Finance Forward Wie Iwoca den Exit sondiert

ich hätte wetten können, dass Urlaub für Revolut-Gründer Nik Storonsky (42) ein Fremdwort ist. Schließlich predigt der „Banker of the Year“ stets eine extreme Leistungs- und Arbeitskultur, bei der für Nickerchen im Liegestuhl eigentlich keine Zeit bleibt. Anscheinend hat der High Performer aber doch noch Ferienpläne. Im Januar soll er sich eine 102 Meter lange Lürssen-Jacht im Wert von 350 Millionen Euro gegönnt haben, inklusive Glaspool und Kältekammer. Klingt nach Entspannung. Wenn da nicht ein Rechtsstreit mit dem Luxusmakler wäre, der sich beim Jachtkauf laut „Financial Times“ umgangen fühlt und jetzt Millionen von Storonsky fordert. Dann vielleicht doch lieber Robinson Club.

  • Topstory: Iwoca läuft sich für den Exit warm

  • Köpfe: Martina Weimert hofft auf den Lidl-Push

  • Margin Call: Warum der Stripe-Gründer über deutsches Essen meckert

Topstory: Die Kreditmaschine Iwoca sondiert den Exit

Macht Tempo: Christoph Rieche, Mitgründer und CEO des Kredit-Einhorns Iwoca

Foto: Carlos Wydler & Valeria Simantob / Iwoca

Die deutsch-britische Firma Iwoca ist wohl einer der interessantesten Börsenkandidaten der hiesigen Fintech-Szene. Allein in Deutschland hat der Onlinekreditgeber des ehemaligen Goldman-Bankers Christoph Rieche (46) sein Kreditbuch zuletzt verdoppelt, auf rund 350 Millionen Euro. In ähnlichem Takt soll das Geschäft mit schnellem Kapital für Unternehmen nun weitergehen. „Unser Ziel für Deutschland ist ein Kreditbuch von einer Milliarde Euro bis 2028“, hat mir Deutschlandchef Fabian Platzen (44) erzählt. Das weckt Begehrlichkeiten: Einige Investoren drängen auf einen baldigen Exit. Neben einem Börsengang scheint dabei auch ein Verkauf des gesamten Unternehmens möglich. Gleichzeitig wittern Konkurrenten wie die schwedische Qred Bank oder das niederländische Fintech Floryn ebenfalls lukrative Geschäfte und drängen in den Markt. Meine Kollegin Katharina Slodczyk und ich haben uns das Kredit-Unicorn genauer angeschaut.

Köpfe: Martina Weimert ++ Michele Faissola ++ Oliver Riedel ++ Dolf Diederichsen ++ Gadi Mazor

Discounter-Allianz: Wero-Macherin Martina Weimert setzt auf Reichweite

Foto: Greta Martensen / OMR
  • Martina Weimert (58) bringt ihren europäischen Bezahldienst Wero im Lidl-Onlineshop unter. Der Deal mit dem Discounter-Giganten ist strategisch wichtig, um das Henne-Ei-Problem von Wero zu lösen. Bisher krankt die Zahloption nämlich an der recht überschaubaren Verbreitung im Handel.

  • Michele Faissola (58), ehemaliger Star bei der Deutschen Bank, wird von seinem Ex-Arbeitgeber auf rund 5 Millionen Euro verklagt, wie meine Kollegin Katharina Slodczyk und mein Kollege Lukas Heiny berichten . Die Gegenklage ist die neueste Volte im Santorini-Drama, in dem Faissola und vier andere Männer ja insgesamt rund 850 Millionen Euro von der Bank haben wollen.

  • Oliver Riedel (52), CEO der Baader Bank, schnappt sich gut 10 Prozent an der Münchner Kryptofirma Hyphe. Das Start-up von Dolf Diederichsen (46) stellt Liquidität für digitale Vermögenswerte wie Token oder Kryptowährungen – ein Bereich, den die Baader Bank weiter ausbauen will.

  • Gadi Mazor, Chef der israelischen Cybersicherheitsfirma Biocatch, verkauft sein Start-up für 2,4 Milliarden US-Dollar an das amerikanische Kreditkartennetzwerk Visa. Der Biometrie-Spezialist soll dabei helfen, sich besser gegen Deepfakes zu rüsten und betrügerische Zahlungsvorgänge zu erkennen. Gleichzeitig baut Visa damit seine Dienstleistungssparte aus, die zuletzt ja ohnehin am schnellsten gewachsen war.

Zahl der Woche: 156.000.000

Der US-Broker Robinhood verdient inzwischen mehr Geld mit Gesellschaftswetten als mit Krypto- oder Aktienhandel. Gut 18 Monate nach der Einführung sogenannter Event Contracts, bei denen Nutzer auf nahezu jedes Ereignis wetten können, fährt Firmenchef Vladimir Tenev (39) damit bereits Einnahmen in Höhe von 156 Millionen US-Dollar ein. Das entspricht 12 Prozent des gesamten Quartalsumsatzes. Mit Aktienhandel verdiente Robinhood hingegen nur 129 Millionen Dollar und mit Kryptohandel 100 Millionen Dollar. Neben Robinhood setzen auch andere Handelsbörsen wie Coinbase auf den Wettboom und machen den Pionieren Kalshi und Polymarket zunehmend das Geschäft streitig. In Deutschland sind Gesellschaftswetten bisher verboten.

Margin Call: Maria, ihm schmeckt's nicht

Geschmackssache: Stripe-Gründer Patrick Collison kann mit der deutschen Küche wenig anfangen

Foto: BRENDAN MCDERMID / REUTERS

Patrick Collison (37), Mitgründer der 159 Milliarden Dollar schweren Zahlungsfirma Stripe, ist in Deutschland bisher nicht auf den Geschmack gekommen. „Warum ist das Essen in Deutschland so viel schlechter als in vielen seiner Nachbarländer?“, räsoniert der gebürtige Ire drüben bei X. Frage zurück nach San Francisco: Wurde beim letzten Besuch die Currywurst zu scharf bestellt? Ist der Döner nicht bekommen? War die Frischeauswahl im Supermarkt zu klein? Oder woher rührt das harsche Urteil? Der Fairness halber sei kurz festgehalten: Collison teilte nicht nur gegen die deutsche Küche aus. Die Bemerkung des belesenen Kulturphilosophen fiel in einem Blogpost über die gesellschaftliche Akzeptanz des Mittelmaßes. Hersteller von hässlichen Telefonzellen bekamen darin ebenso ihr Fett weg wie eben die hiesige Gastronomie. Die Deutschen steckten kulinarisch „in einem objektiv schlechteren Marktgleichgewicht als ihre Nachbarn“ fest, diagnostiziert Collison. In anderen Worten: Wir hätten uns ans miese Essen gewöhnt. Lieber Patrick Collison, das will ich im Namen der deutschen Feinschmecker so nicht stehen lassen. Kommen Sie uns bei Ihrem nächsten Europa-Trip in Hamburg besuchen. Wir laden Sie in die weltberühmte Kantine des SPIEGEL-Verlagshauses ein. Dort schmeckt es ganz hervorragend.

Das war es für diese Woche. Wenn ihr Anregungen oder Recherchehinweise habt, meldet euch gern unter [email protected] . Und empfehlt uns gern Freunden und Freundinnen weiter – sie können den Newsletter hier abonnieren.