Der Mittwoch im Überblick Kapriolen der Lufthansa-Piloten und die Zukunft der Meyer Werft

Der Streik der hoch bezahlten Lufthansa-Piloten gehört zum deutschen Brauchtum wie die 35-Stunden-Woche bei VW oder die Meisterschaft des FC Bayern. Flugkapitän Carsten Spohr (59) erlebte allein in seinen ersten drei Jahren als Lufthansa-Chef gleich 14 Pilotenstreiks. Passagiere sind genervt, am Kranichkonzern klebt ein Zweitname: die Zank AG .

Viele Lufthansa-Piloten, so der Verdacht, haben trotz schrumpfender Margen längst vom Boden der ökonomischen Erfordernisse abgehoben. Sie nehmen dem Chefpiloten Spohr übel, dass er Flüge zu günstigeren Tochtergesellschaften wie Eurowings oder Lufthansa Cityline verlagert. „Konkurrenz im eigenen Haus ist in der Industrie längst üblich, doch viele Kanzelkräfte der Lufthansa wollen sich damit partout nicht arrangieren“, schreibt mein Kollege Michael Machatschke, der die Airline seit dem ersten Pilotenstreik 2001 begleitet. Nach 25 Jahren Dauerstreit soll eine Schlichtung den Konflikt endlich befrieden. Ein Manöver nahe am Kunstflug, meint Michael in seiner Story „Risse im Cockpit “ lesen Sie hier.

Regelmäßig im Streikmodus: Den Piloten der Lufthansa (Archivbild) entgleitet die Macht

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Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Festhalten, jetzt kommt eine gute Nachricht: Die OECD hat ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum in Deutschland auf 1,1 Prozent in diesem Jahr erhöht. Gründe für den Steigflug gibt es hier.

  • IG-Metall-Chefin Christiane Benner (58) fordert in der anstehenden Tarifrunde 5 Prozent mehr Geld sowie eine Gewinnbeteiligung für Beschäftigte in „Boom-Unternehmen“. Zugleich kritisierte sie das „rückwärtsgewandte Gejammer“ einiger Unternehmen aus der Autoindustrie. Mercedes-Benz hatte jüngst mit der Schließung zweier Werke gedroht, sollten die Sparziele nicht erreicht werden.

  • Goldfreunde in Peking: China hat in diesem Jahr bislang 158 Milliarden Dollar für den Import von mehr als 1000 Tonnen Gold ausgegeben. Das hat auch mit schwachen Anleiherenditen zu tun.

Der Aufräumer des Tages:

  • Bafin-Chef Mark Branson (57) kam nach dem Wirecard-Skandal als Aufräumer ins Amt und baute beherzt um. Ähnlich zupackend geht Branson derzeit auch bei Banken vor: Bei Berenberg und einer Raiffeisenbank tauschte er die komplette Spitze aus. Nun zählt der Bafin-Chef Anbieter offener Immobilienfonds an: Viele Kunden der kriselnden Fonds kommen nicht an ihr Geld, über deren Risiken wird derzeit vor Gericht verhandelt. Branson sieht Handlungsbedarf – unabhängig vom Urteil und zum Missfallen einiger Anbieter. Man könnte einen Malus für Illiquidität oder einen Liquiditätsindikator einführen , schlägt der Bafin-Chef im Gespräch mit meinen Kollegen Hannes Breustedt und Katharina Slodczyk vor. Den Gegenwind der Branche hält er aus: „Irritation gehört zum Job.“ Hier das Interview.

„Nicht abwarten, bis ein Schaden eintritt“: Bafin-Chef Mark Branson nimmt offene Immobilienfonds in den Blick

Foto: Patricia Kuehfuss / manager magazin

Was Sie in Ihrer Karriere voranbringt:

  • Viele Chefinnen und Chefs sprechen in geschliffenen Sätzen. Doch Mitarbeitende merken, wenn Worte einstudiert klingen. Warum CEOs aufhören sollten, wie CEOs zu klingen.

Meine Empfehlung für den Abend:

Weide- und Werftland: Das Kreuzfahrtschiff „Carnival Jubilee“ der Meyer Werft bei der Überführung in die Nordsee. Der Reedereiriese MSC will die Werft kaufen, doch die Hürden sind gewaltig.

Foto: Sina Schuldt / picture alliance / dpa
  • Bernard Meyer (78) ist ein stolzer Reeder. 230 Jahre lang war die Meyer Werft in Papenburg in Familienbesitz, die mehr als 3000 Mitarbeiter sind inzwischen Spezialisten für den Bau großer Kreuzfahrtschiffe. 2024 übernahmen der Bund und das Land Niedersachsen 80 Prozent der Anteile für 400 Millionen Euro und bewahrten die Werft damals vor dem Aus. Meyers größter Wunsch ist es, die Anteile wieder in Familienhand zu überführen. Doch während er sich bislang vergeblich um eine Finanzierung müht, ist am Horizont ein mächtiger Kaufinteressent mit riesiger Flotte aufgetaucht: die italienische Großreederei MSC. MSC-Gründer Gianluigi Aponte (86) verfügt ganz sicher über das nötige Kleingeld und lockt mit Schiffsbauaufträgen, die die Zukunft der Werft über Jahrzehnte sichern könnten. Warum ein Deal zwischen dem mächtigen Aponte und dem (im direkten Vergleich) kleinen Meyer keineswegs sicher ist, haben meine Kollegen Theodor Harzer und Claas Tatje recherchiert. Im Poker um die deutsche Meyer Werft geht es nicht nur um Steuergeld, sondern auch um Know-how-Transfer und die Zukunft eines maritimen Standorts – mit oder ohne Meyer.

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