Neue Wirtschaftsbücher : Die Geschichte des Geldes

Der Ökonom Barry Eichengreen zeichnet in seinem Buch die Geschichte der internationalen Währungen von der Erfindung der Münzen bis hin zu den Kryptowährungen nach. Er macht sich Sorgen um den Dollar.

Dass über Geld kaum zu sprechen sei, ohne von der Politik zu reden – wer wollte es bestreiten. Dem amerikanischen Ökonomen Barry Eichengreen dient die Maxime als Leitfaden seiner Geschichte des „Geldes jenseits der Grenzen“, wobei er stets die Qualität politischer Ordnungen betont. Wenn ein Land nicht willkürlich oder leichtfertig mit seiner Währung umgehe, vertraue man ihr auch anderwärts.

Zunächst beschreibt er aber mit Aristoteles, was schon innerhalb der Grenzen erforderlich war, um einen praktischeren Zahlungsmodus als das Wiegen von Metallen zu erhalten. An die Stelle solcher Unwägbarkeiten im wörtlichen Sinne traten Münzen, die mit dem Bild eines Herrschers oder eines Herrschaftssymbols, wie der athenischen Eule, ein Versprechen ausdrückten. Dieses Geld war politisch geworden und je nach Reichweite der Garantiemacht ergab sich jeweils zunächst auch die internationale Verbreitung. Zunächst weil, wie Eichengreen betont, manche dieser Gold- oder Silbermünzen noch lange vorherrschten, obwohl die herausgebende Macht längst ihre Bedeutung verloren hatte. Das galt für den byzantinischen „Solidus“, der zu Begriffen wie „Sold“ oder „Soldat“ führte, oder später für den spanischen „Real“. Umgekehrt dauerte es lange, bis Rom im Tempel der Juno Moneta (deren Name in vielen Geldbegriffen nachhallt) eigene Münzen prägte.

Von da an setzten sich Währungen durch, wenn sie zusätzliche Leistungen boten. Das begann mit Münzen, die den Kriegsschiffen oder den Soldaten folgten, sodass Caesars Heer mobile Münzprägeeinrichtungen mit sich führte. Eichengreen erwähnt jedoch selbst, dass Münzfunde im ganzen Mittelmeer schon auf Handel deuten, was den Sprung von Rom und Byzanz zu Florenz erlaubt.

Quittungen nahmen die Funktion von Banknoten vorweg

Händler wurden zu den Vorläufern der Banker, als sie durch weitverzweigte Niederlassungen den gefährlichen und teuren Transport von Münzen vermieden und nebenbei Geld in Kredit verwandelten. Quittungen über hinterlegtes Edelmetall wurden handelbar, ohne dass ein bestimmtes Gut den Besitzer wechselte, nahmen also die Funktion von Banknoten vorweg.

Die Mengen südamerikanischen Silbers, denen Argentinien seinen Namen verdankt, führten dann zwar zu der internationalen Münzwährung des „Real“, doch eine neue Qualität entstand erst, als zunächst holländische und dann englische Banken die Vergabe von Geld und Kredit nicht mehr mit hinterlegtem Edelmetall, sondern einfach mit ihrem Entschluss dazu begründeten. Fiat (lateinisch: es möge geschehen) hieß der noch aus dem Vaterunser geläufige Wunsch. „Fiat-Money“ erlaubte nun internationale Finanzierungen bisher ungeahnter Größe von Kriegen, Eisenbahnen und Kanälen, wobei die Vorherrschaft jeweils von einer Währung auf die nächste überging – und die unendliche Diskussion darüber begann, welche Absicherung erforderlich sei. Sollten Zentralbanken als „last resort“, als letztes Auffangnetz dienen, oder würden sie dadurch zu mächtig, weshalb ein Goldstandard, also das Versprechen, nötigenfalls Banknoten gegen Gold zu tauschen, völlig genüge?

Als die jungen Vereinigten Staaten im „Louisiana Purchase“ Frankreich große Teile ihres heutigen Südens abkauften, engagierten sie englische Banken, doch bald verschuldete sich das britische Schatzamt wegen des Burenkriegs in New York. Wir sind bei der Dollardominanz und den amerikanischen Kontroversen angekommen. Die Republikaner setzten 1900, vermeintlich für ein Jahrhundert, den Goldstandard durch – und Allan Meltzer teilt in seiner „Geschichte der Federal Reserve“ ihre Skepsis, während sein Kollege Eichengreen eine Zentralbank, ebenso wie deren damalige Verfechter, P. M. Warburg und J. P. Morgan, als zwingende Folge der gewachsenen internationalen Rolle der USA versteht. So hält er sich weder mit der 1913 entstandenen „Fed“ als Kompromiss zwischen Regionalismus und Zentralismus noch mit den Jahrzehnten der Aussetzungen und erneuten Einführungen des Goldstandards lange auf. Stattdessen steuert er auf „Bretton Woods“ zu, wo 1944 eine um den Dollar herum konstruierte Weltwährungsordnung und ein durch die USA garantierter Goldstandard etabliert wurden.

Als aber, auch mit Hilfe der USA, etliche Länder sich erholten und mehr Dollarreserven erwarben, als den amerikanischen Goldvorräten entsprach, drohte eine Art der Bankpanik, weshalb Richard Nixon 1971 den Goldstandard beerdigte. Seither verlor der Dollar in vieler Hinsicht seine Ausnahmestellung, profitiert aber trotz der uferlosen Verschuldung der USA immer noch vom Fehlen einer Alternative wie auch davon, dass etwa China keine unabhängige Zentralbank und keine Verbündeten vorzuweisen hat.

Selbst die Kryptowährung der „Stable Coins“ heißt so, weil sie sich an den Dollar bindet. Nochmals betont Eichengreen daher die Qualität politischer Ordnung als sein ceterum censeo. Beobachte man, wie Trump sich bei Putin einschmeichele oder wie er selbst und seine Mannen über die Fed und über Verbündete sprechen, müsse man befürchten, sie hätten nicht begriffen, wie sehr das Vertrauen in eine Währung davon abhänge, ob das betreffende Land seine Zentralbank und seine Verbündeten pfleglich behandele.