Der Dienstag im Überblick ETF-Rente zum Nulltarif, Zinsschock an der Börse
Börsenkurse klettern an einer Wand des Zweifels in die Höhe, heißt es. Während Nörgler und Pessimisten angesichts von KI-Blase und immenser Staatsschulden den nächsten Kursrutsch kommen sehen, meldeten Schwergewichte wie Citigroup und Goldman Sachs heute zum Start der Berichtssaison wieder einmal Gewinne, die über den Erwartungen lagen. Also alles super, alles bereit für die (5 Euro in die Floskelkasse) Jahresendrallye?
Man muss tanzen, solange die Musik spielt, sagte der frühere Citigroup-Chef Charles „Chuck“ Prince 2007. Kurz darauf begann die weltweite Finanzkrise, und Vortänzer Chuck war seinen Job los. Mein Kollege Christian Schütte kennt die Volten der Börse genau und hat sich zu Beginn der herbstlichen „Earnings Season“ die Gewinnentwicklung der US-Unternehmen angeschaut. Er zeigt, wie stark der US-Aktienmarkt am KI-Boom hängt: Techfirmen leiden besonders unter steigenden Zinsen, die sich jetzt in die Gewinne hineinfressen. Auch deshalb werden steigende Gewinne derzeit kaum noch in Kursgewinne übersetzt. Die Angst, dass die Band aufhört zu spielen, steigt mit jedem Tag, schreibt Christian: Wie die Zinslast den Boom an den US-Börsen gefährdet.
Regenmacher: Unter Dauerchef Jamie Dimon verdient JP Morgan Quartal für Quartal Milliarden. Zwar verfehlte die Investmentbank erstmals seit drei Jahren ihre Prognosen, aber 15 Milliarden Dollar Quartalsgewinn bleiben als Trost.
Foto: Cristina Sille / REUTERSDie Wirtschaftsnews des Tages:
Immobilieninvestor René Benko (49) will aus der Untersuchungshaft in den elektronisch überwachten Hausarrest wechseln. Über Benkos Antrag auf Hausarrest mit Fußfessel will das Landesgericht Innsbruck in dieser Woche entscheiden.
Anderes Regal: Obi-Chef Sebastian Gundel (48) verlässt die Baumarktkette und wechselt zur Konkurrenz. Obi-Eigner Christian Haub (62), Inhaber der Muttergesellschaft Tengelmann, baut daher kurzfristig um und setzt bis auf Weiteres auf eine Doppelspitze. Für den scheidenden Gundel heißt es: Führungsjobs gibt’s bei Obi … oder bei Kingfisher.
Plutokraten unter sich: Elon Musk (55) hat US-Medien zufolge vor den Zwischenwahlen im November rund 276 Millionen Dollar an die Republikanische Partei von Präsident Donald Trump (80) gespendet.
Die Aufsteigerin des Tages:
Accenture-Chefin Julie Sweet (59) ist die Königin der zweiten Jahreshälfte. Sie hat dem IT-Beratungsriesen, der mit 814.000 Menschen fast so viele Mitarbeitende hat wie das Saarland Einwohner, die KI-Angst genommen. Zweifel der Investoren hat Sweet handstreichartig zerstreut: Die Accenture-Aktie, die sich im ersten Halbjahr 2026 glatt halbiert hatte, hat seit Juli wieder knapp 80 Prozent zugelegt. Meine Kollegin Mirjam Hecking hat untersucht, wie weit Sweets neue Börsenstory wirklich trägt: Hat die Chefin inmitten der KI-Welle, die über die Beratungsbranche hereinbricht, ein Erfolgsrezept gefunden? Zumindest tritt Sweet die Flucht nach vorn an: Was an Accentures neuer Börsenstory dran ist.
74 Milliarden Dollar Umsatz, zweistellige Margen: Accenture-Chefin Julie Sweet muss die Erfolgsstory des IT-Beraters auch in rauen KI-Zeiten verteidigen
Foto: Bloomberg / Getty ImagesWas Ihnen in Ihrer Karriere weiterhilft:
Mit Kopfschmerzen und kratzendem Hals zur Arbeit zu erscheinen, ist kein Beweis für Einsatz, sondern kontraproduktiv. Meine Kollegin Gesine Braun erklärt, was Führungskräfte gegen den Bürohelden-Reflex unternehmen können – und wie Sie sich selbst davor schützen. Es ist auch ein Beitrag zur aktuellen Fehltagediskussion: Nur noch schnell diese Mail.
Meine Empfehlung für den Abend:
Will wachsen ohne Gebühren: Trade-Republic-Chef Christian Hecker will Sparern das staatlich geförderte Altersvorsorgedepot ohne Produktkosten anbieten
Foto:Das staatlich geförderte Altersvorsorgedepot löst ab Januar den Rohrkrepierer Riester-Rente ab. Wer mit Aktien und ETFs zusätzlich vorsorgt, erhält Steuervorteile sowie bis zu 540 Euro Zuschuss pro Jahr. Für Banken und Neobroker ist es das wichtigste Geschäft der kommenden Jahre: Konkurrenten wie Scalable, Trade Republic, N24 sowie Banken und Sparkassen kämpfen erbittert um Kunden. Nun prescht der Berliner Neobroker Trade Republic vor: mit einem „komplett kostenlosen“ Altersvorsorgedepot, wie CEO Christian Hecker (37) betont. Order und Depotführung sollen gratis sein, zudem will der Broker dauerhaft die Produktkosten für mehr als 50 ausgewählte ETFs erlassen. Der angriffslustige TR-Chef sieht bereits den Beginn einer „neuen Aktienkultur in Europa“. Die Details zu seinem Konzept sowie zum Preiskampf der Anbieter hat meine Kollegin Hannah Schwär für Sie: Trade Republic macht Null-Euro-Kampfansage zur ETF-Rente.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend
Ihr Kai Lange
Haben Sie Wünsche, Anregungen, Informationen, um die wir uns journalistisch kümmern sollten? Wir freuen uns auf Ihre Post unter [email protected] .
Diesen Newsletter finden Sie auch auf unserer Website.