Microsoft übertrifft Erwartungen: Zahlen beflügeln die AktieUns auf Google folgen

Microsoft übertrifft mit starken Quartalszahlen die Erwartungen: Umsatz, Gewinn und Azure-Wachstum liegen deutlich über dem Analystenkonsens. Was das für die Bewertung der Aktie bedeutet.

Der NASDAQ-100 steckt in einer spürbaren Korrektur, Schwergewichte aus dem Index gerieten zuletzt reihenweise unter Druck. Umso mehr fiel am Mittwoch nach Börsenschluss ein Lichtblick auf: Microsoft (ISIN: US5949181045, Symbol: MSFT) legte seine Zahlen für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 (bis Ende Juni) vor, und die Aktie reagierte deutlich positiv.

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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit BÖRSE am Sonntag.

Bereits vor der Zahlenvorlage hatten Analysten trotz der schwachen Kursentwicklung der vergangenen Monate auf Microsoft gesetzt. Die jetzt vorgelegten Ergebnisse scheinen ihre Erwartung zu bestätigen.

Wo die größten Überraschungen steckten

Microsoft hat auf breiter Front die Prognosen übertroffen. Der Umsatz stieg im vierten Quartal um 18 Prozent auf 90 Milliarden US-Dollar, der Analystenkonsens hatte im Vorfeld mit rund 87,7 Milliarden US-Dollar gerechnet. Auch beim Gewinn je Aktie fiel die Überraschung deutlich aus: Bereinigt um Sondereffekte verdiente Microsoft 4,74 US-Dollar je Aktie, erwartet worden waren 4,24 US-Dollar. Unter dem Strich stand ein bereinigter Nettogewinn von 35,3 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 22 Prozent. An der Börse wurden die Zahlen positiv honoriert. Die Aktie legte im nachbörslichen Handel am Mittwoch kräftig zu.

Cloud-Geschäft bleibt der zentrale Wachstumstreiber

Der wichtigste Wachstumstreiber bleibt das Cloud-Geschäft. Die Erlöse der Sparte kletterten um 27 Prozent auf 59,3 Milliarden US-Dollar. Noch dynamischer entwickelte sich Azure, die Cloud-Plattform des Konzerns: Im vierten Quartal wuchsen die Umsätze um 43 Prozent. Im gesamten Geschäftsjahr knackte Azure erstmals die Marke von 100 Milliarden US-Dollar und trug damit spürbar zum Gesamtumsatz von 331,84 Milliarden US-Dollar bei.

Auch der Auftragsbestand im Geschäftskundenbereich wuchs kräftig, um 84 Prozent auf 678 Milliarden US-Dollar, ein Hinweis darauf, dass die Nachfrage nach Cloud- und KI-Diensten anhält. Die Sparte Intelligent Cloud, zu der Azure zählt, steigerte ihren Umsatz insgesamt um 32 Prozent auf 39,3 Milliarden US-Dollar. Im klassischen Softwaregeschäft mit Microsoft 365, Dynamics und LinkedIn wuchsen die Erlöse mit 14 Prozent langsamer, aber ebenfalls solide. Schwächer entwickelte sich die Sparte rund um Windows und Xbox, hier gingen die Umsätze um 4 Prozent zurück. Ein Erfolg zeichnet sich beim KI-Assistenten Copilot ab: Er kommt inzwischen auf mehr als 30 Millionen zahlende Nutzer.

Warum Analysten schon vor den Microsoft-Zahlen zuversichtlich waren

Mehrere Analysehäuser hatten die Aktie schon vorab als unterbewertet eingestuft und auf das starke Wachstum der Cloud-Sparte als möglichen Kurstreiber verwiesen. Diese Einschätzung hat sich mit den nun vorgelegten Zahlen bestätigt, auch wenn sich erst in den kommenden Wochen zeigen wird, ob die Aktie nach der nun erfolgten positiven Kursreaktion weiteres Aufwärtsmomentum entwickeln kann. Immerhin hat sich der Kurs nun der 200-Tage-Linie angenähert. Diese verläuft aktuell bei 434,13 US-Dollar. Ein positives charttechnisches Signal wäre es, wenn es der MSFT-Aktie gelingt, diese potenzielle Hürde nachhaltig zu überwinden. Das könnte weitere technisch motivierte Käufer anziehen. Sollte es allerdings einen Fehlausbruch wie Anfang Juni geben, könnten die Bären schnell wieder die Oberhand über die Bullen gewinnen.

Milliardeninvestitionen in KI-Infrastruktur gehen weiter

Losgelöst von der kurzfristigen Kursbewegung bleibt die grundsätzliche Investitionsfrage entscheidend. Gelingt es Microsoft, den Markt wieder von seinem Geschäftsmodell und guten Wachstumsperspektiven zu überzeugen? Einen wichtigen Punkt dabei bieten die hohen Investitionen in die eigene KI-Infrastruktur. Ein maßgeblicher Grund dafür liegt im knappen Angebot an Rechenkapazität. Finanzchefin Amy Hood betonte während der Telefonkonferenz, dass die Nachfrage weiterhin größer sei als das verfügbare Angebot. Im vergangenen Quartal baute Microsoft 31 neue Rechenzentren auf fünf Kontinenten, insgesamt soll sich die Gesamtkapazität binnen zwei Jahren etwa verdoppeln. Für das laufende erste Quartal des neuen Geschäftsjahres kündigte der Konzern Investitionen von mehr als 50 Milliarden US-Dollar an, nach 41 Milliarden US-Dollar im abgelaufenen Quartal.

Die enormen Summen, die derzeit weltweit in KI-Infrastruktur gesteckt werden, geben zunehmend Anlass zu Kritik. Auch wenn sie sich heute nicht in der Gewinnrechnung niederschlagen, werden sie künftig durch steigende Abschreibungen die Ergebnisse belasten. Auf der anderen Seite legen die Ausgaben aber auch die Grundlage für das künftige Geschäft. Die Kunst wird es sein, dass die Investitionen künftig zu so hohen Umsätzen führen, dass die Abschreibungen mehr als ausgeglichen werden. Eine Herausforderung, die nicht nur Microsoft betrifft.

Wie günstig ist die Aktie nach den Zahlen bewertet?

Wie der Markt diese Abwägung derzeit einpreist, zeigt ein Blick auf die Bewertung. Trotz der starken Zahlen und der freundlichen Kursreaktion notiert die Aktie weiterhin mehr als 20 Prozent unter ihrem Rekordhoch von über 555 US-Dollar aus dem Juli 2025. Das Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV) liegt aktuell bei 15,7 und damit unter dem historischen Durchschnittswert von 16,6. Auch im Vergleich zu anderen großen Technologiewerten fällt die Bewertung moderat aus: Alphabet kommt aktuell auf ein KCV von 22,1, Apple auf 34,3 und NVIDIA auf 30,3. In dieser vergleichsweise günstigen Bewertung spiegelt sich auch die Sorge wider, dass der Vormarsch von KI-Anwendungen klassische Softwaremodelle unter Druck setzen könnte. Gleichzeitig zählt der Konzern selbst zu den größten Profiteuren des KI-Booms. Wer diese Risiken gegeneinander abwägt, könnte in der aktuell günstigen Bewertung auch eine langfristige Einstiegsgelegenheit sehen.

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Die Latte liegt jetzt noch höher

Ob sich eine solche Einstiegsgelegenheit tatsächlich bewahrheitet, hängt auch davon ab, wie es geschäftlich weitergeht. Microsoft hat sich mit dem eigenen Ausblick bereits weitere ehrgeizige Ziele gesteckt. Für das erste Quartal des neuen Geschäftsjahres stellte der Konzern einen Umsatz zwischen 89,85 und 90,95 Milliarden US-Dollar in Aussicht. Bei Azure rechnet Microsoft sogar mit einem Wachstum von rund 45 Prozent, einem weiteren Beschleunigungsschritt gegenüber dem bereits starken abgelaufenen Quartal. Das Unternehmen ist damit dazu verdammt, die hohen Wachstumsraten auch zu erfüllen, was angesichts der bisherigen Dynamik und der vollen Auftragsbücher machbar erscheint. Aber Wachstum allein ist nicht alles. Microsoft muss es zugleich gelingen, den Markt davon zu überzeugen, dass selbst trotz hoher Investitionen und damit künftig hohen Abschreibungen die Gewinne weiter steigen. Sonst könnte sich die aktuell relativ günstige Bewertung als Value-Falle herausstellen.