Sachsen-Anhalt : Remigration schadet der Wirtschaft
Die AfD macht in Sachsen-Anhalt Wahlkampf mit Plänen für die Remigration von Flüchtlingen. Ökonomen haben den Schaden für die Wirtschaft berechnet.
Die Remigrationspläne der AfD für Sachsen-Anhalt würden sich negativ auf den Arbeitsmarkt und die wirtschaftliche Entwicklung auswirken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Sofern die Rechtspopulisten ihre Pläne nach der Landtagswahl am Sonntag umsetzen können, rechnen die Wirtschaftsforscher bis zum Ende der nächsten Legislaturperiode im Jahr 2031 mit einer um rund 50 Prozent höheren Beschäftigungslücke von 46.000 Arbeitskräften.
In der Folge würde die Bruttowertschöpfung in den nächsten fünf Jahren um bis zu 3,2 Milliarden Euro sinken. Das entspricht etwa vier Prozent der jährlichen Bruttowertschöpfung von 74 Milliarden Euro in Sachsen-Anhalt. „Die Flüchtlingsströme der vergangenen Jahre haben den Arbeitsmarkt in Sachsen-Anhalt stabilisiert“, sagte IWH-Präsident Reint Gropp über die Bedeutung der Migration für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes.
Um die Lücken auf dem Arbeitsmarkt zu schließen, die aufgrund der demographischen Entwicklung entstehen, müsse Sachsen-Anhalt attraktiver für Arbeitskräfte aus dem Ausland werden, sagt Gropp. „Die AfD macht aber genau das Gegenteil“, sagt er. In ihrem Regierungsprogramm für Sachsen-Anhalt setzt die Partei auf die Rückkehr von Auswanderern aus Sachsen-Anhalt und will ihnen den Vorzug vor „kulturfremden Fachkräften“ geben.
Migrationsfeindliche Politik reißt Lücke auf dem Arbeitsmarkt
Den Berechnungen des IWH zufolge fehlen in Sachsen-Anhalt bis 2031 bei einer Fortführung der aktuellen Politik 32.000 Beschäftigte. Bei einer migrationsfeindlichen Politik würde diese Lücke auf 46.000 anwachsen. Besonders betroffen wären demnach Branchen, in denen schon heute ein hoher Ausländeranteil und ein bundesweiter Fachkräftemangel zusammenkommen. Dazu zählen die Lebensmittelzubereitung, die Gastronomie, der Tiefbau, die Logistik sowie die Human- und Zahnmedizin.
Für ihre Prognose analysierten die Ökonomen des IWH die Folgen eines Politikwechsels nach dem Brexit-Votum, einem Wahlsieg der Lega Nord in Italien und der Amtsübernahme eines AfD-Landrats im thüringischen Sonneberg. Dort sei die Zuwanderung in den Folgejahren jeweils stark gesunken. In Sonneberg war der Rückgang mit 65 Prozent am stärksten.