Autohersteller : Musk schließt Fusion von Tesla und SpaceX nicht aus

Tesla liefert mit seinem Quartalsbericht ein gemischtes Bild. Der Autohersteller findet wieder mehr Käufer, aber der Gewinn schrumpft. Und an den Finanzmärkten wird über eine Neuordnung im Musk-Imperium spekuliert.

Könnten Tesla und SpaceX bald fusionieren? Elon Musk, der Vorstandsvorsitzende beider Unternehmen, hat bei der Vorlage von Teslas Quartalsergebnissen wenig getan, um entsprechende Spekulationen an den Finanzmärkten zurückzuweisen. Als er auf eine solche Transaktion angesprochen wurde, schloss er dies nicht aus. Er wies auch darauf hin, dass Tesla und SpaceX schon heute auf vielen Gebieten zusammenarbeiteten, und nannte einige Beispiele: etwa Terafab, eine geplante Chipfertigung, die ein Gemeinschaftsprojekt von Tesla und SpaceX ist, und die Integration des SpaceX-Satellitendienstes Starlink in Robotaxis von Tesla. Musk sagte aber auch, die Vorlage von Geschäftsergebnissen sei nicht der richtige Anlass für die Fusionsdiskussion. Es gebe dafür einen „angemessenen Prozess“.

Mit seinem Quartalsbericht lieferte Tesla ein gemischtes Bild. Das Unternehmen hat im abgelaufenen Quartal wieder mehr Autos verkauft und macht Fortschritte mit der Einführung von Robotaxis, einem Gebiet, das Musk zu einer Priorität erklärt hat. Allerdings meldete Tesla auch einen niedrigeren Gewinn, der die Erwartungen von Analysten verfehlte.

Der Aktienkurs von Tesla fiel am Donnerstag zeitweise um fast zehn Prozent. Die Bank J.P. Morgan hat ihr Kursziel für das Unternehmen reduziert. Seit Jahresbeginn hat die Tesla-Aktie mehr als 20 Prozent an Wert verloren. Der Börsenwert beträgt derzeit knapp 1,1 Billionen Dollar. Damit liegt Tesla hinter SpaceX. Das Raumfahrtunternehmen ist im Juni an die Börse gekommen und wird derzeit mit rund 1,5 Billionen Dollar bewertet. Nach einem zunächst erfolgreichen Börsengang ist der Aktienkurs aber wieder deutlich gefallen. Mittlerweile liegt er unter dem Ausgabepreis beim Börsengang.

Tesla hat schon Anfang Juli gemeldet, im abgelaufenen Quartal mehr als 480.000 Autos verkauft zu haben, ein Zuwachs von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit scheint das Unternehmen nach einer schwierigen Zeit wieder auf Erholungskurs. Analysten erklären die steigenden Verkaufszahlen unter anderem damit, dass sich die Benzinpreise in diesem Jahr im Zuge des Krieges in Iran deutlich erhöht haben und somit Elektroautos gefragter sind.

In Europa geht es wieder aufwärts

In den vergangenen beiden Jahren musste Tesla jeweils Rückgänge bei seinen Verkaufszahlen hinnehmen. Die schwache Entwicklung wurde unter anderem mit Musks politischem Aktivismus in Verbindung gebracht. Er war zeitweise ein enger Berater des US-Präsidenten Donald Trump und hat mit der Arbeitsgruppe DOGE radikale Einschnitte in amerikanischen Behörden umgesetzt. In Deutschland hat er die AfD unterstützt. Auf dem US-Markt leidet Tesla außerdem darunter, dass im vergangenen Herbst Steuergutschriften von bis zu 7.500 Dollar beim Kauf von Elektroautos weggefallen sind.

Auf dem Heimatmarkt dürfte das Geschäft aber noch immer schwierig sein. In Europa geht es dagegen wieder aufwärts. Nach Angaben des Branchenverbandes ACEA ist die Zahl der Neuzulassungen von Tesla-Autos in der EU in den ersten fünf Monaten des Jahres um 77 Prozent gestiegen. Im Gesamtjahr 2025 hatte es noch einen Rückgang von 38 Prozent gegeben. Auch in China haben sich Teslas Verkaufszahlen zuletzt wieder erhöht.

Nettogewinn deutlich gesunken

Die jetzt vorgelegten Geschäftsergebnisse liefern ein umfassenderes Bild von Teslas Finanzlage. Demnach ist der Umsatz zwar um 26 Prozent auf 28,2 Milliarden Dollar gestiegen. Der Nettogewinn fiel aber um fünf Prozent auf 1,1 Milliarden Dollar. Dies erklärt sich zum großen Teil mit deutlich gestiegenen Kosten, vor allem für Forschung und Entwicklung. Das Ergebnis je Aktie vor Sonderposten von 33 Cent war um 18 Cent niedriger als erwartet. Zum ersten Mal seit mehreren Jahren wies Tesla auch einen negativen Mittelzufluss (Cashflow) aus.

Keine allzu große Rolle spielte diesmal das hochprofitable Geschäft mit Emissionspunkten. Es brachte Tesla diesmal 146 Millionen Dollar ein, in der Vergangenheit stand es oft für einen Großteil des Gewinns. Tesla bekommt für die Produktion von Elektroautos in manchen Regionen wie Kalifornien Emissionszertifikate und kann sie an Wettbewerber verkaufen, denen dies hilft, gesetzliche Emissionsvorgaben zu erfüllen. Da diese Vorgaben aber unter dem US-Präsidenten Donald Trump gelockert werden, verliert dies an Relevanz.

Musk versucht schon seit einiger Zeit, den Blick der Öffentlichkeit weg von gewöhnlichen Elektroautos und hin zu Robotaxis und humanoiden Robotern zu lenken. Diese Geschäfte beschreibt er als viel verheißungsvoller. Tesla steht hier noch am Anfang. Gerade mit Robotaxis scheint das Unternehmen indessen mittlerweile voranzukommen. Vor einem Jahr hat es einen ersten Test im texanischen Austin mit diesen Fahrzeugen gestartet. Im April kamen die beiden texanischen Städte Dallas und Houston hinzu, und in den vergangenen Wochen Miami, Orlando und Tampa in Florida. All diese Tests dürften sich aber bislang noch auf überschaubare Flotten von Fahrzeugen beschränken. Musk hat in der Vergangenheit noch eine viel schnellere Expansion vorhergesagt.

In einer Telefonkonferenz am Mittwoch schlug er etwas zurückhaltendere Töne an. Er sagte, Tesla habe ambitionierte Ziele auf diesem Gebiet, wolle aber auch „vorsichtig“ sein und sicherstellen, dass keine Unfälle passieren. Sollten Robotaxis von Taxis auch nur einen einzigen Menschen verletzen, würde das für „globale Schlagzeilen“ sorgen.

In einigen der Robotaxis von Tesla sitzen noch Sicherheitsfahrer. Finanzvorstand Vaibhav Taneja wies aber am Mittwoch darauf hin, dass die Fahrzeuge zunehmend ganz autonom unterwegs seien. Bislang hätten sie 380.000 Meilen ohne Aufsicht zurückgelegt, also mehr als 610.000 Kilometer. Dabei sei es bislang zu keinem größeren Unfall gekommen.

Bei den Robotaxis, die Tesla bislang einsetzt, handelt es sich um umgerüstete Varianten des Model Y. Daneben entwickelt das Unternehmen auch das Robotaxi Cybercab, das weder Lenkrad noch Pedale hat. Wie es jetzt sagte, hat die Produktion des Fahrzeugs in seiner texanischen Fabrik begonnen.

Tesla arbeitet außerdem an einem humanoiden Roboter namens Optimus. Auch dessen Produktion soll noch in diesem Jahr beginnen. Die Produktionsanlagen für seine erste Generation würden gerade im Tesla-Werk im kalifornischen Fremont installiert. Musk sagte aber, er rechne damit, dass die Produktion für den Roboter langsam hochgefahren werde, weil es sich um ein sehr komplexes Produkt handele.

Neben diesen eher futuristischen Geschäftsfeldern bereitet Tesla auch die Serienproduktion seines Lastwagens Semi vor – und ist nach eigener Aussage weiterhin auf Kurs, damit noch in diesem Jahr zu beginnen.

Tesla lässt sich den Aufbau seiner neuen Geschäfte viel Geld kosten. In diesem Jahr will das Unternehmen mehr als 25 Milliarden Dollar investieren, fast dreimal so viel wie 2025. Für die kommenden zwei bis drei Jahre wird ein weiterer Anstieg erwartet. Musk sagte, 2026 sei ein „massives Jahr“ für Investitionen. Und seinem Hang zu großen Versprechungen folgend, fügte er hinzu, Teslas Investitionen würden einmal die „besten Renditen, die die Welt jemals gesehen hat“, bringen.