Cybercab : Autonome Träume

Tesla befördert mit seinem futuristischen „Cybercab“ erstmals Passagiere. Damit ist der Moment gekommen, in dem sich Musks Strategie für autonomes Fahren auf der Straße beweisen muss.

Obwohl das Unternehmen in der Entwicklung und Kommerzialisierung dieser Technologien noch am Anfang steht, kommt er damit an den Finanzmärkten durch. Und weil sich dort die Aufmerksamkeit auf diese Zukunftsgebiete konzentriert, wird Tesla auch verziehen, dass die Verkaufszahlen seiner Autos in den vergangenen beiden Jahren geschrumpft sind. Musk wird zudem nachgesehen, dass er ein ums andere Mal seine kühnen Vorhersagen verfehlt hat. Schon für 2020 versprach er einst eine Million Robotaxis, davon ist Tesla bis heute weit entfernt. Das Unternehmen ist sogar im Wettbewerb in der Verfolgerrolle, die Google-Schwestergesellschaft Waymo betreibt heute schon eine stattliche Flotte vollständig autonomer Robotaxis.

Musk tönt, Tesla werde den Markt von hinten aufrollen. Verglichen mit Waymo, verfolgt Tesla mit seinen Robotaxis einen anderen Ansatz, der billiger und aus Sicherheitsgründen auch umstritten ist. Teslas autonome Fahrzeuge nutzen zur Erfassung ihres Umfeldes nur Kameras, während Waymo komplexere Systeme verwendet. Musk argumentiert, Teslas Robotaxis würden sich viel schneller hochskalieren und wirtschaftlicher betreiben lassen als Waymo-Autos, sobald sie einmal reif für den Alltagseinsatz sind. Umso bedeutender ist es daher, dass Tesla jetzt im texanischen Austin erstmals Passagiere mit seinem futurischen „Cybercab“ befördert, das weder Lenkrad noch Pedale hat.

Damit ist der Moment gekommen, in dem sich Musks Strategie, die auf dem Papier nicht unplausibel klingt, auf der Straße beweisen muss. Er muss nun zeigen, dass er aus diesem noch sehr begrenzten Test tatsächlich in kurzer Zeit ein Geschäftsmodell machen kann, das Tesla in die Zukunft trägt. Angesichts seiner Geschichte nicht eingehaltener Versprechungen erscheint Skepsis angebracht.