Luftalarm vor Beginn des neuen Schuljahres: Russland hat die ukrainische Hauptstadt Kiew in der Nacht erneut mit Raketen und Drohnen angegriffen. Der Gouverneur des Gebiets Kiew, Tymur Tkatschenko, warf den russischen Streitkräften vor, gezielt zivile Infrastruktur und Wohngebäude anzugreifen. Die Militärverwaltung der Millionenmetropole erklärte auf der Plattform Telegram, es seien drei Tote und fünf Verletzte zu beklagen.

Tkatschenko schrieb auf Telegram, in der Stadt Boryspil sei ein mehrstöckiges Wohnhaus beschädigt worden. 48 Menschen wurden demnach in Sicherheit gebracht. Ein Mensch sei ums Leben gekommen, als eine Industrieanlage in Boryspil getroffen worden sei. Tkatschenko rief die in viereinhalb Kriegsjahren immer wieder durch Angriffswarnungen aufgeschreckten Bewohner dazu auf, den Luftalarm nicht zu ignorieren und sich in Schutzräume zu begeben. In der Ukraine beginnt heute offiziell das neue Schuljahr.

Auch aus anderen Landesteilen gab es in der Nacht Berichte über russische Angriffe, darunter aus dem Raum Odessa am Schwarzen Meer. Die ukrainische Luftwaffe berichtete auf Telegram unter anderem über Angriffe auf Charkiw, Sumy und Saporischschja.

Die Millionenmetropole Kiew und ihr Umland stehen seit Jahren im Fokus der Angreifer und kamen in den vergangenen Tagen und Wochen aufgrund ständigen Luftalarms wegen anfliegender Drohnen oder Raketen kaum mehr zur Ruhe. Russland setzt auch verstärkt auf Angriffe mit ballistischen Raketen, die besonders schnell fliegen und nur schwer abzufangen sind. Der Ukraine fehlt es nach eigenen Angaben an Raketen für ihre Abwehrsysteme vom Typ Patriot, die für die Verteidigung gegen die ballistischen Raketen besonders effektiv sind.

In der ukrainischen Hauptstadt Kiew sind im Tagesverlauf bei russischen Drohnenangriffen mindestens ein Mensch getötet und acht weitere verletzt worden. Bei dem Todesopfer handele es sich um ein zweijähriges Mädchen, teilte Bürgermeister Vitali Klitschko auf Telegram mit. In Kiew gelte weiterhin Luftalarm.

Russland greift Kiew an – und tötet ein zweijähriges Mädchen. (Archivbild)

Bei einem russischen Angriff auf den Bezirk Butscha nahe der ukrainischen Hauptstadt Kiew sind mindestens 37 Menschen ums Leben gekommen. Das teilten die Behörden am Samstag mit. Die Zahl der Toten ist damit noch höher als zunächst befürchtet. Tymur Tkatschenko, der Chef der Militärverwaltung des Gebiets Kiew, erklärte, mindestens 50 Wohngebäude seien beschädigt worden. Der Angriff habe auch ein grosses Feuer verursacht, das auf Häuser und ein Restaurant übergegriffen habe.

Polens Regierungschef Donald Tusk hat davor gewarnt, dass Russland den Krieg in der Ukraine ausweiten und die Nato provozieren könnte. «Wie ich bereits gewarnt habe, schreitet die Eskalation vonseiten Russlands voran», schrieb Tusk auf der Online-Plattform X nach einem Gespräch mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte. Die nächsten sechs Monate würden entscheidend sein. «Wir dürfen Provokationen Russlands gegenüber einem der Nato-Mitglieder nicht ausschliessen.»

Am Mittwoch hatte eine Visite von CIA-Chef John Ratcliffe nach Moskau weltweit Spekulationen ausgelöst. In US-Medien hiess es, dass Ratcliffe Russland vor einer Attacke auf einen der Nato-Staaten gewarnt haben soll. Angesprochen auf die Berichte, dementierte der Kreml und wies mit dem Finger auf den Westen.

Indiens Premierminister Narendra Modi hat bei einem Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin in Kirgistan die Notwendigkeit eines Kriegsendes angesprochen.

Indien unterstütze alle Friedensbemühungen, sagte Modi bei dem Gespräch am Rande des Gipfels der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek. Der Weg von einem endlosen Krieg hin zum Ende des Kriegs müsse eingeschlagen werden. Putin entgegnete, dass Russland auf dem Weg sei.

Modi hatte bereits in der Vergangenheit eine Beendigung des Kriegs gefordert. Indien und China gelten für Russland als verlässliche Handelspartner, während die USA und die EU das Land wegen Putins Krieg gegen die Ukraine mit Sanktionen belegt haben.

Russlands Präsident Wladimir Putin (r) und der indische Premier Narendra Modi während ihres Treffens in Bischkek.

Peter Kovalev/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa

Litauens Staatspräsident Gitanas Nauseda ist nach eigenen Angaben von den USA über den Inhalt der Gespräche von CIA-Chef John Ratcliffe in Moskau unterrichtet worden. «Ich kann zum jetzigen Zeitpunkt sagen, dass das Treffen die gesteckten Ziele erreicht hat, und es zielte darauf ab, die Spannungen in der Region zu reduzieren», sagte Nauseda litauischen Medienberichten zufolge in Vilnius. «Ich hoffe sehr, dass diese Botschaft das Kreml-Regime rechtzeitig erreicht hat». Nähere Angaben machte er unter Verweis auf das mit Washington vereinbarte Vorgehen nicht.

«Ich kann zum jetzigen Zeitpunkt sagen, dass das Treffen die gesteckten Ziele erreicht hat»: Litauens Staatspräsident Gitanas Nauseda. (Archivbild)

Ein unangekündigter Besuch von Ratcliffe in Moskau in der vergangenen Woche hatte weltweit Spekulationen über den Zweck der Reise und mögliche Gesprächsinhalte ausgelöst. Offiziell wurde darüber kaum etwas bekannt. In US-Medien hiess es unter Berufung auf nicht namentlich genannte Quellen, dass Ratcliffe bei der Visite am Mittwoch Russland vor einer Attacke auf Nato-Verbündete gewarnt haben soll. Angesprochen auf die Berichte, dementierte der Kreml und wies mit dem Finger auf den Westen.

«Wir sollten nicht verheimlichen, dass das Treffen nicht zufällig zustande kam und dass die Absicht darin bestand, bestimmte Botschaften zu übermitteln, die zu diesem Zeitpunkt übermittelt werden mussten», sagte Nauseda. Generell aber werde dem Treffen aber zu viel Aufmerksamkeit geschenkt. So sei die regionale Sicherheitslage zwar weiterhin angespannt, habe sich in letzter Zeit aber nicht dramatisch verschlechtert, sagte das litauische Staatsoberhaupt.

Bei einem russischen Angriff auf ein ukrainisches Munitionsdepot nahe Kiew haben schwere Explosionen Dutzende Menschen in einem Wohngebiet in den Tod gerissen. Von 38 Toten und noch 4 Vermissten sprach Präsident Wolodymyr Selenskyj.

In dem Dorf Myla rund fünf Kilometer westlich von Kiew gingen die Arbeiten zur Beseitigung der Folgen des russischen Angriffs und die Suche nach weiteren Opfern demnach weiter.

Russland hatte das Depot, wo auch Granaten und Minen gelagert waren, am Freitagabend angegriffen. Erst am Samstag wurde bekannt, dass das Munitionslager - entgegen den ukrainischen Vorschriften - in einem Wohngebiet lag. Bei den meisten Opfern handelte es sich um Bewohner eines Altenheims.

Der Staatschef hatte am Vortag angekündigt, die Verantwortlichen für die Nachlässigkeit zur Verantwortung zu ziehen. «Es gibt Vorschriften: Munition darf es nicht neben Häusern und anderen Wohngebäuden geben», betonte er. Die Ermittlungen zu dem Fall dauern an. «Es gibt erhebliche Schäden an der umliegenden Infrastruktur: Wohnhäuser sowie ein Senioren- und Behindertenheim wurden beschädigt», sagte Selenskyj. Fast 400 Menschen seien in Sicherheit gebracht worden.

Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, nach einem Angriff auf ein Lager im Ort Myla im Bezirk Butscha sei es zu einer Explosion gekommen. Er verwies auf geltende Vorschriften für die Lagerung von Munition. Diese dürfe nicht in der Nähe von Häusern oder Wohngebieten aufbewahrt werden.

Die Stromversorgung des von Russland besetzten ukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja (ZNPP) ist nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) weiter sehr prekär. Das AKW sei nun seit mehr als einer Woche ohne Strom von aussen und auf Notfall-Dieselgeneratoren angewiesen, teilte IAEA-Chef Rafael Grossi mit. Vorübergehend habe der Diesel-Vorrat nur noch für zehn Tage gereicht, bevor gestern und vorgestern mehrere Dutzend Tonnen Diesel von ausserhalb des Geländes geliefert worden seien, hiess es.

«Die aktuelle Situation verdeutlicht erneut, warum eine zuverlässige externe Stromversorgung und sichere Versorgungswege für die nukleare Sicherheit und Sicherung unerlässlich sind», sagte Grossi. Ohne die Wiederherstellung der externen Stromversorgung oder zusätzliche Lieferung von Diesel in naher Zukunft könnte dem Kraftwerk innerhalb von etwa zehn Tagen ein vollständiger Stromausfall drohen.

Das Atomkraftwerkt auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2024.

Keystone/EPA/Russian Defence Ministry Press Service

Die IAEA arbeite daran, eine Zone für einen örtlich begrenzten Waffenstillstand zu etablieren, um Reparaturen an einer wichtigen Stromleitung zu ermöglichen, hiess es. Bei Erfolg würden diese Reparaturen die externe Stromversorgung des Kernkraftwerks wieder herstellen. Vor dem Konflikt verfügte das ZNPP über zehn externe Stromleitungen.

Das Kernkraftwerk Saporischschja ist mit sechs Reaktoren das grösste Atomkraftwerk Europas. Bereits kurz nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs geriet es unter russische Kontrolle und wurde seitdem mehrfach beschossen. Die Reaktoren sind abgeschaltet, müssen aber weiterhin gekühlt werden.

Bei einem russischen Drohnenschlag auf ein Munitionslager sind unweit der ukrainischen Hauptstadt Kiew mindestens 27 Menschen getötet worden. «Es gibt erhebliche Schäden an der umliegenden Infrastruktur: Wohnhäuser sowie ein Senioren- und Behindertenheim wurden beschädigt», schrieb Präsident Wolodymyr Selenskyj bei Telegram. Zudem seien Dutzende Menschen bei dem Angriff am Freitagabend, um kurz nach 20.00 Uhr Ortszeit (19.00 Uhr Schweizer Zeit), verletzt worden.

Einer der Toten ist demnach der Vorsteher der Gemeinde Dmytriwka, Taras Didytsch, der sofort zum Unglücksort geeilt sei. Mehr als 300 Rettungskräfte seien im Einsatz. Im Umkreis um den Ort wurden Selenskyj zufolge fast 400 Menschen evakuiert.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde bei dem Angriff ein Unternehmensgelände getroffen. Selenskyj nannte keine Details, schrieb aber: «Es gibt Vorschriften: Munition darf es nicht neben Häusern und anderen Wohngebäuden geben.» Er verwies auf eingeleitete Strafverfahren.

Ein Anwohner blickt nach einem nächtlichen russischen Angriff in ein zerstörtes Auto neben schwer beschädigten Wohngebäuden. (Archivbild)

Bereits in der Nacht hatte die Staatsanwaltschaft über eingeleitete Ermittlungen wegen «dienstlicher Fahrlässigkeit» und einen russischen Drohnenschlag informiert. Nach russischen Angaben war ein Munitionslager das Ziel des Angriffs.

Die Hauptverbindungsstrecke von Kiew Richtung Westen musste in der Folge auf einem mehrere Kilometer langen Abschnitt für die Lösch- und Rettungsarbeiten komplett gesperrt werden. In sozialen Netzwerken zeigen Videos ein Feuer und Explosionen in der Abenddämmerung.

Regierungschef Serhij Korezkyj verwies auf einen ähnlichen Vorfall Anfang Juli am südwestlichen Stadtrand von Kiew. «Im fünften Kriegsjahr werden ein und dieselben Fehler begangen – das ist kriminelle Fahrlässigkeit», schrieb er auf Telegram. Nach offiziellen Angaben starben im Juli mindestens neun Menschen.

Infolge nächtlicher russischer Angriffe ist im südukrainischen Gebiet Odessa mindestens ein Mensch getötet worden. Weitere drei seien verletzt, teilte der Gouverneur der Region, Oleh Kiper, bei Telegram mit. Fünf Getreidetransporter seien ausgebrannt und drei weitere beschädigt worden. Alle Brände konnten demnach gelöscht werden.

Zuvor hatte die Verwaltung des Landkreises Ismajil, in dem sich die Donauhäfen des Landes befinden, vor russischen Drohnen gewarnt. Anlagen der Transportinfrastruktur seien beschädigt worden.

Auch nahe der Ortschaft Myla etwa fünf Kilometer westlich der Hauptstadt Kiew gab es am Freitagabend nach einem durch Explosionen ausgelösten Brand mehrere Tote. «Gerade verfügen wir nicht über ausreichende Informationen zur Zahl der Opfer», schrieb der Gouverneur der Region Kiew, Tymur Tkatschenko, bei Telegram. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen wegen «dienstlicher Fahrlässigkeit» ein und informierte zunächst über fünf Verletzte nach einem möglichen Drohneneinschlag. Nach russischen Angaben war ein Munitionslager das Ziel des Angriffs.

Ein Feuerwehrmann geht nach russischen Drohnenangriffen am Stadtrand von Kiew an einem zerstörten Lagerhaus vorbei.

Regierungschef Serhij Korezkyj verwies auf einen ähnlichen Vorfall Anfang Juli am südwestlichen Stadtrand von Kiew. «Im fünften Kriegsjahr werden ein und dieselben Fehler begangen – das ist kriminelle Fahrlässigkeit», schrieb er auf Telegram.

Auch in Kiew selbst hat es nach Behördenangaben mindestens zwei Verletzte gegeben.

Dieser Inhalt stammt von externen Anbietern wie YouTube, TikTok oder Facebook. Aktiviere bitte "Swisscom Werbung bei Dritten", um diesen Inhalt anzuzeigen.