Finance Forward Warum der N26-Finanzchef geht
es gab Zeiten, da sehnten sich Journalisten nach einem Sommerlochtier: ein süßer Eisbär oder ein angeblicher Löwe, der einen im Juli durch den schwachen Nachrichtenzyklus bringt. Ich kann euch sagen: Die Ära ist vorbei. Das einzige Tier, das mir diesen Sommer über den Weg gelaufen ist, war das Stablecoin-Einhorn Augustus des Berliner Gründers Ferdinand Dabitz (25; wir berichteten). Und auch diese Woche haben wir wieder einige heiße Fintech-Themen:


Topstory: N26 tauscht seinen Finanzchef aus
Podcast: Coinbase-Europachef Daniel Seifert über das Binance-Beben
Zahl der Woche: Robinhood hat sich verkalkuliert
Topstory: N26-Chef Mike Dargan tauscht seinen Finanzchef aus
Wettet auf sich selbst: N26-CEO Mike Dargan
Foto: PRMike Dargan (48) hat in seinen ersten 119 Tagen als neuer N26-CEO noch kein Interview gegeben. Auf LinkedIn kann man seine Ambitionen allerdings schon nachlesen: Der ehemalige UBS-Banker möchte die Berliner Neobank zu „Europas Nummer eins im Digital-Banking“ machen. Ein steiler Anspruch für ein Fintech, das zuletzt mit Bafin-Ärger und Machtkämpfen Schlagzeilen machte. Doch Dargan meint es ernst – und untermauert seinen Glauben auch mit eigenem Geld. Nach Informationen meiner Kollegin Katharina Slodczyk hat er für einen zweistelligen Millionenbetrag Anteile an N26 gekauft. Der Aufschwung soll mit frischem Personal beginnen. Seit Amtsantritt im April hat Dargan vier Top-Posten neu besetzt, überwiegend mit Managern von Traditionsbanken. Jetzt tauscht er auch den Finanzchef Arnd Schwierholz (56) aus, wie wir exklusiv erfahren haben. Was hinter dem Abgang steckt und was die Personalentscheidungen über Dargans neue Strategie verraten, lest ihr hier.
Podcast: Coinbase-Europachef Daniel Seifert sieht „tektonischen Shift“
Vom Banker zum Kryptomanager: Coinbase-Europachef Daniel Seifert war früher COO der Berliner Solaris-Bank
Bild: [M] manager magazin, PREuropa erlebt derzeit ein Kryptobeben von historischem Ausmaß: Hunderte Kryptoanbieter müssen ihre Geschäfte einstellen, weil sie es versäumt haben, sich rechtzeitig um eine sogenannte MiCA-Lizenz zu kümmern – darunter auch der Marktführer Binance. Der Kampf um Millionen von Kunden, die nun eine neue Heimat für ihre Coins suchen, ist seither im vollen Gange. Daniel Seifert (46) steht dabei an vorderster Front. Der ehemalige Manager der Berliner Bank Solaris verantwortet bei der US-Kryptobörse Coinbase die Expansion in Europa, im Nahen Osten und Afrika. Im Podcast spricht Seifert über die Folgen des „tektonischen Shifts“ und erklärt, warum Coinbase zu den großen Gewinnern des Kryptobebens gehören könnte. Außerdem reden wir über den branchenweiten Wandel hin zur Allesbörse und die Zukunft von Prediction-Markets in Europa. Hier geht’s zur ganzen Podcast-Folge.
Köpfe: Elon Musk ++ Enrique Lores ++ Nik Storonsky ++ Kristo Käärmann
Let that sink in: Techmilliardär Elon Musk, hier bei der Twitter-Machtübernahme 2022, baut die App zum Finanzdienst aus
Foto: - / AFPElon Musk (55), Eigentümer des Kurznachrichtendiensts X, hat am Montag das lang erwartete Finanzfeature X Money in den USA ausgerollt. Premiumkunden können damit Geld einzahlen, überweisen, an Freunde schicken, Rechnungen begleichen und bis zu 6 Prozent Zinsen kassieren. Der PayPal-Mitgründer kehrt so zu seinen Wurzeln zurück. Speaking of:
Enrique Lores (Ü60), seit fast vier Monaten CEO von PayPal, übte sich gestern bei der Q2-Bilanzvorstellung in Börsendiplomatie. Was er zu den Gerüchten über eine Übernahme durch Stripe sage? „Kein Kommentar“. Die Performance senkte jedenfalls den Firmenwert: Der Umsatz wuchs um 3 Prozent, die Aktie gab im vorbörslichen Handel leicht nach.
Nik Storonsky (42), Gründer und CEO der Neobank Revolut, ermöglicht seinen deutschen Kunden jetzt Investitionen in Private Markets – also in Firmen, die nicht an der Börse sind. Das Angebot sei ein weiterer Schritt hin „zur vollständigen Wealth-Management-Plattform“.
Kristo Käärmann (45), CEO von Wise, hat von der US-Aufsicht OCC eine Absage für eine US-Banklizenz kassiert. Zumindest vorerst. Der Londoner Zahlungsdienst will nun einen zweiten Versuch starten.
Zahl der Woche: 0,5
Der britische Volksheld Robin Hood nahm von den Reichen und gab den Armen. Sein Namensvetter aus dem Silicon Valley wirbt derzeit mit einem ähnlichen Geldgeschenk um deutsche Kleinanleger: „Verdienen Sie 5 Prozent auf Ihre nicht investierten Euro“, verspricht der US-Onlinebroker Robinhood in seiner App. Konkret reiche man 1,75 Prozent Basiszins aus einem Geldmarktfonds von JP Morgan an die Kunden weiter, obendrauf noch 2,75 Prozent aus eigener Tasche. Macht zusammen allerdings nur 4,5 Prozent. Wo also bleiben die restlichen 0,5 Prozent?
Es handele sich um einen „Darstellungsfehler“, teilt Robinhood dazu auf Anfrage mit. Die tatsächlich ausgezahlte Rendite sei jederzeit korrekt gewesen. Die Werbung hat der Broker inzwischen still und heimlich korrigiert: 1,98 Prozent aus dem JP-Morgan-Fonds, 3,02 Prozent von Robinhood. Da hatte sich wohl jemand schlicht verkalkuliert. Na ja: Der echte Robin Hood war auch eher Marketinggenie als Finanznerd. Allerdings war er auch nicht an der Börse.
Margin Call: Revolut auf dem Horrortrip
Wie bei „Backrooms“: Die Neobank Revolut setzt auf Horrorclips, um junge Kunden anzusprechen
Die britische Digitalbank Revolut möchte die Deutschen das Fürchten lehren. Für die neue Kampagne hat Marketingchef Antoine Le Nel den Gruselexperten Jeremy Cox engagiert, der schon beim A24-Kinohit „Backrooms“ für schaurige Bilder sorgte. Ähnlich kommen auch die Werbeclips daher: Ein junges Pärchen sitzt in einer dystopischen Parallelwelt in grau-düsteren Räumen fest, bis Revolut sie mit einem Urknall befreit und ans Licht führt. Die Marketingabteilung erklärt dazu, man bediene sich der „Kinohorror-Ästhetik“, um einen Weg aus der finanziellen Unsicherheit aufzuzeigen. Klar: Die Gen Z liebt Horrortrips. Aber wäre das nicht eher ein Argument für die gute alte Hausbank? Schließlich bieten viele noch Banking-Apps, bei denen man sich lieber die Augen zuhält.
Das war es für diese Woche. Wenn ihr Anregungen oder Recherchehinweise habt, meldet euch gern unter [email protected] . Und empfehlt uns gern Freunden und Freundinnen weiter – sie können den Newsletter hier abonnieren.