Automarkt im ersten Halbjahr : Chinas Autokonzerne erreichen 10 Prozent des EU-Marktes
Chinas Autokonzerne wirken auf einmal sehr stark auf dem europäischen Automarkt. Ein Teil des Effekts kommt von einer neuen Präsentationsweise. Doch manche Konzerne wachsen sehr dynamisch.
Eine Umstellung in der Darstellung lässt den Vormarsch chinesischer Autokonzerne auf Europas Automärkten plötzlich noch dramatischer erscheinen. In der EU haben nach der europäischen Statistik chinesische Konzerne im Juni 2026 zusammen einen Marktanteil von 10,5 Prozent erreicht (2025: 6,5 Prozent), bei Betrachtung des gesamten ersten Halbjahres lag der Anteil bei 9,3 Prozent (2025: 6 Prozent).
Weil chinesische Marken auf europäischen Märkten außerhalb der EU – also etwa in Großbritannien, Norwegen und der Schweiz – keine EU-Einfuhrzölle und günstigere Bedingungen vorfinden, sind die Daten für Chinas Autokonzerne beim Blick auf alle europäischen Märkte noch günstiger, mit einem Marktanteil von 12,1 Prozent im Juni und von 11 Prozent im gesamten ersten Halbjahr.
Neue Darstellung zeigt das Gewicht von Chinas Konzernen
Die Daten für das erste Halbjahr 2026 hat der Verband der europäischen Autoindustrie (Acea) beim Blick auf chinesische Autohersteller nicht mehr nach Marken, sondern nach Konzernen geordnet. Auf diese Weise werden nun Zulassungszahlen von Automarken sichtbar, die bisher wegen geringer Marktanteile keine Beachtung fanden. Zudem wurden traditionell europäische Marken wie Volvo, Smart, Polestar und Lotus nun unter dem Dach von Geely einsortiert, in der EU mit zusammen 2,9 Prozent Anteil im Juni 2026, obwohl sie schon lange auf dem europäischen Markt präsent waren. Auch der Staatskonzern Saic, im Juni in der EU mit 2,4 Prozent vermerkt, ist seit Langem mit der Marke MG in der europäischen Statistik vertreten.
Wachstumsdynamik zeigen die erst in jüngster Zeit in den europäischen Markt eingetretenen Konzerne. BYD erreichte im Juni in der EU einen Marktanteil von 2,7 Prozent, gegenüber 1,0 Prozent im Juni 2025. Neu in der europäischen Statistik ist der Konzern Chery, unter anderem mit den Marken Chery, Jaecoo und Omoda, mit einem Anteil am EU-Markt von zusammen 1,6 Prozent im Juni 2026 gegenüber 0,5 Prozent im Vorjahr. Die zu einem Fünftel dem Stellantis-Konzern gehörende Marke Leapmotor, die außerhalb Chinas von einem Gemeinschaftsunternehmen unter Führung von Stellantis vertrieben wird, erreichte im Juni 0,9 Prozent, nach 0,2 Prozent im Juni 2025.
Förderung für E-Autos führt zu künstlicher Belebung
Das Absatzplus der chinesischen Konzerne trug auch zur Belebung des gesamten Automarktes in der EU bei, mit einer Zunahme der Neuzulassungen in den ersten sechs Monaten gegenüber 2025 um 5,7 Prozent auf 5,9 Millionen Stück. Der Grund für die Marktentwicklung seien die stark gewachsenen Zulassungszahlen für rein elektrische Autos, kommentiert der Autofachmann der Unternehmensberatung EY, Constantin Gall. Deren Neuzulassungen lagen im Juni in der EU mit 1,2 Millionen um 40 Prozent höher als im Vorjahr. Ihr Marktanteil erreichte damit 23,6 Prozent. Dieses Marktwachstum sei durch staatliche Förderung teuer erkauft, kommentiert Gall. Wenn die Förderung auslaufe, werde der Elektroabsatz wieder einbrechen.
Die europäischen Autohersteller haben im ersten Halbjahr 2026 in der EU ein wenig an Marktanteilen verloren. Europas Marktführer Volkswagen, der 2025 seinen Anteil kräftig ausgebaut hatte, verlor im ersten Halbjahr 0,8 Prozentpunkte auf 26,5 Prozent. Stellantis, Verlierer im Vorjahr, gewann 0,1 Prozentpunkte auf 16,4 Prozent. Renault gab 1,1 Prozentpunkte ab und kam 2026 auf 10,5 Prozent. Zu den Verlierern des ersten Halbjahres gehörten vor allem japanische Autokonzerne wie Toyota, Nissan und Suzuki.