Frühstartrente : Immerhin kein neuer Irrweg
Auch die Frühstartrente hat wenig mit solider Haushalts- und Finanzpolitik zu tun. Verglichen mit der Verschwendung, die sich die Regierung bisher mit der Rente leistet, ist sie aber ein Lichtblick.


In Zeiten leerer Haushaltskassen und stark steigender Staatsverschuldung liegt es nicht gerade nahe, dass die Regierung jetzt auch noch Geld verschenkt. Blendet man die – zweifellos bedeutsamen – rentenpolitischen Zusammenhänge aus, dann tut sie mit der nun vom Kabinett beschlossenen Frühstartrente genau das: Jedes Kind in Deutschland, ob bedürftig oder nicht, bekommt künftig zehn Euro im Monat aus der Staatskasse und das zwölf Jahre lang, vom ersten Schuljahr bis zur Volljährigkeit. Eine zielgenaue und auf Sparsamkeit bedachte Politik ist das nach geläufigen Maßstäben nicht.
Besser stellt sich die neue Frühstartrente aber dar, wenn man sie im Kontext der vielen teuren Irrwege betrachtet, auf denen sich die Rentenpolitik der vergangenen 25 Jahre verlaufen hat. Dazu gehört die in mehreren Stufen erhöhte Mütterrente für Mütter vor 1992 geborener Kinder; ebenso die abschlagsfreie „Rente ab 63“; und nicht zuletzt das Ausschalten des demographischen Faktors in der Rentenformel. Das kurzfristige Interesse heutiger Rentner an stärkeren Rentenerhöhungen wurde systematisch über das Ziel eines Lastenausgleichs zwischen den Generationen gestellt. Allein die Mehrausgaben für diese drei Maßnahmen belasten Beitrags- und Steuerzahler mit mehr als 40 Milliarden Euro pro Jahr.
Die Frühstartrente ist aber nicht nur deshalb von ganz anderer Qualität, weil sie kaum mehr als eine Milliarde Euro pro Jahr kostet. Vielmehr rückt sie erstmals demonstrativ das Interesse der Jüngeren in den Blick, auch für sich selbst eine funktionierende Alterssicherung zu haben – anstatt nur als Zahler für ein demographisch überlastetes Beitragssystem gefragt zu sein. Schon mit zehn Euro im Monat lässt sich eine beachtliche Zusatzrente aufbauen, wenn der Zinseszinseffekt über das ganze Erwerbsleben hinweg wirkt.
Vor allem aber kann der staatliche Zuschuss ein guter Anstoß sein, auch mit eigenen Beiträgen vorzusorgen und damit die kapitalgedeckte Alterssicherung insgesamt zu stärken. Sollte die Frühstartrente auch noch ein wenig dazu beitragen, politische Fixierungen auf die gesetzliche Umlagerente zu lockern, wären ihre Mehrausgaben sehr schnell eingespart.