Marinekonzern : Warum Automobilmanager zu TKMS wechseln wollen

Der Marinekonzern TKMS bekommt viele Bewerbungen, weil er Perspektive bieten kann. Das Auftragswachstum des U-Boot-Herstellers ist enorm. Kritik an falsch eingesetztem Staatsgeld weist der Vorstandschef zurück.

Dreißig Bewerbungen bekommt der Marinekonzern TKMS momentan auf eine offene Stelle. „Wir kriegen enorm viele Bewerbungen aus der Automobilindustrie, aus dem mittleren Management“, sagte der Vorstandsvorsitzende Oliver Burkhard zur Vorlage der Quartalszahlen vor Journalisten. Auch wenn die Rüstungsindustrie nicht alles auffangen werde, was in anderen Bereichen durch Transformation verschwinde, sei TKMS gerade in einer privilegierten Situation. „Wir steuern hier auf 10.000 Beschäftigte zu, in Kiel werden wir bald 4000 Mitarbeiter überschreiten“, sagte Burkhard.

Gleichzeitig müsse man im Blick auf das Wachstum bedacht vorgehen. Auch am Werftenstandort in Wismar zeige sich, dass es herausfordernd sein kann, frische Fachkräfte zu finden. Aber TKMS biete Planungssicherheit und damit einen Vorteil, den es bislang im Schiffbau eher nicht gegeben habe. „Eigentlich hangeln sich Werften von Auftrag zu Auftrag. Das haben wir nicht. Wir können für die nächsten 15 Jahre Sicherheit und Beschäftigung garantieren“, sagte Burkhard.

Gut gefülltes Auftragsbuch

Der Schiffsbauer TKMS, der lange Zeit ein Teil von Thyssenkrupp war und auch nach dem Börsengang noch zu 51 Prozent im Besitz des traditionsreichen Industriekonzerns ist, wächst angesichts der hohen Nachfrage nach Fregatten, Schiffen und U-Booten schnell. „Wir sind mit einem sehr starken Orderbuch ausgestattet, das sich noch weiter entwickeln wird“, sagte Burkhard. Gerade sei angesichts des Konflikts im Nahen Osten eine stärkere Nachfrage von Staaten auf der Arabischen Halbinsel sichtbar, etwa nach Minensuchbooten.

Aufträge im Volumen von rund 20 Milliarden Euro hatte TKMS zum Ende des dritten Quartals in den Büchern stehen. Danach hat das Unternehmen mit der Deutschen Marine einen Vertrag unterzeichnet zum Bau von vier Fregatten mit Option auf vier weitere. Rund fünf Milliarden Euro umfasst der Vertrag, es ist der größte Überwasserauftrag in der Geschichte von TKMS. Noch nicht eingerechnet ist ein milliardenschwerer Auftrag aus Kanada. Da ist TKMS der bevorzugte Bieter für bis zu zwölf U-Boote, allein der Bau hätte ein Volumen von mehr als 15 Milliarden Euro. „Wir werden diesen Auftrag gewinnen. Wir haben aber noch eine Menge zu tun, so ist das im Anlagenbau“, sagte Burkhard.

Für das jetzige Geschäftsjahr 2025/2026 (zu Ende September) erhöhte TKMS die Prognose abermals: Der Umsatz soll um zehn bis zwölf Prozent zulegen, zuvor hatte das Unternehmen zwei bis fünf Prozent in Aussicht gestellt. Mit mehr Umsatz hatte TKMS schon nach dem ersten Quartal gerechnet. Nun erhöhte der Konzern auch die Gewinnerwartung: Die bereinigte Marge auf das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) soll bis zu 6,5 Prozent erreichen. Mehr als sechs Prozent war bislang die Vorgabe gewesen, Analysten rechnen schon mit einem Wert von 6,4 Prozent.

Aktienkurs steigt um 15 Prozent

An der Börse kamen die Zahlen gut an: Um mehr als 15 Prozent stieg der Aktienkurs und übersprang damit wieder die Marke von 100 Euro. TKMS war damit stärkster Wert im M-Dax. Seit Jahresbeginn hat die Aktie mehr als 40 Prozent an Wert gewonnen.

Burkhard verwies darauf, dass es darum gehe, mit Bedacht zu wachsen. Nun gehe es darum, Aufträge abzuarbeiten. „Nennen Sie es vorsichtig, aber es ist wichtig, dass man mit Sicherheit wächst und eine Firma nicht überfordert“, sagte Burkhard. Sonst verzettele man sich oder stünde am Ende mit zu viel Kapazitäten da, für die man als Unternehmen zu wenig Aufträge habe. „Die Phase jetzt ist vielleicht: nicht mehr so viel zu verkaufen, sondern dass die gute Auftragslage übersetzt wird in eine stabile Finanzlage“, sagte der TKMS-Vorstandsvorsitzende.

Wachstum um jeden Preis sei nicht das Ziel. „Ich schließe nicht aus, dass wir was kaufen. Aktuell ist der Quadratmeter Marinewerft aber etwas teuer“, sagte Burkhard. Zuletzt hatte TKMS mitgeteilt, den Konkurrenten und Kieler Nachbarn German Naval Yards nicht mehr übernehmen zu wollen. Auch Rheinmetall, der mit Abstand größte deutsche Rüstungskonzern, soll sich für das Geschäft interessieren. Rheinmetall hatte sich mit NVL im vergangenen Jahr eine Marinetochtergesellschaft gekauft und ist jetzt ebenfalls im militärischen Schiffbau aktiv.

Die Rolle der etablierten Waffenhersteller und wie sie von der Aufrüstung überproportional profitieren, hatte vor Kurzem der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel, Moritz Schularick, kritisiert. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) setzt nach seiner Ansicht falsche Schwerpunkte und zu sehr auf Panzer, Schiffe und Soldaten statt auf Drohnen, KI und Robotik. Ein Großteil der 700 Milliarden Euro, die bis 2030 in die Modernisierung der Bundeswehr fließen, würde für „veraltete“ Technologien ausgegeben, hatte Schularick in Interviews gesagt. So kurbele das Programm nicht das Wirtschaftswachstum an, sondern drohe zu verpuffen.

Burkhard hat Schularick daraufhin eingeladen, TKMS zu besuchen, was der Ökonom auch angenommen habe. „Ich finde es gut, dass sich auch Wirtschaftswissenschaftler Gedanken drüber machen, wie man das Risiko besser händeln kann“, sagte der TKMS-Vorstandsvorsitzende. Er teile aber nicht alle Thesen, die ein „bisschen steil und zugespitzt“ seien. „Es ist trendy, auf Beschaffung, Militär und Ministerium einzukloppen“, sagte Burkhard. Aber es stimme schlicht nicht, dass zu wenig Geld in Forschung und Entwicklung fließe. Auch die Vorstellung, dass Verteidigung nur mit unbemannten Systemen funktioniere, sei übertrieben. Burkhard lobte aber die Idee, mehr Geld in übergreifende europäische Projekte zu stecken, um so etwa von der Idee loszukommen, dass es 24 verschiedene Fregattentypen brauche.