Ernte und Wetterextreme : Dürre Hilferufe der Landwirte

Die Trockenheit belastet die Bauern. Pauschale Rufe nach Dürrehilfen sind aber ebenso fehl am Platz wie alarmistische Warnungen vor einer Existenzkrise.

In den Debatten über Erntemengen, Dürre und Wetterextreme wäre mehr Maß und weniger Alarmismus angebracht. Zweifellos gab es bessere Jahre für die Landwirtschaft. Der Erntebericht des Deutschen Bauernverbands beschreibt ein schwieriges Jahr. Die Getreideernte fällt wegen der Trockenheit niedriger aus als im starken Vorjahr. Viehbetrieben fehlt mitunter Futter. So ernst die Lage ist: Eine allgemeine Existenzfrage lässt sich daraus nicht ableiten.

Das Wetter gehört seit jeher zum Geschäftsrisiko jedes landwirtschaftlichen Betriebs; kaum ein Jahr vergeht ohne Einbußen. Die Folgen sind regional und je nach Nutzpflanze unterschiedlich. Pauschale Urteile sind deshalb fehl am Platz. Manche Landwirte hat es überrascht, wie gut der Mais der Trockenheit zum Teil standgehalten hat.

Über mehrere Jahre betrachtet war der Niederschlag nicht außergewöhnlich gering. Von einer anhaltenden Dürre kann daher keine Rede sein. Im Mai fiel noch ungewöhnlich viel Regen; die vergangenen Jahre bescherten den Landwirten auskömmliche Ernten. Die Herausforderung ist, dass die Extreme zunehmen. Regen und Hitze treten geballter auf und wechseln sich schneller ab.

Bauern können und müssen sich gegen Risiken wappnen

Bauernpräsident Joachim Rukwied muss die Lage seiner Mitglieder benennen und Hilfe fordern. Doch gleich nach dem Staat zu rufen, geht am Problem vorbei. Der Staat kann nicht jedes Witterungsrisiko übernehmen. Zunächst müssen sich die Betriebe selbst wappnen. Das kann über angepasste Fruchtfolgen, widerstandsfähige Sorten, Bewässerung, Rücklagen oder Versicherungsschutz gelingen. Es braucht keine Gießkanne, sondern Entscheidungen, die zum Standort und Betrieb passen. Selbst viele Landwirte sehen in Dürrehilfen nicht die Lösung ihrer Probleme.

Entscheidend sind vielmehr Kosten, Weltmarktpreise, Bürokratie und die Liquidität des Betriebs. Will die Bundesregierung helfen, sollte sie Bürokratie gezielt abbauen und Betriebe steuerlich sinnvoll entlasten. Ansonsten sollte sie die Betriebe mehr machen lassen. Die Landwirtschaft braucht keinen Staat, der bei jeder Trockenheit in die Bresche springt, sondern einen, der ihr Freiraum lässt und sie von unnötigen Lasten befreit.