Poker mit BASF Evonik prüft Übernahme von US-Rivalen

Der Spezialchemiekonzern Evonik prüft zwei Insidern zufolge eine Übernahme der US-Chemiefirma Ashland. Zwei mit den Bestrebungen vertraute Personen sagten ‌am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters, Evonik sei einer von mehreren Interessenten für das Unternehmen, das an der New Yorker Börse mit 3,3 Milliarden Dollar bewertet wird. Ashland habe auf Druck von aktivistischen Investoren begonnen, nach Interessenten Ausschau zu halten, sagte einer der Insider.

Der Prozess - und damit die Bemühungen von Evonik - hätten noch vor dem Vorstoß von BASF ​zur Übernahme des Essener Konzerns begonnen. Das Vorgehen sei daher nicht als „Giftpille“ zur Abwehr von BASF zu sehen. Evonik wollte ⁠sich dazu ⁠nicht äußern. Evonik würde jedoch mit einer möglichen Übernahme von ​Ashland größer und könnte damit von BASF schwerer ‌zu verdauen sein.

BASF-CEO buhlt mit Jobgarantien um Evonik

Ob sich der Ludwigshafener Chemieriese BASF von seinen Übernahmeplänen abbringen lässt, sollte Evonik Zukäufe tätigen, ist unwahrscheinlich. BASF-Chef Markus Kamieth ​hat die geplante Übernahme akribisch vorbereitet und warb am Donnerstag in einer Videobotschaft mit weitreichenden Job- und Standortgarantien um Evonik und dessen Eigentümer.

Ein Zusammenschluss sei eine „starke deutsche ​Antwort auf den globalen Wettbewerb“, erklärte Kamieth. Vor dem ⁠Hintergrund wachsender Konkurrenz aus Asien und dem ​Nahen ​Osten müsse sich die deutsche Industrie konsolidieren, bevor sie von ausländischen Investoren aufgekauft werde.

„Jetzt zählt's. Alleine kleiner oder gemeinsam größer denken“, sagte Kamieth. Um Vorbehalte im Ruhrgebiet abzubauen, verwies er auf seine Herkunft: Als Sohn eines Bergmanns, geboren in Dinslaken und mit Studienzeit in Essen, verstehe er die Sorgen der Menschen in Nordrhein-Westfalen vor der ​geplanten Übernahme.

Evonik befindet sich derzeit in einem tiefgreifenden Umbau, in dessen Zuge bis 2029 Tausende Stellen wegfallen könnten. Um Bedenken zu zerstreuen, ⁠machte der BASF-Chef ⁠weitreichende Zusagen. „Betriebsbedingte Kündigungen blieben bis 2032 ausgeschlossen“, versicherte Kamieth. „Tarifverträge und Sozialpartnerschaft bleiben unangetastet.“ Essen und Nordrhein-Westfalen würden als Standort mit mindestens einem Vorstandsressort wichtig bleiben.

Auch Finanzinvestoren haben Ashland im Blick

Das "Handelsblatt", das als Erstes über das Interesse an Ashland berichtet hatte, schrieb, Evonik wolle mit einem Zukauf in den USA die Abhängigkeit vom europäischen ‌Markt verringern, Ashland passe gut in die Strategie, da sich die Portfolios ​unter anderem bei Kosmetik-Inhaltsstoffen ‌und Spezialadditiven ergänzten. Neben Evonik hätten auch Finanzinvestoren wie Advent, Apollo und Carlyle Kontakt zu Ashland aufgenommen. Evonik habe die Investmentbanken Perella Weinberg und JP Morgan beauftragt, den Markt nach geeigneten Zielen zu sondieren.

Bei Ashland gehören drei als aktivistisch eingeschätzte Investoren nach LSEG-Daten zu den zehn ‌größten Anteilseignern: Standard Investments (9,9 Prozent), Omega Advisors (6,4 Prozent) und Ancora Advisors (4,3 Prozent). Letzterer ist inzwischen mit zwei Vertretern im Verwaltungsrat von Ashland vertreten. Die Ashland-Aktie legte am Donnerstag nur leicht auf 72,46 ‌Dollar zu.