Überraschende Einigung Volkswagen-Aufsichtsrat stimmt Sparpaket zu

Der Volkswagen-Aufsichtsrat hat dem ​Sanierungsplan des Vorstands zugestimmt. Die Abstimmung ‌über den Zukunftsplan 2030 sei einstimmig erfolgt, teilte das Unternehmen am Donnerstagabend nach einer Sitzung des Präsidiums ​mit. Der Zukunftsplan schaffe die ⁠Voraussetzungen, ⁠um den Volkswagen-Konzern und seine Marken leistungsfähiger, wettbewerbsstärker und zukunftsorientierter aufzustellen. ‌Die Umsetzung sei nach Auffassung des Vorstands und des Aufsichtsrats zwingend erforderlich, um die Wettbewerbsfähigkeit ‌des Volkswagen-Konzerns zu erhalten und für die Zukunft ‌nachhaltig ​zu ‌sichern.

Das Unternehmen, die Arbeitnehmervertreter und auch die Porsche SE als Großaktionär äußerten sich in unterschiedlichen Statements zu der Einigung. Demnach hat der Aufsichtsrat ein umfangreiches Ergebnisprogramm beschlossen, um das Renditeziel von 9 Prozent operativer Marge zu erreichen. Das Vorstandsziel, bis 2030 rund 50.000 weitere Stellen abzubauen, wurde genehmigt. Das entspricht einer Verdopplung des bisherigen Abbauziels, das in seiner Radikalität selbst schon beispiellos war.

Die vier infrage gestellten Werke in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm bleiben bedroht. Es gibt aktuell keine neuen Modelle für die Zeit nach dem Auslaufen der aktuell dort gefertigten Fahrzeuge. Der Vorstand hat sich aber verpflichtet, für den Fall eines Produktionsendes Zukunftsszenarien zu entwickeln.

IG Metall und Konzernbetriebsrat: Eskalation verhindert

Die vom Vorstand vorgeschlagene Trennung der Marke VW und der Komponentenfertigung vom Konzern und ihre Aufstellung in eigenen Gesellschaft sei „vom Tisch“, teilten die Arbeitnehmervertreter in ihrem Statement mit. Wolfgang Porsche (83) lässt sich als Aufsichtsratsvorsitzender der Porsche SE damit zitieren, die Entscheidung „war notwendig und richtig. Volkswagen muss auf die veränderten Marktbedingungen konsequent reagieren.“ Die Familienvertreter im Aufsichtsrat hatten in den Verhandlungen über einen Kompromiss lange härtere Maßnahmen gefordert.

IG Metall und Konzernbetriebsrat betonten in einer ersten Reaktion, damit sei eine Eskalation verhindert worden. Der Vorstand müsse jetzt seine Hausaufgaben machen. „Der Konfrontationskurs und die Kommunikation des Vorstands in den vergangenen Wochen war nicht zielführend“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von IG-Metall-Chefin Christiane Benner (58) und Betriebsratschefin Daniela Cavallo (51).

Vor zwei Monaten waren die Spar- und Zukunftspläne des Vorstands erstmals im Aufsichtsrat behandelt worden – und dort am Widerstand der Arbeitnehmer und des Landes gescheitert.

Einem Insider zufolge gingen ‌dem Durchbruch intensive Verhandlungen voraus. Das Land Niedersachsen habe in den Gesprächen vermittelt. Am ‌Mittwochabend habe der Vorstand zunächst über ​ein Sanierungspaket verhandelt, das mit Niedersachsen zusammen ausgehandelt worden sei. Anschließend seien Benner und Cavallo dazugeholt worden, es sei bis zum Morgen verhandelt worden. Am Donnerstag habe zunächst ​das Präsidium des Aufsichtsrats getagt, Aufsichtsratsvorsitzender Hans Dieter Pötsch (75) habe schließlich die eigentlich für Freitag geplante ⁠Aufsichtsratssitzung vorgezogen.

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Erika Rasch wird Personalchefin

Für die Erneuerung holt sich der Konzern außerdem ​eine neue Personalvorständin ins Führungsteam. Erika Rasch, ‌bisher beim Autozulieferer Robert Bosch verantwortlich für diesen Bereich, übernehme den Vorstandsposten zum 1. Oktober. Zuletzt hatte Markenvorstand Thomas Schäfer ⁠(56) diesen ⁠Posten kommissarisch geführt, nachdem der vorherige Arbeitsdirektor Gunnar Kilian (51) das Unternehmen verlassen hatte. Rasch ‌bringe neue Sichtweisen ​und Ideen mit, „die ‌für den Volkswagen Konzern gerade auch in der aktuellen Transformationsphase sehr wichtig sein werden“, erklärte Aufsichtsratschef ‌Hans Dieter Pötsch. Medienberichten zufolge hätte der VW-Aufsichtsrat schon bei seiner ‌Sitzung im Juli über ​die ‌Personalie entscheiden sollen. ‌Das scheiterte allerdings ​am Streit über neue Sparmaßnahmen.