Ivan Glasenberg Pinarello-Eigner und Milliardär steigt bei Campagnolo ein
Aus seiner Vorliebe für italienische Sportmarken macht der südafrikanisch-schweizerische Milliardär Ivan Glasenberg (69) keinen Hehl. Vor fünf Jahren kaufte sich der ehemalige, langjährige CEO des Rohstoffhändler Glencor bei der Radsport-Beikleidungsmarke Q36.5 ein. Zwei Jahre später übernahm er mehrheitlich die traditionsreiche Radschmiede Pinarello.
Nun hat er über seine Beteiligungsgesellschaft Spac SA einen Minderheitsanteil an Campagnolo erworben, wie der italienische Komponentenhersteller mitteilte . Forbes beziffert das Vermögen von Glasenberg auf derzeit rund 15 Milliarden Dollar.
Zu dem Kaufpreis und der Höhe des Anteils machte das Familienunternehmen keine Angaben. Die Familie Campagnolo bleibe Mehrheitseignerin, des 1933 von Tullio Campagnolo in Vicenza gegründeten Unternehmens. Der Abschluss der Transaktion soll im Laufe des September erfolgen.
Für den italienischen Hersteller von Hochleistungsantrieben und Laufrädern für den Straßen- und Gravel-Radsport lief es zuletzt nicht rund. Für das Jahr 2024 wies Campagnolo laut Berichten einen niedrigeren zweistelligen Millionenverlust aus. In der Folge kündigte das Unternehmen zunächst an, 40 Prozent der gut 300 Stellen am Standort Vicenza abzubauen.
Anfang dieses Jahres aber vereinbarte der Hersteller mit den Gewerkschaften einen Sanierungsplan , der betriebsbedingte Kündigungen ausschließt. Einsparungen wolle Campagnolo unter anderem durch eine flexible Reduzierung der Arbeitszeit erreichen.
Campagnolo will Transformation vorantreiben
Der Hersteller entwickelt Antriebe und Laufräder unter den Marken Campagnolo und Fulcrum. Die Investition soll laut Mitteilung die Entwicklung beider Marken vorantreiben und die Transformation in Richtung Elektronik und vernetzte Systeme beschleunigen. Technologie, Elektronik und Konnektivität spielen eine immer wichtigere Rolle in der Branche, auch weil die Erwartungen von Fahrern, Fahrradherstellern und Handelspartnern kontinuierlich gestiegen sind.
Campagnolo kündigte zugleich an, seine Verbindung zum Profi-Radsport stärken zu wollen, der seit langer Zeit im Mittelpunkt der Markenidentität steht. Tatsächlich aber hat Campagnolo seine Marktführer im Straßenradsport im Laufe der Jahre an die Konkurrenten Shimano und SRAM verloren, die beide in Asien ansässig sind.
Investitionen in die Fahrradindustrie galten lange Zeit wegen der anhaltenden Krise als wenig attraktiv. Offenbar sind die Bewertungen mittlerweile so weit gesunken, dass Investoren zumindest in namhaften Marken wieder eine Chance sehen. So öffnete sich unlängst der kultige Faltradhersteller Brompton für den Sportartikelriesen Decathlon.
Dass die Fahrradindustrie insgesamt immer noch arg mit den Nachwehen der Coronapandemie zu kämpfen hat, verdeutlicht die Insolvenz des niederländischen Fahrradkonzerns Accell. Europaweit stehen 2500 Jobs auf der Kippe.