestiegen. Das Betriebsergebnis kletterte um 37 Prozent auf 1,008 Milliarden Euro – der höchste Quartalswert der Firmengeschichte –, die operative Marge verbesserte sich von 11,1 auf 13,9 Prozent. Neuen Schwung brachte nun die Telefonkonferenz mit Analysten am Sonntag: Das Management stellte für 2027 ein Umsatzwachstum im hohen einstelligen Prozentbereich in Aussicht und rechnet für das vierte Quartal mit einem währungsbereinigten Umsatzplus von 9 bis 10 Prozent. Kritische Stimmen verweisen darauf, dass ein Sondereffekt aus Zollrückerstattungen die Bruttomarge geschönt hat – bereinigt lag sie laut Management bei etwa 51,5 statt der berichteten 54,3 Prozent. Die Analysten lassen sich davon nicht beirren: Deutsche Bank, JPMorgan, RBC und Jefferies bestätigten nach den Zahlen ihre positiven Einstufungen. Bis zum 52-Wochen-Hoch von 188,80 Euro aus dem Juli fehlen der Aktie noch knapp zehn Prozent.

DAX Verlierer im Check: Rheinmetall, Deutsche Börse, Telekom, RWE und Bayer

Rheinmetall ist mit einem Minus von 3,41 Prozent auf 995,30 Euro das klare Schlusslicht unter den DAX Verlierern – und hat dabei eine Marke gerissen, die weit über den einzelnen Handelstag hinaus Bedeutung hat: die 1.000 Euro. Im Tagestief rutschte die Aktie sogar bis auf 987,80 Euro. Der Rüstungskonzern wird heute gleich von zwei Seiten in die Zange genommen. Zum einen dämpfen die Signale aus Washington zur Iran-Diplomatie die Nachfrage nach Rüstungswerten als Krisenabsicherung – der Ölpreisrutsch, der Luftfahrtwerte beflügelt, ist für die Verteidigungsbranche das Gegenteil. Zum anderen lasten die für die erste Novemberhälfte in Abu Dhabi vorbereiteten Gespräche zwischen Russland, der Ukraine und den USA auf dem gesamten Sektor. Schon am Freitag hatte die Aktie zwei Prozent verloren. Die Bilanz ist ernüchternd: Vom 52-Wochen-Hoch bei rund 1.966 Euro hat sich der Kurs fast halbiert. Operativ ist das paradox, denn Rheinmetall wächst kräftig – im ersten Halbjahr stieg der Umsatz um 39 Prozent auf 5,23 Milliarden Euro, das operative Ergebnis um 74 Prozent auf 786 Millionen Euro. Doch die Börse handelt die Erwartungen, und die hatten im August einen Dämpfer erhalten, als der Konzern nach dem Aus des Fregattenprogramms F126 seine Umsatzprognose für 2026 senken musste. JPMorgan hatte die Aktie im September vor dem Kapitalmarkttag auf eine „Negative Catalyst Watch" gesetzt. Die nächste Weichenstellung kommt am Donnerstag, 5. November, um 14 Uhr mit den Zahlen zum dritten Quartal, Ende November folgt der Kapitalmarkttag in Hamburg. Solange die Aktie unter 1.000 Euro notiert, bleibt das Chartbild angeschlagen.

Deutsche Börse verliert 2,03 Prozent auf 313,90 Euro. Eine negative Unternehmensnachricht gab es nicht – im Gegenteil: Der Börsenbetreiber hatte Ende Oktober nach einem starken dritten Quartal seine Jahresprognose erneut angehoben, das EBITDA stieg um 16 Prozent auf 978 Millionen Euro, das den Aktionären zurechenbare Ergebnis um 18 Prozent auf 559 Millionen Euro. Genau darin liegt der Grund für die heutigen Abgaben. Die Aktie gehört mit einem Plus von über 40 Prozent zu den stärksten DAX-Werten des Jahres und notierte zuletzt nur knapp unter ihrem Rekordhoch. An einem Tag, an dem Anleger aus sicheren Häfen in zyklische und zuletzt verprügelte Werte umschichten, wird ein solcher Jahresgewinner zur Finanzierungsquelle. Hinzu kommt eine Börsenlogik, die gerne übersehen wird: Die Deutsche Börse verdient an Volatilität und Absicherungsgeschäften. Nachlassende geopolitische Spannungen dämpfen tendenziell die Fantasie für außergewöhnlich hohe Handelsvolumina. Am Morgen war die Aktie noch leicht im Plus gestartet, im Tagesverlauf drehte sie kontinuierlich ins Minus.

Deutsche Telekom gibt 1,00 Prozent auf 25,74 Euro nach und kommt damit nicht aus der Schwächephase heraus. Einen konkreten unternehmensspezifischen Auslöser gab es heute nicht, die Aktie wurde vom schwachen europäischen Telekomsektor mit nach unten gezogen. Das Grundproblem bleibt jedoch präsent: Seit den Berichten über Pläne von SpaceX, ins Mobilfunkgeschäft einzusteigen, steht die US-Tochter T-Mobile US unter Druck – und mit ihr die Bonner Mutter. Zwar hatten starke Zahlen von T-Mobile US in der vergangenen Woche für eine kurze Erholung gesorgt, doch an einem Tag, an dem Anleger defensive Titel verkaufen, um in Wachstums- und Zyklikerwerte umzuschichten, ziehen Telekom-Aktien den Kürzeren. Auf Jahressicht liegt die Aktie rund 15 Prozent im Minus und notiert nur noch knapp über ihrem 52-Wochen-Tief. Aufgrund ihres hohen Indexgewichts gehörte sie heute zu den größten Bremsklötzen des DAX.

RWE verliert 0,94 Prozent auf 56,78 Euro. Für den Essener Energiekonzern ist der Ölpreisrutsch ein zweischneidiges Schwert: Was die Industrie entlastet, drückt tendenziell auf die Erwartungen für die Großhandelsstrompreise und damit auf die Erlösfantasie der Stromerzeuger. Hinzu kommen Gewinnmitnahmen nach einem starken Jahreslauf – RWE notiert auf dem höchsten Niveau seit rund zehn Jahren. Auch der zweite große Versorger im Index, E.ON, gab heute 0,64 Prozent nach. Fundamental bleibt RWE solide aufgestellt: Der Konzern hatte im Sommer seine Ergebnisprognosen für 2026 und 2027 angehoben und strebt bis 2031 jährlich zehn Prozent Dividendenwachstum an. BlackRock hat seinen Anteil im Oktober auf 7,16 Prozent ausgebaut.

Bayer gibt 0,74 Prozent auf 49,85 Euro nach und rutscht damit unter die Marke von 50 Euro. Die Abgaben sind vor allem Vorsicht vor dem morgigen Zahlentag. Nach dem Glyphosat-Prozesssieg der Tochter Monsanto in St. Louis war die Aktie in der vergangenen Woche binnen zwei Handelstagen um fast zehn Prozent gestiegen, am Freitag gehörte sie mit einem Plus von über vier Prozent zu den DAX Gewinnern. Nach einer solchen Rally sichern sich viele Anleger vor einer Quartalsbilanz lieber ihre Gewinne. Am Dienstag um 7:30 Uhr legt Bayer die Zahlen für das dritte Quartal vor. Analysten erwarten im Schnitt ein Ergebnis von 0,387 Euro je Aktie nach einem Verlust von 0,98 Euro im Vorjahresquartal, beim Umsatz rechnen sie mit 9,87 Milliarden Euro. Ob die Zone um 50 Euro hält, entscheidet sich morgen früh.

Konjunkturdaten in der DAX Analyse: Einzelhandels-Schock, robuste Industrie und ein ISM-Index, der Hoffnung macht Der Wirtschaftskalender hatte an diesem Montag einiges zu bieten – und die Daten zeichneten ein auffällig gespaltenes Bild: Die Industrie läuft, der Konsum lahmt.

Deutschland – Einzelhandelsumsatz September (8:00 Uhr): Den Auftakt machte ein echter Tiefschlag. Die deutschen Einzelhandelsumsätze brachen im September real um 2,0 Prozent gegenüber dem Vormonat ein. Ökonomen hatten mit einem Plus von 0,4 Prozent gerechnet, im August hatte es noch einen Zuwachs von 1,2 Prozent gegeben. Im Vergleich zum Vorjahresmonat lagen die Umsätze real um 2,3 Prozent niedriger, nach minus 0,3 Prozent im August. Der Lebensmittelhandel verlor 1,4 Prozent, der Handel mit Nicht-Lebensmitteln sogar 2,4 Prozent. Die Verbraucher halten ihr Geld angesichts hoher Energiepreise und wirtschaftlicher Unsicherheit zusammen – ein Warnsignal zum Start in das wichtige Weihnachtsquartal. Einschränkend weist das Statistische Bundesamt darauf hin, dass im September eine neue Stichprobe eingeführt wurde und die Daten häufig größeren Revisionen unterliegen. Dass der DAX darauf kaum reagierte, unterstreicht, wie stark der Markt derzeit von Öl, Zinsen und Tech-Stimmung getrieben wird.

Deutschland – Einkaufsmanagerindex Industrie (9:55 Uhr): Ganz anders das Bild in den Fabrikhallen. Der finale S&P-Global-Einkaufsmanagerindex für die deutsche Industrie bestätigte die erste Schätzung von 54,2 Punkten und lag damit über dem Septemberwert von 53,9. Die deutsche Industrie wächst so kräftig wie lange nicht, getragen von Rüstungs-, Infrastruktur- und Investitionsaufträgen. Das ist Rückenwind für Werte wie Siemens, GEA oder Heidelberg Materials – und ein deutlicher Kontrast zur Konsumschwäche.

Eurozone und europäische Nachbarn (9:45 bis 10:30 Uhr): Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie der Eurozone wurde von 52,4 auf 52,7 Punkte nach oben revidiert, nach 52,9 im September. Das Wachstum verlangsamt sich leicht, bleibt aber solide. Die Schwachstellen liegen im Süden und Westen: Frankreich kommt auf 49,5 Punkte (erste Schätzung 49,3, Vormonat 50,6) und rutscht damit unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Noch enttäuschender fiel Italien aus – mit 49,4 Punkten verfehlte das Land die Prognose von 50,2 deutlich, nach 50,4 im Vormonat. Großbritannien bestätigte dagegen 52,8 Punkte nach 51,9. Die europäische Industriekonjunktur hängt damit zunehmend an Deutschland.

Deutschland – Bubill-Auktionen (11:30 Uhr): Bei der Auktion unverzinslicher Schatzanweisungen stiegen die Renditen leicht. Für drei Monate lag sie bei 2,67 Prozent nach zuvor 2,586 Prozent, für neun Monate bei 2,908 Prozent nach 2,872 Prozent. Die Geldmärkte preisen damit weiterhin keine baldige Zinssenkung der EZB ein – die Inflationssorgen infolge der Energiepreise sind noch nicht vom Tisch.

USA – S&P-Global-Einkaufsmanagerindex Industrie (15:45 Uhr): Der finale Wert für die US-Industrie fiel mit 54,9 Punkten schwächer aus als die erwarteten 56,0 Punkte und lag unter dem Vormonatswert von 55,9. Ein erster Dämpfer – der allerdings nur eine Viertelstunde Bestand hatte.

USA – ISM-Index Industrie (16:00 Uhr): Der wichtigste Datenpunkt des Tages übertraf die Erwartungen deutlich. Der ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe stieg im Oktober auf 55,5 Punkte nach 54,5 im September; erwartet worden waren 54,6 Punkte. Die US-Industrie wächst damit den zehnten Monat in Folge, die Produktion erreichte den höchsten Stand seit November 2021. Die Auftragseingänge legten leicht von 55,3 auf 55,5 Punkte zu, die Beschäftigungskomponente gab minimal von 52,7 auf 52,4 Punkte nach. Der eigentliche Lichtblick aber ist die Preiskomponente: Sie sank von 77,9 auf 75,2 Punkte und lag damit klar unter der Prognose von 77 Punkten. Der Preisdruck bleibt zwar hoch – die Einkaufspreise steigen den 25. Monat in Folge –, er lässt aber spürbar nach. Laut ISM entspricht das Niveau des Index einem annualisierten Wirtschaftswachstum von 2,7 Prozent. Für die US-Notenbank, die den Leitzins zuletzt bei 3,75 bis 4,00 Prozent belassen hatte, ist das eine bequeme Mischung: Die Wirtschaft brummt, ohne dass die Inflation weiter Fahrt aufnimmt. Für die Aktienmärkte war das das Signal für den Nachmittagsschub.

USA – Bauausgaben September (16:00 Uhr): Zeitgleich kam die negative Überraschung aus der Bauwirtschaft. Die US-Bauausgaben fielen im September um 1,9 Prozent gegenüber dem Vormonat. Erwartet worden war ein Plus von 0,4 Prozent, im August hatte es noch einen Anstieg um 2,0 Prozent gegeben. Die hohen Finanzierungskosten bremsen den Bausektor spürbar – eine Entwicklung, die für die US-Geschäfte von Heidelberg Materials und Hochtief im Blick behalten werden sollte.

USA – Fed-Rede und Geldmarkt (17:15 und 17:30 Uhr): Zum Handelsschluss in Frankfurt sprach Chicago-Fed-Präsident Austan Goolsbee, zudem standen Auktionen drei- und sechsmonatiger US-Schatzwechsel an (zuletzt 4,05 und 4,21 Prozent). Goolsbees Einschätzung zur Balance zwischen Ölpreisrisiken und robuster Konjunktur dürfte den nachbörslichen Handel beeinflussen.

Unter dem Strich zeigen die Daten des Tages eine zweigeteilte Konjunktur: Die Industrie auf beiden Seiten des Atlantiks ist robust, der deutsche Konsum und der US-Bau schwächeln. Für die Börse überwiegt heute die gute Nachricht – vor allem, weil der US-Preisdruck nachlässt.

Die fünf größten DAX Gewinner am 2. November 2026

  • MTU Aero Engines (ISIN: DE000A0D9PT0, WKN: A0D9PT, Symbol: MTX) – 345,60 Euro, +5,40 Prozent Der Ölpreisrutsch beflügelt den gesamten Luftfahrtsektor, MTU profitiert über das Wartungsgeschäft direkt von mehr Flugstunden. Durchschnittliches Analystenkursziel rund 436 Euro, Kapitalmarkttag Ende November.

  • Heidelberg Materials (ISIN: DE0006047004, WKN: 604700, Symbol: HEI) – 156,05 Euro, +4,70 Prozent Sinkende Energiepreise entlasten den energieintensiven Zementkonzern, der seinen Ausblick im Sommer wegen hoher Energiekosten gesenkt hatte. RBC-Hochstufung auf „Outperform", Trading-Update zum dritten Quartal am 4. November.

  • Siemens Energy (ISIN: DE000ENER6Y0, WKN: ENER6Y, Symbol: ENR) – 130,38 Euro, +3,17 Prozent Erholung nach dem Kurssturz vom Freitag. Die KI-Infrastruktur-Story gewinnt nach der Intel-Panik wieder Vertrauen. Zahlen zum vierten Geschäftsquartal am 11. November.

  • Fresenius (ISIN: DE0005785604, WKN: 578560, Symbol: FRE) – 48,76 Euro, +3,07 Prozent Exklusive Entwicklungsvereinbarung mit WuXi Biologics über bis zu 37 Biosimilar-Kandidaten, Jahresprognose bestätigt. JPMorgan „Overweight" mit Kursziel 55,20 Euro.

  • Adidas (ISIN: DE000A1EWWW0, WKN: A1EWWW, Symbol: ADS) – 172,50 Euro, +2,92 Prozent Nachwirkungen des Rekordquartals und positiver Ausblick aus der Analystenkonferenz: Umsatzwachstum im hohen einstelligen Prozentbereich für 2027 in Aussicht gestellt.

Die fünf größten DAX Verlierer am 2. November 2026

  • Rheinmetall (ISIN: DE0007030009, WKN: 703000, Symbol: RHM) – 995,30 Euro, -3,41 Prozent Iran-Diplomatie und bevorstehende Ukraine-Gespräche in Abu Dhabi belasten die Rüstungswerte. Die Aktie fällt unter 1.000 Euro. Zahlen zum dritten Quartal am 5. November um 14 Uhr.

  • Deutsche Börse (ISIN: DE0005810055, WKN: 581005, Symbol: DB1) – 313,90 Euro, -2,03 Prozent Gewinnmitnahmen beim Jahresgewinner nahe dem Rekordhoch trotz kürzlich erneut angehobener Prognose. Umschichtungen aus defensiven in zyklische Werte.

  • Deutsche Telekom (ISIN: DE0005557508, WKN: 555750, Symbol: DTE) – 25,74 Euro, -1,00 Prozent Schwacher Telekomsektor, kein unternehmensspezifischer Auslöser. Die SpaceX-Sorgen um T-Mobile US wirken nach, die Aktie notiert nahe dem 52-Wochen-Tief.

  • RWE (ISIN: DE0007037129, WKN: 703712, Symbol: RWE) – 56,78 Euro, -0,94 Prozent Fallende Energiepreise dämpfen die Strompreisfantasie, Gewinnmitnahmen nach starkem Jahreslauf. Dividendenwachstum von jährlich zehn Prozent bis 2031 angestrebt.

  • Bayer (ISIN: DE000BAY0017, WKN: BAY001, Symbol: BAYN) – 49,85 Euro, -0,74 Prozent Vorsicht vor den Quartalszahlen am Dienstag um 7:30 Uhr nach der Glyphosat-Rally der Vorwoche. Konsens: 0,387 Euro Ergebnis je Aktie bei 9,87 Milliarden Euro Umsatz.

Kursangaben: Börse Stuttgart, Stand ca. 17:30 Uhr. DAX-Stand: Ariva-Indikation, 17:30 Uhr.

Häufige Fragen zum DAX Check

Wie hat der DAX heute geschlossen? Der DAX stieg um 0,77 Prozent beziehungsweise 199,56 Punkte auf 25.981,99 Zähler. Zwischenzeitlich notierte der Leitindex über 26.000 Punkten, 32 der 40 Werte schlossen im Plus.

Warum ist der DAX heute gestiegen? Der Ölpreis fiel nach Trumps Signal für mehr Iran-Diplomatie um rund sechs Prozent, der US-ISM-Index überraschte positiv bei nachlassendem Preisdruck, und KI-Werte erholten sich vom Ausverkauf am Freitag.

Welche Aktien waren die DAX Gewinner und DAX Verlierer? An der Spitze standen MTU Aero Engines (+5,40 Prozent), Heidelberg Materials (+4,70 Prozent) und Siemens Energy (+3,17 Prozent). Schlusslichter waren Rheinmetall (-3,41 Prozent), Deutsche Börse (-2,03 Prozent) und Deutsche Telekom (-1,00 Prozent).

Welche Termine sind als Nächstes wichtig? Heute Abend die Quartalszahlen von Palantir (22:05 Uhr) und Apple (22:30 Uhr), am Dienstag die US-Zwischenwahlen und die Bayer-Zahlen, am Mittwoch Heidelberg Materials und Vonovia, am Donnerstag Rheinmetall, Hochtief und DHL, am Freitag der US-Arbeitsmarktbericht.

Fazit der DAX Analyse: Der Ölpreis gibt den Takt vor – die Midterms entscheiden über die Fortsetzung Der DAX hat am Montag eindrucksvoll gezeigt, wie schnell sich das Blatt wenden kann. Aus einem zögerlichen Vormittag wurde dank Ölpreisrutsch und starkem ISM-Index ein klarer Gewinntag mit breiter Marktbeteiligung. Die DAX Gewinner MTU, Heidelberg Materials und Siemens Energy stehen sinnbildlich für die beiden Themen, die den Markt derzeit bewegen: Energiepreise und KI-Infrastruktur. Rheinmetall als größter DAX Verlierer zeigt die Kehrseite – jede Entspannung an den geopolitischen Fronten trifft die Rüstungswerte. Charttechnisch ist die 26.000er-Marke zum Greifen nah, nach unten bildet die Zone um 25.800 Punkte die Verteidigungslinie. Doch die Stabilität dieser Erholung wird in den kommenden 48 Stunden auf eine harte Probe gestellt: Erst muss Apple heute Abend liefern, dann entscheiden die amerikanischen Wähler über die Kräfteverhältnisse in Washington – und damit womöglich auch darüber, ob Trumps Iran-Diplomatie die Wahl überdauert. Der nächste DAX Check dürfte spannend werden.

Redaktion, aktiencheck.de

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