manage:mobility „Maybe-Man“ Källenius und die erste Mahnung vom Bosch-Boss
in einen Mobilitätsnewsletter kann man derzeit kaum anders einsteigen als mit: Volkswagen. Europas größter Autobauer steuert auf eine nie da gewesene Eskalation zu. Ende 2024 wurde die Übereinkunft zwischen Management und Betriebsrat bei Volkswagen als „Weihnachtsfrieden“ besungen. Analog dazu könnte man die jüngsten Auseinandersetzungen wohl als „Hitzeschlacht“ betiteln.
Volkswagen-Chef Oliver Blume (58) ist für die Gesamtbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo (51) ob seiner neuen Härte nicht länger „der Olli“, sondern „Dr. Oliver Blume“. Die Belegschaft wütet gegen die Sparpläne des Vorstands, der Aufsichtsrat hat sie wenig überraschend erst einmal abgelehnt. Dass Blume deshalb zurückzieht, scheint trotzdem unwahrscheinlich. Mein Kollege Michael Freitag hat erfahren: Fußballfan Blume erwägt sogar, noch mal nachzuschärfen und neben den vier bereits bekannten Wackelwerken noch zwei weitere Fabriken ins Abseits zu befördern .
Wie Ola Källenius Mercedes zum Reparaturfall macht
Wie der neue Bosch-Chef den Ton beim Zulieferer verschärft
Wie Tesla die Konkurrenz mit Batteriezellen aus Deutschland düpieren will
Thema der Woche: Wie Ola Källenius Mercedes zum Reparaturfall macht
Geknickter Stern: Mercedes-Benz, eine der wertvollsten Marken der Welt, ist angeschlagen
Foto:Ambitionierter als Ola Källenius (57) war in den vergangenen Jahren kaum ein Autoboss unterwegs. Der Schwede wollte Mercedes zum reinen Elektroautobauer umformen, gleichzeitig zum exquisiten Luxusliner – und dabei auch noch wachsen. Nur wurde aus den Träumen schnell eine milliardenschwere Irrfahrt. Weil Källenius inzwischen seine eigenen Vorhaben immer häufiger wieder einkassiert, nennt ihn mancher schon den „Maybe-Man“, bei dem man nicht wissen kann, was er am Ende durchzieht. Andere fragen sich, wie sich ein Manager mit derart vielen Wendungen an der Spitze eines Dax-Konzerns halten kann. Und wieder andere wüten ob des Themas, bei dem Källenius dann doch Konsequenz und Härte zeigt: dem Dauersparkurs bei Mercedes. Meine Kollegin Margret Hucko seziert Olas ernüchternde Odyssee .
Köpfe: Christian Fischer ++ Achim Dietrich ++ Karin Rådström
Härter als Hartung: Christian Fischer gilt als Sanierungsspezialist
Foto: Martin Stollberg / BoschManche Reiberei mit Mercedes hatte zuletzt Bosch. Der Sack mit Problemen ist beim größten Autozulieferer der Welt aber auch ansonsten so prallvoll, dass es vor Kurzem zum Knall kam: CEO Stefan Hartung (60) ist trotz Vertrags bis 2031 Geschichte. Auf den in der Regel gut gelaunten Mann aus dem Pott folgt Christian Fischer (59), qua Alter und Vita viel eher Sanierer als großes Versprechen für die Zukunft. Bei den Schwaben dürfte es künftig härter zugehen als unter Hartung. Intern spricht der neue Bosch-Boss bereits erste Warnungen aus: Nur Patente anzumelden, reiche künftig nicht mehr.
Bei Deutschlands zweitgrößtem Autozulieferer ZF Friedrichshafen schlägt das Drama-Barometer mal wieder voll aus. Brandbeschleuniger diesmal: die „Zeppelin-Zulage“, die viele bei ZF auch leicht spöttisch als „Drehkreuzprämie“ bezeichnen. Der Vorstand hat die außertarifliche Zahlung für Beschäftigte am Hauptstandort des Zulieferers jetzt gekündigt und will sie in eine erfolgsabhängige Komponente umwandeln. Der mächtige Betriebsrat um Achim Dietrich (58) geht dagegen auf die Barrikaden, bezeichnet den Vorstand als „Raupe Nimmersatt“, das Unternehmen keilte auffällig bissig zurück. Eine Betriebsversammlung musste am Dienstag unterbrochen werden. Am Bodensee droht kurz vor der Sommerpause die nächste Sturmflut.
Nicht ganz so konfrontativ, aber doch deutlich äußerte sich jüngst Karin Rådström (47). Die Chefin von Daimler Truck hält die Lkw-Branche in Europa für gefährdet. Grund dafür ist mal wieder der Lieblingsfeind der Szene: die CO₂-Regulierung aus Brüssel. Europas Trucker könnten die Vorgaben nur dann einhalten, wenn 2030 mindestens 35 Prozent aller Lkw elektrisch unterwegs wären. Aktuell sind es gerade einmal 2 Prozent. Jedes verfehlte Gramm würde Daimler Truck 120 Millionen Euro kosten, Rådström fleht deshalb gen Politik: „Wenn die CO₂-Regulierung unverändert bleibt, setzt Europa die Wettbewerbsfähigkeit seiner Nutzfahrzeugindustrie aufs Spiel.“ Der Dieselbrummer wird nur schwerlich zum Elektrosummer.
Unternehmen: Tesla ++ Stellantis ++ BMW ++ Traton
Batteriezellen von Tesla: Schon kommendes Jahr soll die Produktion im einzigen europäischen Werk des E-Auto-Bauers beginnen
Foto: Sebastian Gollnow / dpaDie Ahnengalerie deutscher Elektroautobatterieprojekte erzählt vor allem Geschichten des Scheiterns: Litarion, Northvolt oder Cellforce, viele starteten elektrisiert und endeten kraft- und saftlos. Besser machen will es mal wieder Tesla. In Grünheide investiert das Unternehmen 250 Millionen Euro, schafft 1500 neue Jobs und will bald genügend Akkus für bis zu 300.000 Model Y im Jahr fertigen. Meine Kollegin Anna Driftschröer zeigt, wie gut die Chancen für Teslas nächste große Wette stehen .
Es ist noch gar nicht so lange her, da galt Stellantis mit seiner knallharten Kostenpolitik unter Carlos Tavares (67) als Nonplusultra der Massenautohersteller. Es folgte ein brachialer Absturz, Tavares hat seinem Nachfolger Antonio Filosa (53) verbrannte Erde hinterlassen. Zumindest beim Absatz kann der Italiener jetzt erste zarte Pflänzchen verkünden: Im zweiten Quartal sind die Verkaufszahlen der Opel-Mutter um 10 Prozent gestiegen – allerdings auch nur gegenüber dem bodenlosen Vorjahreszeitraum.
Auf dem Boden der Tatsachen sollte man bei BMW spätestens jetzt mit Blick auf den chinesischen Markt angekommen sein. Hatte Ex-Chef Oliver Zipse (62) im manager-magazin-Interview im Frühjahr noch von einer Stabilisierung gesprochen , sieht die Realität viel düsterer aus: Im zweiten Quartal sackten die Chinazahlen der Münchner um 30 Prozent ab. Der größte Automarkt bleibt auch die größte bajuwarische Baustelle.
Während Karin Rådström den Untergang der europäischen Truckhersteller fürchtet, überraschte Konkurrent Traton am Dienstag mit einem besseren operativen Quartalsergebnis, als Analysten erwartet hatten. Gezogen wurde die Volkswagen-Einheit von ihrer US-Sparte.
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Mehr Mobilität: Finanzielle Reisestrapazen
Deutschland biegt langsam, aber sicher in die Sommerferien ab. Hoffentlich lassen Sie sich die Laune nicht durch gesalzene Preise für Auslandsreisen verhageln. Internationale Flüge sind im laufenden Jahr laut Statistischem Bundesamt im Schnitt 8,5 Prozent teurer geworden. Auch Pauschalreisen kosten mehr, insbesondere nach Ägypten. Stabil blieben dagegen die Preise für Griechenland-Reisen. Yamas!
Nach oben kletterte auch die Zahl der Flugzeuge, die Boeing im ersten Halbjahr auslieferte, und zwar auf den höchsten Stand seit 2018. Mit 314 Fliegern flog der US-Konzern dennoch hinterher – Konkurrent Airbus übergab 351 Maschinen an Kunden.
Das Nachsehen hat auch Finanzinvestor Castlelake, und zwar beim Versuch, die Airline Easyjet zu übernehmen. Dabei standen die Zeichen nach mehreren Angebotsrunden auf Durchbruch. Ende der vergangenen Woche funkte dann aber mit Apollo Global ein anderer Finanzinvestor mit einer höheren Offerte im Bieten um den Billigflieger dazwischen.
Zahl der Woche: 1 Million
Exportschwemme: China verschifft immer mehr Autos
Foto: China Daily / REUTERSNicht nur deutsche Autobauer stehen in China gewaltig unter Druck. Auch einheimischen Herstellern macht die seit Monaten fehlende Dynamik im größten Automarkt der Welt zu schaffen. Ihr Heil suchen viele deshalb immer extremer im Export. Der Juni war der erste Monat überhaupt, in dem China mehr als eine Million Fahrzeuge in andere Märkte verschiffte. Der Auto-Tsunami kommt ins Rollen. Allerdings nicht rein aus Stärke, sondern zu guten Teilen auch aus der Not heraus.
Deepdrive: Wohin mit dem Tsunami?
Wohin also mit all den Autos aus China? Deutsche werden laut einer McKinsey-Studie offener, 18 Prozent bekunden aktuell Interesse an Fahrzeugen aus Fernost. Anderswo prallt der Tsunami noch viel härter an Land: In Großbritannien kann sich fast jeder Dritte (29 Prozent) für BYD, Chery und Co. begeistern. Ob sie in China ob solcher Zahlen schon „It’s coming home“ singen?
Geisterfahrer der Woche
Auf Crashkurs: Kleine und mittlere Autohändler gelten als besonders pleitegefährdet
Foto: fotototo / blickwinkel / IMAGODie meisten bangen Blicke der Mobilitätsszene richten sich aktuell nach Wolfsburg. Schließlich halten selbst die Vorstände dort Volkswagen für existenzgefährdet. Für viele kleinere Auto-Unternehmen ist das bereits Realität. Das Statistische Bundesamt verzeichnete im April so viele Insolvenzen wie seit 14 Jahren nicht mehr. Besonders häufig treffe es aktuell zum Beispiel „kleine und mittelständische Betriebe im Automobilhandel“, sagt Jutta Rüdlin vom Verband der Insolvenzverwalter und Sachwalter Deutschlands. Au, au, Autobranche.
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