Business-Ticker : VW-Chef Blume: Hälfte des Stellenabbaus wohl in Deutschland
Oliver Blume ist Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG.dpa
Reichinnek kritisiert VW-Zahlungen an Aktionäre der letzten fünf Jahre +++ VW-Chef Blume spricht mit Wolfsburger Belegschaft über Sparmaßnahmen +++ Gerresheimer-Interimschef verlässt das Unternehmen +++ Neuigkeiten im Unternehmen-Liveblog.
VW-Chef: Hälfte des Stellenabbaus in Deutschland
Der Volkswagen-Konzern will die Hälfte von möglicherweise rund 50.000 zu streichenden Stellen in Deutschland abbauen. „Aus heutiger Sicht entfällt etwa die Hälfte des Anpassungsbedarfs auf Deutschland, die andere international – in insgesamt rund 170 Gesellschaften“, sagte Konzernchef Oliver Blume nach Angaben des Unternehmens am Dienstag bei einer Betriebsversammlung in Wolfsburg. Der Vorstand werde „auch künftig so weit wie möglich auf freiwillige Personalinstrumente setzen“.
Blume nannte etwa Renteneintritte, einvernehmliche Vereinbarungen, „natürliche Fluktuation sowie eine restriktive Einstellungspolitik“. Auch solle die Altersteilzeit „für weitere Jahrgänge“ geöffnet werden, fuhr er fort. „Die konkreten Schritte werden wir mit den Arbeitnehmervertretern beraten.“ Der Konzernchef bekräftigte dabei, dass die „häufig genannte Zahl von rund 50.000 Stellen“ weltweit „keine Zielgröße“ sei. „Sie ist eine theoretische Rechengröße – abgeleitet von unseren Kosten. Heute liegen wir rund 30 Prozent über dem Durchschnitt vergleichbarer Unternehmen“, gab Blume weiter an. Der Konzernvorstand stehe „geschlossen hinter dem Zukunftsplan“.
Im Juli hatten zunächst Medien tagelang über mögliche Stellenstreichungen in dem Konzern sowie Standortschließungen berichtet. Blume sagte nun, das Ziel sei es, „in den nächsten sechs bis zwölf Monaten belastbare Perspektiven für alle Standorte zu schaffen“. „Für Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm können wir heute noch keine wettbewerbsfähige Belegung für die 2030er-Jahre darstellen“, wiederholte er. „Das heißt aber nicht, dass Werksschließungen beschlossen sind. Sie sind immer die letzte und teuerste Lösung.“
Reichinnek kritisiert VW-Zahlungen an Aktionäre der letzten fünf Jahre
In der Krise bei Volkswagen ist aus Sicht der Linken-Politikerin Heidi Reichinnek die Bundesregierung gefordert. „Statt das Verbrenner-Aus zurückzudrehen, braucht es konsequente Schritte zur E-Mobilität durch verlässliche und klare Vorgaben sowie ein großangelegtes Investitionspaket“, sagte die Chefin der Linksfraktion im Bundestag der Deutschen Presse-Agentur. Auch brauche es mehr Mitbestimmung in den Betrieben, um das Know-how der Beschäftigten zu nutzen.
Reichinnek übte scharfe Kritik am Management des Konzerns. „VW hat in den letzten fünf Jahren fast 30 Milliarden Euro an seine Aktionäre ausgeschüttet, statt ausreichend in die Zukunft des Unternehmens zu investieren“, sagte sie. „Dafür will die Konzernspitze nun die Belegschaft bluten lassen, indem vier Werke geschlossen und weitere 50.000 Arbeitsplätze gestrichen werden sollen.“ Durch den Fokus auf Rendite für wenige fahre das Management das Unternehmen an die Wand, sagte Reichinnek.
Insider: VW-Arbeitnehmervertreter und Land Niedersachsen mit eigenen Konzepten
Im Ringen um die Zukunft von Volkswagen wollen die Arbeitnehmervertreter und das Land Niedersachsen Insidern zufolge jeweils eigene Konzepte vorschlagen. Zur Aufsichtsratssitzung des Dax-Konzerns am 4. September gebe es drei Beschlussvorlagen, sagten drei mit dem Vorgang Vertraute der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag.
Neben der des Konzernvorstandes gebe es einen Vorschlag vom Großaktionär Niedersachsen und einen von den Vertretern der Arbeitnehmerschaft. Ein Sprecher des Aufsichtsrats, der Betriebsrat und das Land Niedersachsen lehnten einen Kommentar ab.
Neben der des Konzernvorstandes gebe es einen Vorschlag vom Großaktionär Niedersachsen und einen von den Vertretern der Arbeitnehmerschaft. Ein Sprecher des Aufsichtsrats, der Betriebsrat und das Land Niedersachsen lehnten einen Kommentar ab.
Der Umbau- und Sparplan von VW-Chef Oliver Blume, der den Fortbestand deutscher Werke und von 50.000 Arbeitsplätze in Frage stellt, war im Juli durch die Ablehnung der Arbeitnehmer und der Vertreter des Landes Niedersachsen im Aufsichtsrat gescheitert. Am 4. September soll das Kontrollgremium abermals beraten.
Auftakt am Stammwerk: VW-Betriebsversammlung hat begonnen
In der Wolfsburger VW-Zentrale hat die Serie von Betriebsversammlungen beim kriselnden Autobauer begonnen. VW-Chef Oliver Blume betonte gegenüber der Belegschaft die Notwendigkeit weiterer Einsparungen. „Wir müssen Komplexität reduzieren, unsere Strukturen konsequent verschlanken und Kosten senken“, sagte Blume in seiner Rede bei der Betriebsversammlung im Wolfsburger Werk. An mehreren VW-Standorten soll der Vorstand der Belegschaft in den kommenden Tagen Rede und Antwort stehen.
Als Ziel des Umbauplans für Europas größten Autokonzern nannte Blume belastbare Perspektiven für alle Standorte. „Unser Ziel ist es, in den nächsten sechs bis zwölf Monaten belastbare Perspektiven für alle Standorte zu schaffen“, sagte er. Die Konzernmarken hätten den Auftrag, gemeinsam mit den Werken konkrete Optionen zu erarbeiten. Werksschließungen in Emden, Hannover und Zwickau sowie beim Audi-Werk in Neckarsulm seien nicht beschlossen. „Sie sind immer die letzte und teuerste Lösung.“
„Zölle, neue Wettbewerber und geopolitische Risiken: Die gesamte Autoindustrie steht unter enormem Druck“, sagte Blume. Der VW-Konzern habe „frühzeitig gegengesteuert“ und begonnen, Konzern und Marken neu auszurichten. „Unsere Marktanteile wachsen. Aber das reicht noch nicht aus“, sagte er. Vor allem die Kosten außerhalb der Fahrzeugproduktion müssten sinken.
Dabei sei die von ihm früher genannte Zahl von 50.000 Stellen keine Zielgröße, sondern eine theoretische Rechengröße. „Aus heutiger Sicht entfällt etwa die Hälfte des Anpassungsbedarfs auf Deutschland, die andere international – in insgesamt rund 170 Gesellschaften“, ergänzte Blume nach Angaben des Konzerns.
Seit der Ankündigung weiterer Einsparungen wird bei Europas größtem Autobauer über den Abbau von Zehntausenden Stellen und die Zukunft von vier Werken gerungen. Nach Wolfsburg sind in den nächsten Tagen acht weitere Betriebsversammlungen in Braunschweig, Emden, Zwickau, Chemnitz, Dresden, Kassel-Baunatal, Salzgitter und Hannover geplant.
Gerresheimer-Interimschef verlässt das Unternehmen
Knapp ein Jahr nach seiner Rückkehr als Vorstandschef nimmt Uwe Röhrhoff beim Verpackungshersteller Gerresheimer vorzeitig den Hut. Die Nachricht sorgte am Dienstag an der Börse für einen Kursrutsch. Die Papiere verloren vorbörslich rund neun Prozent. Röhrhoff habe sein Mandat auf eigenen Wunsch beendet, teilte der Düsseldorfer Konzern mit. Seine Aufgaben übernähmen bis auf Weiteres die beiden Vorstände Wolf Lehmann und Achim Schalk. Röhrhoffs Vertrag lief ursprünglich bis Oktober 2026.
Als Gerresheimer im vergangenen Jahr ins Visier der Finanzaufsicht BaFin geraten war, musste Vorstandschef Dietmar Siemsen gehen und sein Vor-Vorgänger Röhrhoff übernahm das Ruder interimistisch. Die BaFin hatte gerügt, dass Gerresheimer 2024 Umsätze vorzeitig verbucht hatte, obwohl die Waren noch nicht ausgeliefert worden waren. Das hatte den Traditionskonzern ins Wanken gebracht.
In seiner Amtszeit sei es Röhrhoff gelungen, das Unternehmen zu stabilisieren, betonte nun Aufsichtsratschef Axel Herberg. Dazu zähle der Ende Juli unterzeichnete Vertrag zum Verkauf der US-Tochter Centor und des Geschäfts mit Kunststoff-Primärverpackungen. Mit dem Verkauf könne Gerresheimer seinen Verschuldungsgrad erheblich senken. Gleichzeitig kündigte der Konzern an, am 27. August die Bilanz zum ersten Quartal 2026 zu veröffentlichen.
Als Gerresheimer im vergangenen Jahr ins Visier der Finanzaufsicht BaFin geraten war, musste Vorstandschef Dietmar Siemsen gehen und sein Vor-Vorgänger Röhrhoff übernahm das Ruder interimistisch. Die BaFin hatte gerügt, dass Gerresheimer 2024 Umsätze vorzeitig verbucht hatte, obwohl die Waren noch nicht ausgeliefert worden waren. Das hatte den Traditionskonzern ins Wanken gebracht.
In seiner Amtszeit sei es Röhrhoff gelungen, das Unternehmen zu stabilisieren, betonte nun Aufsichtsratschef Axel Herberg. Dazu zähle der Ende Juli unterzeichnete Vertrag zum Verkauf der US-Tochter Centor und des Geschäfts mit Kunststoff-Primärverpackungen. Mit dem Verkauf könne Gerresheimer seinen Verschuldungsgrad erheblich senken. Gleichzeitig kündigte der Konzern an, am 27. August die Bilanz zum ersten Quartal 2026 zu veröffentlichen.
VW-Betriebsratschefin Cavallo: Kündigungen und Werksschließungen „keine Option“
Die Volkswagen-Betriebsratschefin Daniela Cavallo hat sich klar gegen Entlassungen und Werksschließungen bei VW ausgesprochen. „Wir schließen betriebsbedingte Kündigungen definitiv aus“, sagte die Gesamt- und Konzernbetriebsratsvorsitzende am Montagabend nach einem Treffen mit dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Olaf Lies (SPD) im VW-Nutzfahrzeugwerk Hannover. Auch Werksschließungen seien „für uns keine Option“.
Vor zusätzlichen Betriebsversammlungen an mehreren Standorten forderte Cavallo den Vorstand auf, den Beschäftigten seine Pläne zu erklären. Ein Zukunftsprogramm könne nicht allein aus Personalabbau, niedrigeren Arbeitskosten und infrage gestellten Standorten bestehen. Die Arbeitnehmerseite erwarte eine „Vorwärtsstrategie“.
VW-Chef Oliver Blume hatte zuletzt einen zusätzlichen Abbau von rechnerisch rund 50.000 Stellen ins Gespräch gebracht. Für die Werke in Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm gibt es nach Konzernangaben für die Zeit nach Auslaufen der derzeitigen Fahrzeugproduktion Anfang der 2030er Jahre bislang keine gesicherte Belegung.
Lies forderte, gemeinsam Perspektiven für die Standorte zu entwickeln. „Hier geht es um ein bisschen mehr als nur um die Frage einer Rendite, eines Cashflows oder einer Dividende“, sagte der Regierungschef. Die Sorgen der Beschäftigten und die Bedeutung der Werke für ganze Regionen müssten berücksichtigt werden.
Zugleich stellte sich Lies deutlich hinter Mitbestimmung und VW-Gesetz. Wer sich als Vorstand damit beschäftige, wie sich Mitbestimmung oder VW-Gesetz reduzieren ließen, sei „nicht auf der richtigen Spur unterwegs“. Das VW-Gesetz sichert dem Land Niedersachsen als Großaktionär besonderen Einfluss auf Volkswagen und erschwert wichtige Entscheidungen des Unternehmens gegen den Willen des Landes und der Arbeitnehmervertreter.
Vor zusätzlichen Betriebsversammlungen an mehreren Standorten forderte Cavallo den Vorstand auf, den Beschäftigten seine Pläne zu erklären. Ein Zukunftsprogramm könne nicht allein aus Personalabbau, niedrigeren Arbeitskosten und infrage gestellten Standorten bestehen. Die Arbeitnehmerseite erwarte eine „Vorwärtsstrategie“.
VW-Chef Oliver Blume hatte zuletzt einen zusätzlichen Abbau von rechnerisch rund 50.000 Stellen ins Gespräch gebracht. Für die Werke in Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm gibt es nach Konzernangaben für die Zeit nach Auslaufen der derzeitigen Fahrzeugproduktion Anfang der 2030er Jahre bislang keine gesicherte Belegung.
Lies forderte, gemeinsam Perspektiven für die Standorte zu entwickeln. „Hier geht es um ein bisschen mehr als nur um die Frage einer Rendite, eines Cashflows oder einer Dividende“, sagte der Regierungschef. Die Sorgen der Beschäftigten und die Bedeutung der Werke für ganze Regionen müssten berücksichtigt werden.
Zugleich stellte sich Lies deutlich hinter Mitbestimmung und VW-Gesetz. Wer sich als Vorstand damit beschäftige, wie sich Mitbestimmung oder VW-Gesetz reduzieren ließen, sei „nicht auf der richtigen Spur unterwegs“. Das VW-Gesetz sichert dem Land Niedersachsen als Großaktionär besonderen Einfluss auf Volkswagen und erschwert wichtige Entscheidungen des Unternehmens gegen den Willen des Landes und der Arbeitnehmervertreter.
Xpengs Roboter-Sparte mehr als 6,3 Milliarden Dollar wert
Die Roboter-Sparte des chinesischen Autobauers Xpeng hat bei ihrer ersten Finanzierungsrunde mehr als 900 Millionen Dollar eingesammelt. Damit werde der Bereich mit über 6,3 Milliarden Dollar bewertet, teilte das Unternehmen am Montag mit. Die Runde, die von IDG Capital angeführt und von den strategischen Investoren Tencent und Alibaba unterstützt wurde, stellt einen neuen Rekord für eine einzelne private Finanzierung im chinesischen Sektor für physische Künstliche Intelligenz (KI) auf.
Die Mittel sollen in die Entwicklung von Hard- und Software, das Training von KI-Modellen sowie den Aufbau von Anlagen für die Serienfertigung fließen. Zudem sei eine weltweite Expansion geplant, hieß es. Xpeng will bis Ende des Jahres mit der Serienproduktion seines humanoiden Roboters „Xpeng IRON“ beginnen. Dieser soll zunächst in den eigenen Einzelhandelsgeschäften und auf den Werksgeländen eingesetzt werden. Der kommerzielle Verkauf und die Auslieferung in China sowie auf ausländischen Märkten sind für 2027 vorgesehen.
Die Mittel sollen in die Entwicklung von Hard- und Software, das Training von KI-Modellen sowie den Aufbau von Anlagen für die Serienfertigung fließen. Zudem sei eine weltweite Expansion geplant, hieß es. Xpeng will bis Ende des Jahres mit der Serienproduktion seines humanoiden Roboters „Xpeng IRON“ beginnen. Dieser soll zunächst in den eigenen Einzelhandelsgeschäften und auf den Werksgeländen eingesetzt werden. Der kommerzielle Verkauf und die Auslieferung in China sowie auf ausländischen Märkten sind für 2027 vorgesehen.
VW-Belegschaft kritisiert „desaströse Kommunikation“ des Managements
Die Mitarbeiter von VW gehen laut einer internen Umfrage hart mit der Außendarstellung des Unternehmens ins Gericht. Wegen der „desaströsen Kommunikation nach außen durch den Vorstand“ seien die Mitarbeiter und deren Familien „verunsichert und verängstigt“, heißt es in einem Intranet-Artikel, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.
In der vom Betriebsrat initiierten Online-Erhebung zur Stimmungslage habe die Belegschaft in der vergangenen Woche im Intranet des Unternehmens die Möglichkeit gehabt, Kritik und Erwartungen an Konzernchef Oliver Blume und den übrigen Vorstand zu formulieren. Zu dem Aufruf habe die Möglichkeit gehört, per Like Zustimmung für die jeweiligen Vorschläge zu signalisieren.
Mehr als 100 Fragen hätten am Ende zur Auswahl gestanden. Zusammengefasst thematisierten die meistgenannten Fragen demnach folgende Aspekte:
- Kritik an der Kommunikation des Konzernvorstandes
- Angst der Belegschaft um ihre Arbeitsplätze
- Die Zukunft sozialverträglicher Abbauhebel sowie von Altersteilzeit und Aufhebungsverträgen
- Die Perspektiven für die Werke Emden, Hannover, Neckarsulm, Osnabrück und Zwickau
- Die Strategie für Kundenvertrauen, Zukunftsprodukte und die Abläufe in der eigenen Organisation
Diese hätten alle eine dreistellige Zahl an Likes erreicht, was für das Intranet Spitzenwerte bedeute.
Der Konzern kämpft mit hohen Kosten und einem schwierigen Umfeld. Die VW-Führung will die Kosten senken und die Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Belegschaft, Gewerkschaften und Politik bangen um zehntausende Arbeitsplätze und um die Standorte Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm.
„Die Lage ist mehr als kritisch“, sagte Blume jüngst in einem Interview, das im Intranet des Unternehmens veröffentlicht wurde und der dpa vorliegt. Blume zufolge verdient VW zu wenig, um damit die Zukunft finanzieren zu können. Bisherige Einsparungen reichten nicht aus. „Wir sind überdimensioniert. Das macht uns oft zu langsam und zu kompliziert“, beschrieb der VW-Boss das Problem.
Erste Antworten auf die Fragen und Reaktionen auf die Kritik könnte der Konzernvorstand in den kommenden Tagen liefern. Gleich neun außerordentliche Betriebsversammlungen stehen bei Volkswagen auf dem Programm. Die erste Betriebsversammlung findet am Dienstag in Wolfsburg statt.
Uniper und Equinor unterzeichnen langfristigen Gasliefervertrag
Der Energiekonzern Uniper baut seinen Gasbezug mit einem langfristigen Liefervertrag in Norwegen aus. Uniper habe einen Vertrag mit dem norwegischen Energieriesen Equinor unterzeichnet, teilten die Unternehmen am Montag mit. Uniper beziehe von 2027 bis 2041 jährlich mehr als 30 Terawattstunden Erdgas. Dies entspreche grob dem Gasverbrauch von mehr als zwei Millionen Haushalten in Deutschland pro Jahr. Die Vereinbarung stärke die Versorgungssicherheit des deutschen Marktes.
Equinor gehört bereits jetzt zu den wichtigsten Gaslieferanten Deutschlands. Der mehrheitlich staatlich kontrollierte Konzern hatte im Zuge der Energiekrise 2022 frühere Gasmengen Russlands teilweise ersetzt.
„Mit dieser Vereinbarung stärken wir die langfristige Gasversorgung Deutschlands und vertiefen zugleich unsere Zusammenarbeit mit Equinor“, sagte Uniper-Chef Michael Lewis. Gemeinsam wollten die Unternehmungen Lösungen für Erdgas mit geringeren Emissionen in Deutschland weiterentwickeln. Norwegen sei ein wichtiger Partner für die Energieversorgung Europas. Diese Vereinbarung unterstreiche die starke Nachfrage nach zuverlässigen, langfristigen Gaslieferungen aus Norwegen, erklärte Equinor-Chef Anders Opedal. Sie stärke zudem die Rolle von Equinor als verlässlicher langfristiger Energiepartner für Europa.
KI-Start-up Hugging Face prüft Verkauf für 13 Milliarden Dollar
Das auf Künstliche Intelligenz (KI) spezialisierte Start-up Hugging Face prüft einem Medienbericht zufolge einen Verkauf, der das Unternehmen mit 13 Milliarden Dollar oder mehr bewerten könnte. Das in New York ansässige Unternehmen habe eine Bank beauftragt, um das Interesse potenzieller Bieter auszuloten, berichtete das Portal Business Insider am Sonntag unter Berufung auf Insider. Eine Stellungnahme von Hugging Face lag zunächst nicht vor. Der KI-Spezialist stellt quelloffene große Sprachmodelle und Datensätze bereit. Bei einer Finanzierungsrunde im Jahr 2023, die von Technologiekonzernen wie Salesforce, Google und Nvidia angeführt wurde, war Hugging Face mit 4,5 Milliarden Dollar bewertet worden.
Weidmann: Bund soll vorerst Aktionär bei Commerzbank bleiben
Aus Sicht von Commerzbank-Aufsichtsratschef Jens Weidmann sollte der Bund vorerst Aktionär bei der Commerzbank bleiben. „Die Beteiligung war Teil einer Rettungsmaßnahme, deshalb sollte sich der Bund perspektivisch zurückziehen“, sagte Weidmann der „Süddeutschen Zeitung“. „In der aktuellen Phase macht es aber Sinn, dass der Bund weiter Aktionär bleibt, um die Interessen des Standorts Deutschland aktiv zu vertreten“, so Weidmann mit Blick auf das Übernahmeringen mit der italienischen Unicredit.
Der Bund ist seit der Finanzkrise an der Commerzbank beteiligt. Als er vor zwei Jahren einen Teil verkaufte, nutzte Unicredit dies zum Einstieg. Derzeit hält der Bund noch rund 12 Prozent an der Commerzbank und ist damit zweitgrößter Aktionär nach der italienischen Großbank. Die Unicredit, die im Mai ein Angebot für die Commerzbank vorgelegt hatte, hat sich den Zugriff auf fast 50 Prozent der Anteile gesichert. Der Bund hat bisher einen Verkauf seiner Anteile abgelehnt. Zuletzt gab es aber Spekulationen, wonach die Bundesregierung offen für einen Ausstieg sein könnte, sofern sich beide Banken im Übernahmeringen auf eine gemeinsame Strategie verständigen sollten.
Zugleich forderte Weidmann eine Überprüfung des deutschen Übernahmerechts. Der Einstieg der Unicredit bei der Commerzbank werfe Fragen auf. Von den rund 73 Prozent der Commerzbank-Aktien, die der Unicredit hätten angedient werden können, seien nur knapp 18 Prozent angedient worden. Groß- und Privatanleger hätten sich daran mit weniger als drei Prozent beteiligt, der Rest entfalle auf mit Unicredit verbundene Banken, sagte Weidmann. „So konnte Unicredit mit einem finanziell unattraktiven Angebot eine Mehrheit erreichen, ohne eine angemessene Kontrollprämie zu bezahlen. Das wirft Fragen zum Übernahmerecht in Deutschland auf, das sich der Gesetzgeber vielleicht anschauen sollte."
Zugleich warnte Weidmann vor möglichen Einschnitten bei der Commerzbank. Um nach dem Plan von Unicredit binnen zwölf Monaten 1,3 Milliarden Euro Kosten einzusparen, müsse auch in Deutschland massiv reduziert werden.
Streik könnte neue Boeing-Modelle verzögern
Ein Tarifkonflikt könnte den Zeitplan des Flugzeugherstellers Boeing zurückwerfen. Die Nachrichtenagentur Reuters schreibt: "Wir haben keine andere Wahl, als unseren Notfallplan umzusetzen", sagte Boeing-Manager Ben Nimmergut, nachdem die rund 17.000 Mitglieder der Gewerkschaft SPEEA am Freitag ein Vertragsangebot abgelehnt und den Weg für einen Streik ab dem 6. Oktober freigemacht hatten.
Ein Ausstand würde laut Reuters die Zertifizierung der Modelle 737 Max 10 und 777-9, deren Zulassung sich bereits um mehrere Jahre verzögert hat, weiter zurückwerfen. Grund für die Ablehnung seien der Gewerkschaft zufolge unzureichende Lohnerhöhungen, die die hohe Teuerung in der Region Seattle nicht ausgleichen würden. Die SPEEA-Mitglieder hätten zuletzt im Jahr 2000 40 Tage lang die Arbeit niedergelegt.
Ein Ausstand würde laut Reuters die Zertifizierung der Modelle 737 Max 10 und 777-9, deren Zulassung sich bereits um mehrere Jahre verzögert hat, weiter zurückwerfen. Grund für die Ablehnung seien der Gewerkschaft zufolge unzureichende Lohnerhöhungen, die die hohe Teuerung in der Region Seattle nicht ausgleichen würden. Die SPEEA-Mitglieder hätten zuletzt im Jahr 2000 40 Tage lang die Arbeit niedergelegt.
Alibaba plant milliardenschwere Kapitalerhöhung für KI-Offensive
Der chinesische Online-Riese Alibaba will sich über die Ausgabe neuer Aktien frisches Geld in Milliardenhöhe beschaffen. Wie der Konzern am Sonntag mitteilte, sollen durch den Verkauf neuer Anteilscheine an der Börse in Hongkong insgesamt 80 Milliarden Hongkong-Dollar (rund 8,73 Milliarden Euro) eingenommen werden.
Dem Unternehmen zufolge handelt es sich um die größte Kapitalerhöhung eines bereits an der Börse gelisteten Unternehmens in Hongkong überhaupt. Zudem ist es die weltweit drittgrößte Transaktion dieser Art in diesem Jahr, nach ähnlichen Schritten der US-Technologiekonzerne Alphabet und Intel.
Die Einnahmen aus dem Aktienverkauf will Alibaba nach eigenen Angaben vollständig in den Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) stecken. Geplant seien Investitionen in die gesamte Bandbreite der KI-Technologie. Dazu gehöre auch der Ausbau und die Verbesserung der dafür notwendigen Infrastruktur wie etwa von Rechenzentren.
Dem Unternehmen zufolge handelt es sich um die größte Kapitalerhöhung eines bereits an der Börse gelisteten Unternehmens in Hongkong überhaupt. Zudem ist es die weltweit drittgrößte Transaktion dieser Art in diesem Jahr, nach ähnlichen Schritten der US-Technologiekonzerne Alphabet und Intel.
Die Einnahmen aus dem Aktienverkauf will Alibaba nach eigenen Angaben vollständig in den Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) stecken. Geplant seien Investitionen in die gesamte Bandbreite der KI-Technologie. Dazu gehöre auch der Ausbau und die Verbesserung der dafür notwendigen Infrastruktur wie etwa von Rechenzentren.
Volkswagen-Chef ruft Mitarbeiter wegen Konzernkrise zum Zusammenhalt auf
Volkswagen-Konzernchef Oliver Blume hat die Belegschaft angesichts der Branchenkrise und der bei VW geplanten tiefgreifenden Einschnitte zu vollkommenem Zusammenhalt aufgerufen. „Auf die nächsten Wochen kommt es an: Alle müssen mitziehen“, sagte Blume der „Bild am Sonntag“. „Wir haben den größten Transformationsplan in der Geschichte des Volkswagen-Konzerns aufgesetzt."
Kommende Woche findet eine Reihe von außerordentlichen Betriebsversammlungen statt. Am Dienstag in Wolfsburg sowie am Mittwoch in Emden und Zwickau will Blume persönlich daran teilnehmen.
„Die nächsten Jahre sind entscheidend, wer im Rennen bleibt und wer an die Spitze fährt“, betonte Blume. Die Ursachen für den enormen Spardruck sieht er in einem fundamentalen Marktwandel und globalen Verwerfungen. „Die weltweite Autoindustrie ist in einer Mega-Krise. Und der Volkswagen Konzern ist mittendrin“, sagte er. „Geopolitik, Handelsbarrieren, Regulatorik, schwache Märkte und massiver Wettbewerb“ seien eine Herausforderung für „alle“.
Die Arbeitnehmerseite hatte vor den Werksferien Details zu den Sparplänen und Entlassungen verlangt. Nach tagelangen Berichten über mögliche Stellenstreichungen hatte Blume Mitte Juli in einem im Intranet des Konzerns veröffentlichten Interview von weltweit etwa 50.000 abzubauenden Stellen gesprochen, um die Gemeinkosten auf ein „wettbewerbsfähiges Niveau“ zu bringen. Die VW-Werke Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm stehen auf der Kippe.
Kommende Woche findet eine Reihe von außerordentlichen Betriebsversammlungen statt. Am Dienstag in Wolfsburg sowie am Mittwoch in Emden und Zwickau will Blume persönlich daran teilnehmen.
„Die nächsten Jahre sind entscheidend, wer im Rennen bleibt und wer an die Spitze fährt“, betonte Blume. Die Ursachen für den enormen Spardruck sieht er in einem fundamentalen Marktwandel und globalen Verwerfungen. „Die weltweite Autoindustrie ist in einer Mega-Krise. Und der Volkswagen Konzern ist mittendrin“, sagte er. „Geopolitik, Handelsbarrieren, Regulatorik, schwache Märkte und massiver Wettbewerb“ seien eine Herausforderung für „alle“.
Die Arbeitnehmerseite hatte vor den Werksferien Details zu den Sparplänen und Entlassungen verlangt. Nach tagelangen Berichten über mögliche Stellenstreichungen hatte Blume Mitte Juli in einem im Intranet des Konzerns veröffentlichten Interview von weltweit etwa 50.000 abzubauenden Stellen gesprochen, um die Gemeinkosten auf ein „wettbewerbsfähiges Niveau“ zu bringen. Die VW-Werke Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm stehen auf der Kippe.
Apple legt erstmals Steuerzahlung in Deutschland und Europa offen
Apple hat im Rahmen neuer Transparenzvorschriften der Europäischen Union erstmals offengelegt, wie viel Gewinn und Steuern der US-Konzern in den einzelnen Mitgliedstaaten verbucht. Aus einem frisch veröffentlichten Steuerbericht für das Ende September 2025 abgeschlossene vergangene Geschäftsjahr geht hervor, dass Apple in Deutschland bei einem Vorsteuergewinn von rund 209 Millionen US-Dollar (aktuell 178 Mio Euro) Ertragsteuern in Höhe von 153,5 Millionen Dollar (131,2 Mio Euro) zahlte.
Der Gesamtumsatz der deutschen Geschäftseinheiten von Apple belief sich laut dem Bericht auf 2,72 Milliarden Dollar (2,33 Mrd Euro). Bundesweit beschäftigte das Unternehmen 4.089 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon mehr als 2.000 Ingenieure am „European Silicon Design Center“ in München, Apples größtem Entwicklungsstandort in Europa.
Der Gesamtumsatz der deutschen Geschäftseinheiten von Apple belief sich laut dem Bericht auf 2,72 Milliarden Dollar (2,33 Mrd Euro). Bundesweit beschäftigte das Unternehmen 4.089 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon mehr als 2.000 Ingenieure am „European Silicon Design Center“ in München, Apples größtem Entwicklungsstandort in Europa.
In der Gesamtbilanz für die EU sticht vor allem Irland hervor: Dort wies Apple für das abgelaufene Geschäftsjahr tatsächlich gezahlte Steuern (Income tax paid) in Höhe von 17,08 Milliarden Dollar (14,60 Mrd Euro) aus. Der Konzern begründet diese enorme Summe im Bericht explizit mit der Auflösung des Treuhandkontos infolge der Beihilfe-Entscheidung der EU-Kommission und des Urteils des Europäischen Gerichtshofs (EuGH).
Apple hatte im September 2024 einen jahrelangen Rechtsstreit mit der EU-Kommission verloren. Hintergrund waren Steuervergünstigungen, die Apple in Irland lange gewährt worden waren. Die EU-Kommission hielt dieses Vorgehen für wettbewerbsverzerrend und forderte Apple auf, insgesamt 13 Milliarden Euro Steuern plus Zinsen zu zahlen.
Apple hatte im September 2024 einen jahrelangen Rechtsstreit mit der EU-Kommission verloren. Hintergrund waren Steuervergünstigungen, die Apple in Irland lange gewährt worden waren. Die EU-Kommission hielt dieses Vorgehen für wettbewerbsverzerrend und forderte Apple auf, insgesamt 13 Milliarden Euro Steuern plus Zinsen zu zahlen.