Bundesliga : Borussia Dortmund macht Verlust

Der einzige Bundesligist an der Börse legt seine Geschäftszahlen vor. Die sind ernüchternd – und das liegt nicht nur am schwachen Spiel der Mannschaft.

Es gibt Dinge, die man als Aktionär lieber nicht hört. Etwa, dass das vergangene Jahr fürs Unternehmen „herausfordernd, kompliziert, aber auch extrem komplex“ gewesen sei. So aber beschrieb der Sprecher der Geschäftsführung der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA, Carsten Cramer, das Geschäftsjahr 2025/2026. Insgesamt hat der Konzern einen Verlust von 21,7 Millionen Euro verbucht, im Jahr davor hatte er noch einen Gewinn von 6,7 Millionen Euro erwirtschaftet.

Die Einnahmen des Konzerns sanken vor allem, weil der Verein so früh aus der Champions League ausgeschieden ist – im Achtelfinale gegen Atalanta Bergamo. Allein die Erlöse aus der Champions League waren 32 Millionen Euro geringer als im Vorjahr, als der BVB das Viertelfinale erreichte. Nach dem frühen Ausscheiden aus Champions League und DFB-Pokal hat das Unternehmen fast 59 Millionen Euro weniger durch TV-Vermarktung eingenommen als im Vorjahr.

Teure Aufklärung

Zudem habe das Unternehmen hohe Aufwendungen betrieben, um einen vermeintlichen Missbrauchsskandal aufzuklären, sagte Cramer. Im Oktober 2025 wurde bekannt, dass mutmaßliche Betroffene einem ehemaligen Manager sexuellen Missbrauch und dem Verein fehlende Prävention vorwerfen. Der BVB hatte eine Strafrechtskanzlei und eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit der Aufarbeitung beauftragt. Ergebnisse lägen noch nicht vor, sagte Cramer.

Im Geschäftsjahr 2025/2026 hatte der Konzern auch stichtagsbedingt geringere Einnahmen aus der Klub-Weltmeisterschaft, weil der Großteil der Klub-WM ins vorige Geschäftsjahr fiel, das für den BVB am 1. Juli beginnt. Zudem habe man höhere Abfindungen zahlen müssen als im Vorjahr. Bei der Werbung und den Transfers hat der Konzern mehr eingenommen als im Vorjahr. Mehr als 76 Millionen Euro hat der Konzern in diesem Geschäftsjahr durch Transfers verdient, ein Plus von über 13 Millionen Euro. Das lag vor allem an der Ablösesumme, die Borussia Dortmund für Jamie Gittens vom FC Chelsea bekommen hat.

Nächstes Jahr will der Konzern weniger abhängig vom Transfergeschäft werden. Dafür plane er damit, in der Bundesliga unter die ersten drei Mannschaften zu kommen und in der Champions League und beim DFB-Pokalfinale jeweils das Achtelfinale zu erreichen, sagte Finanzvorstand Thomas Treß. Man sei „bullish“.

Keine Dividende für die Aktionäre

Der Finanzvorstand betonte, dass der Konzern trotz geringer liquider Mittel keine neuen Kredite aufnehmen musste. Der Konzern hat damit insgesamt weniger Schulden als im Vorjahr und eine Eigenkapitalquote von 51 Prozent. „Borussia Dortmund ist nicht nur bilanziell gut aufgestellt“, so Treß, „sondern Borussia Dortmund ist kerngesund.“

Das letzte Mal hat der BVB im Geschäftsjahr 2020/21 mit Verlust gearbeitet. Wegen des Verlustes werde die Geschäftsführung „selbstverständlich dem Aufsichtsrat und der Hauptversammlung keine Dividendenausschüttung fürs abgelaufene Geschäftsjahr vorschlagen“, sagte Treß.

Auch räumt Carsten Cramer ein, dass sich auf der Mitgliederversammlung ein „tiefer Graben“ zwischen dem eingetragenen Verein und der KgaA gezeigt habe. Die Versammlung habe „aufgezeigt, wie man in der Lage ist, sich selber zu zerlegen, ohne dass es dafür einen Grund gibt“. Seit der Rüstungskonzern Rheinmetall Sponsor beim BVB ist, gibt es Streit darüber. Der Sponsoringvertrag mit Rheinmetall läuft noch bis Juni 2027. Über die drei Jahre Vertragslaufzeit hat der BVB durch das Sponsoring gut 20 Millionen Euro eingenommen.

Ganz wichtig sei es laut Cramer, dass „dieser Verein wieder in eine Richtung marschiert und Entschlossenheit zeigt“. Das habe jetzt weniger mit unternehmerischen Kennziffern zu tun, aber er hoffe, dass die Öffentlichkeit, egal ob das Shareholder, Fan, Mitglied oder Journalist sei, geschlossen als Einheit auftrete.

Niedriger Marktwert

Insgesamt sieht Cramer Wachstumspotential beim BVB. „Wenn ich heute auf den Aktienkurs schaue und sehe, dass wir aktuell bei 3,19 Euro notiert sind und eine Marktkapitalisierung von, ich will schon fast sagen, lächerlichen 350 Millionen ausweisen, dann zeigt mir das erst recht, welches Potential dieser BVB noch zu heben hat“, sagte Cramer. Die Anleger scheinen das anders zu sehen. Denn wie bei anderen Aktien hängt der BVB-Kurs von ihren Erwartungen ab.

Das zeigte sich im Mai 2023, als der Verein gegen Mainz gespielt hat. Bei einem Sieg wäre er direkt deutscher Meister geworden. So schnellte die Aktie am Freitag vor dem Spiel auf 5,88 Euro. Doch der BVB spielte unentschieden, wurde in der Saison nur Zweiter, und der Aktienkurs fiel auf 4,15 Euro.

Um zu verstehen, wieso Cramer den Börsenwert von 350 Millionen Euro als fast schon lächerlich empfindet, kann ein Blick auf einen anderen Verein helfen. Berichten zufolge könnte Viessmann 250 Millionen Euro für nur fünf Prozent der FC Bayern München AG zahlen. Damit wären die Bayern fünf Milliarden Euro wert.

Rund 61 Prozent der Borussia-Aktien sind in Streubesitz. Dass es den Aktionären nicht ausschließlich um kurzfristige Gewinne geht, sieht man auch an den Großaktionären. So hält der BV Borussia 09 e. V. Dortmund rund sechs Prozent an der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA. Der Sportartikelhersteller Puma hält seit dem Jahr 2012 etwa fünf Prozent der Anteile und ist auch Ausrüster der Borussen. Erst im vergangenen Jahr hatten Puma und Borussia ihre Partnerschaft vorzeitig bis zum Jahr 2034 verlängert.