Marinekonzern TKMS : Kein Werften-Wahn

Prognose erhöht, Aktie zweistellig im Plus und ein Bewerberansturm: Oliver Burkhard hätte allen Grund zum Überschwang. Warum der TKMS-Chef darauf verzichtet.

Es gibt in der Wirtschaftsgeschichte zahlreiche Manager, die darüber gestolpert sind, dass sie zu besoffen waren vom eigenen Erfolg. Kein Wunder, dass mancher Unternehmenslenker lieber etwas zurückhaltender ist, auch wenn es gut läuft. Oliver Burkhard fällt trotzdem auf in seiner Art, was auch damit zusammenhängen mag, dass er in einer Branche unterwegs ist, in der eine breite Brust zur Grundausstattung gehört.

Burkhard führt den Marinekonzern TKMS, der gerade seine Prognose erhöht hat, weil die Bestellungen stark steigen. Mehrere Verträge über Bestellungen in Milliardenhöhe hat der Manager zuletzt unterschreiben können, und ein für den deutschen U-Boot-Bau gigantischer Auftrag aus Kanada steht kurz bevor. Die Auftragslage? Rosig. Burkhard hätte allen Grund zum Überschwang.

Aufträge zügig umsetzen

Vorbilder für selbstbewusstes Auftreten gibt es in der Branche: Der Rheinmetall-Vorstandsvorsitzende Armin Papperger spricht stets vom Anspruch, dass sein Rüstungskonzern bald aufschließt zu den globalen Waffenindustrie-Schwergewichten, den amerikanischen Rüstungsgiganten. Zu Wasser, zu Land, in der Luft und im Weltraum mischen die Düsseldorfer mit – und in allen Domänen wolle man führend sein, na klar.

Und Burkhard? Stellt die Journalisten und Analysten in einer Videokonferenz zur Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal darauf ein, dass es nicht immer so weitergeht wie aktuell. Es gehe bald nicht mehr darum, jeden Auftrag zu gewinnen, sondern die existierenden auch zügig und wie vereinbart abzuarbeiten. Das gebe Sicherheit, und Sicherheit sei wichtig, auch damit man sich nicht verzettelt als Unternehmen. Auch wenn Überkapazitäten heute kein Thema sind, können sie es in Zukunft werden. Wer schon länger in Werften arbeitet, kennt das Problem.

Angesichts des enormen Wachstums der deutschen Rüstungskonzerne kommt ein weiteres Risiko hinzu: Konzerne wie Rheinmetall oder TKMS bauen schließlich nicht nur die Produktionskapazität deutlich aus, sondern brauchen dafür auch Mitarbeiter. An Bewerbungen mangelt es nicht, angesichts der Schieflage vieler Industriebranchen sind Waffenhersteller als Arbeitgeber offenbar attraktiv. Doch muss so ein Aufwuchs gemanagt werden, sowohl im Personalbereich als auch in den Produktionskapazitäten. Das behutsam zu machen, ist schlau. Burkhards Aussagen sind es auch.