Aktie unter Druck Visa übertrifft Erwartungen und streicht offenbar 2600 Stellen

Visa hat im dritten Quartal dank robuster Konsumausgaben und einer starken Reisenachfrage die Erwartungen ​der Wall Street übertroffen. Der weltgrößte Zahlungsabwickler steigerte den Nettoumsatz um 14 Prozent auf 11,63 ‌Milliarden Dollar, wie das US-Unternehmen am Dienstag mitteilte. Analysten hatten laut LSEG-Daten im Schnitt mit 11,39 Milliarden Dollar gerechnet.

Der bereinigte Nettogewinn kletterte auf 6,3 Milliarden Dollar oder 3,32 Dollar je Aktie und lag damit ebenfalls über den ​Prognosen. Trotz der starken Zahlen gab die Aktie im nachbörslichen Handel um rund ein Prozent ⁠nach. ⁠Das Unternehmen hatte einen Medienbericht bestätigt, wonach es zur Effizienzsteigerung rund 7 Prozent seiner Stellen streichen wird . Der Abbau betreffe vor allem die Technologie- ‌und Produktabteilungen.

CEO Ryan McInerney (51) begründete den Schritt laut „WSJ“ in einem internen Schreiben damit, dass technologische Trends zu einem „einmaligen Wendepunkt im Zahlungsverkehr“ führen würden, der die Art und Weise, wie Geld weltweit transferiert wird, grundlegend verändere. „Um die vor uns liegenden Chancen zu nutzen und Visa bestmöglich für die Führung dieses Wandels aufzustellen, müssen wir unsere Arbeitsweise ständig weiterentwickeln“, hieß es laut der Zeitung in dem internen Schreiben. Zudem trage KI dazu bei, dass sich diese Entwicklung beschleunigt.

Fußball-WM belebt Geschäft

Die Verbraucher zeigten sich trotz Inflation ​und der Unsicherheit durch ‌den Nahostkonflikt ausgabefreudig. Das Zahlungsvolumen über das Visa-Netzwerk stieg im abgelaufenen Quartal um 10 Prozent. Besonders das lukrative grenzüberschreitende Geschäft legte währungsbereinigt um 13 Prozent zu. Hier profitierte der Konzern unter anderem ‌von Ausgaben der Besucher der Fußball-Weltmeisterschaft für Hotels, Restaurants, Verkehrsmittel und Freizeitangebote.

„Das Quartal von Visa zeigt ein ziemlich klares Bild: ‌Die Leute haben weiter Geld ausgegeben, ​und zwar mehr, als ‌die Wall Street erwartet hatte“, sagte David Wagner, Portfoliomanager ‌bei Aptus ​Capital Advisors. Dies sei kein Zufall oder Buchhaltungstrick gewesen, sondern spiegele die tatsächlichen Transaktionen wider. Die ​Betriebsausgaben stiegen derweil vor allem ⁠wegen höherer Personalkosten um 19 ​Prozent ​auf 4,8 Milliarden Dollar.

Viele Unternehmen in der Branche versuchten zuletzt, sich an das neue Geschäftsumfeld anzupassen. So gab etwa der Zahlungsdienstleister Stripe und die Private-Equity-Gesellschaft Advent International ein gemeinsames Übernahmeangebot für PayPal ab, gegen das sich der Onlinezahlungs-Pionier nun mit einem drastischen Sparprogramm zur Wehr setzen will.