Finance Briefing Flatex schnappt sich Bitpanda-Schlüsselfigur

die österreichische Kryptofirma Bitpanda mischt im Marketing-Game ganz oben mit: FC Bayern, ATP, NFL – die Liste der Werbedeals ist lang (und teuer!). Bislang schien die aggressive Expansionswette aufzugehen, zumindest wenn man das Nutzerwachstum als Maßstab anlegt. Umso überraschender war der Abgang des verantwortlich zeichnenden Vertriebschefs Dominik Beier (34) im Juni. Wo der umtriebige Manager anheuert, war bis dato ein gut gehütetes Geheimnis. Womit wir auch schon bei unseren Themen der Woche sind:

  • Toptransfer: Flatex schnappt sich den Bitpanda-Vertriebschef

  • Deals: Solar-Fintech Cloover mit neuer Finanzierung

  • Prediction-Markets: Lebenslänglich wegen Insiderwissen

Topstory: Flatex schnappt sich den Architekten des Bitpanda-Erfolgs

Toptransfer: Vertriebschef Dominik Beier, der bei Bitpanda unter anderem den Deal mit dem FC Bayern eintütete, wechselt zum Onlinebroker FlatexDegiro

Foto:

Der Frankfurter Onlinebroker FlatexDegiro hat zum Abschluss des Sommers den Königstransfer gelandet, rechtzeitig zur neuen Saison sozusagen. Dominik Beier (34), zuvor bei der Wiener Kryptoplattform Bitpanda, wechselt zum 1. Januar 2027 in den Vorstand des MDax-Unternehmens, wie wir vorab erfahren haben. Für Vorstandschef Oliver Behrens (62) ist die Verpflichtung des Marketingmanns zentral, um den 20 Jahre alten Broker im Duell mit den Rivalen Trade Republic und Scalable Capital auf Wachstum zu trimmen – und der Marke einen moderneren Auftritt zu verpassen. Warum FlatexDegiro ausgerechnet jetzt auf Angriff schaltet und Details zur neuen Strategie erfahrt Ihr hier.

Köpfe: Jodok Betschart ++ Georg Stocker ++ Mark Branson ++ Shayne Coplan ++ Ryan Breslow

Neue Finanzierung: Cloover-Chef Jodok Betschart (2. v. r.) mit seinem Mitgründer Valentin Gönczy (l.), Technikchef Vivek Jain (2. v. l.) und Mitgründer Peder Broms

Foto: Cloover
  • Jodok Betschart (37) erhält eine 100-Millionen-Dollar-Kreditlinie für sein Solar-Fintech Cloover. Das Berliner Unternehmen bietet digitale Tools für Handwerker, mit denen sie Finanzierungen für ein Solardach oder Wärmepumpen vermitteln können. Der auf das Jahr hochgerechnete Umsatz soll mittlerweile bei 350 Millionen Dollar liegen; neue Märkte stehen auf dem Plan.

  • Georg Stocker (62), Deka-Chef, kontert mit seinen Leuten offenbar den Scalable-Capital-Pitch zum Altersvorsorgedepot. Die Fondstochter der Sparkassen will das Billig-ETF-Angebot des Fintechs sogar noch unterbieten, wie unsere Kollegen von „Finanz-Szene “ schreiben.

  • Mark Branson (57), Bafin-Chef, wird mit seinen mehr als 1000 Leuten am Standort Frankfurt vom Norden der Stadt ins zentrale RAW-Hochhaus umsiedeln. Einzug: planmäßig Herbst 2028. Doch da es sich um die ehemalige Zentrale der Deutschen Bahn handelt, ist mit Verspätungen zu rechnen.

  • Shayne Coplan (28), Gründer und CEO des Prognosemarkts Polymarket, wirbt offenbar eine Milliarde Dollar frisches Kapital ein, auf einer Bewertung von dann 21 Milliarden. Frontfinanzier: 1789 Capital, wo auch Präsidentensohn (und Polymarket-Berater) Donald Trump Jr. (48) Partner ist.

  • Ryan Breslow (32), Gründer und CEO des ehemals 11 Milliarden Dollar schweren US-Fintechs Bolt, gibt nicht auf. Mit angeblich 5 Millionen Dollar beteiligt er sich sogar privat an einer Brückenfinanzierung über insgesamt 27 Millionen Dollar. Wie weit der Glaube an die hart abgestürzte One-Click-Check-out-Company unter den Geldgebern verbreitet ist? Unklar.

Zahl der Woche: 42 (natürlich, was sonst?)

Trotz Kriegen und Krisen haben die je zehn größten Banken in Europa und den USA ein starkes erstes Halbjahr hinter sich. So stieg der kumulierte Nettogewinn diesseits des Atlantiks um 21 Prozent auf 59 Milliarden Euro (bei einer Eigenkapitalrendite von 12,3 Prozent). Allein: Die Top Ten der US-Rivalen, so die Wirtschaftsprüfer von EY in einer aktuellen Studie, wuchsen doppelt so stark: nämlich um 42 Prozent auf zusammen 111 Milliarden Euro Nettogewinn (bei einem RoE von 15 Prozent). Das ist ein neuer Rekordwert.

Margin Call: Lebenslänglich für Insiderhandel

Verhängnisvoller Nebenverdienst: Trumps Teleprompter-Techniker Gabriel Perez, hier bei einem legalen Einsatz im März 2026

Foto: Mark Schiefelbein / AP

Einen Platz auf der Liste der kuriosen Kündigungsgründe hat Gabriel Perez sicher: Das Weiße Haus schickte den Teleprompter-Techniker von US-Präsident Donald Trump (80) im Juli nach Hause, nachdem er auf dem Portal Kalshi auf die Reden seines Chefs gewettet haben soll. Auf sogenannten Prognosemärkten wie Kalshi (hier unser ausführliches Porträt der Firma ) ist es nicht unüblich, auf die Erwähnung bestimmter Begriffe in öffentlichen Reden zu setzen. Laut der US-Derivateaufsicht CFTC soll Perez innerhalb von drei Monaten insgesamt 107.539 Dollar mit seinem Insiderwissen verdient haben – also mehr als die Hälfte seines Jahresgehalts in Höhe von immerhin 175.000 Euro. Eine wirklich erstaunlich hohe Ausbeute! Schließlich dürften solche Wetten selbst bei festgelegtem Text hochriskant sein – ist Trump doch für seine mäandernden Off-Script-Ausflüge bekannt. Die Insiderwette des ehemaligen US-Abgeordneten George Santos (38) scheint mir da schon cleverer: Er hatte auf seine eigene Abwesenheit bei Trumps Rede zur Lage der Nation gewettet und – Überraschung! – blieb der Veranstaltung fern. Auch Santos wurde erwischt . Für die Karriere ist das natürlich nicht so toll. Der Politiker geht aber immerhin mit seiner Strafe in die Geschichte ein: Er ist der erste Mensch, der ein lebenslängliches Kalshi-Verbot kassiert hat. Santos nahm es locker: „Mal sehen, wie lange es euch überhaupt noch geben wird“, schrieb er auf X .

Das war es für diese Woche. Wenn ihr Anregungen oder Recherchehinweise habt, meldet euch gern unter [email protected] . Und empfehlt uns gern Freunden und Freundinnen weiter – sie können den Newsletter hier abonnieren.