Steigende Zinsen bei Staatsanleihen Diese Länder machen Investoren neben Frankreich ebenfalls nervös

Die aktuellen Turbulenzen an den Finanzmärkten treffen Frankreichs angeschlagene Staatsanleihen massiv. Zugleich zeichnet sich inzwischen ab, welche weiteren Euroländer im Urteil der Märkte krisenanfällig sein könnten: Neben dem ewigen Euro-Patienten Italien rücken auch Belgien und sogar Griechenland wieder ins Visier.

Einstweilige Gewinner sind auf der anderen Seite die klassischen „sicheren Häfen“ – US-Treasuries und auch Bundesanleihen.

Die zunehmende Spaltung im europäischen Bondmarkt setzt auch die EZB unter Druck. Sie hat die Mittel, mit denen sich eine akute Krise ersticken ließe; die Stabilitätsregeln müssten dafür aber extrem gedehnt werden. Kommende Woche trifft der EZB-Rat sich zu seiner nächsten regulären Zinssitzung.

Gespaltener Markt

Bei steigendem Ölpreis und schwächelnden Aktien boten die Anleihemärkte am Donnerstag ein deutlich gespaltenes Bild. Bei den „sicheren Häfen“ kehrte sich der kräftige Zinsanstieg der vergangenen Monate vorerst um. Für Frankreich spitzte sich die Lage dagegen zu; die Ansteckungsgefahr in der Eurozone wächst. Der Euro gab am Donnerstag nach und fiel unter 1,12 Dollar.

Höhere Zinsen bedeuten, dass sich der Schuldendienst für die Finanzminister sukzessive verteuert, der fiskalische Handlungsspielraum also immer weiter schrumpft. Zudem verteuern sich in der gesamten Wirtschaft des betroffenen Landes die Kreditkosten, was die Konjunktur ausbremst – und wiederum die Staatskassen belastet. Die Kursverluste bei den Anleihen treffen zudem die Bilanzen der Finanzwirtschaft.

Die Rendite der zehnjährigen US-Treasuries, die in den vergangenen Monaten stark gestiegen war, ist inzwischen wieder rückläufig und bewegt sich nur noch minimal über der viel beachteten 5-Prozent-Marke. Die ungebremste Staatsverschuldung der USA schreckt die Investoren derzeit also nicht. Viele Finanzprofis hatten die gestiegenen Renditen zuletzt bereits als attraktive Einstiegsgelegenheit empfohlen .

Auch der deutsche Zehnjahreszins, der im September in der Spitze über 3,6 Prozent erreicht hatte, ist wieder unter 3,4 Prozent gefallen.

Von den französischen Bonds wendet sich der Markt hingegen rapide ab: Die Rendite der zehnjährigen OATs (Obligations assimilables du Trésor) sprang am Donnerstag auf zeitweise über 5,1 Prozent, den höchsten Stand seit 2002. Allein seit Anfang der Woche ist dieser Zins um mehr als 30 Basispunkte (0,3 Prozentpunkte) gestiegen.

Aufklaffende Spreads

Der Zinsabstand (Spread) zwischen deutschen und französischen Anleihen, der zu Beginn der Europäischen Währungsunion weitgehend verschwunden war, beträgt damit über 170 Basispunkte. Nur auf dem Gipfel der Eurokrise war der Spread in neuerer Zeit noch höher.

Der italienische Spread bewegt sich mit über 120 Basispunkten ebenfalls wieder auf einem deutlich erhöhten Niveau. Auch Belgien und Griechenland müssen derzeit im Vergleich zu Deutschland mehr als 100 Basispunkte drauflegen, wenn sie neue Schulden aufnehmen wollen.

Bemerkenswert ist das hohe Tempo, mit dem die Zinsaufschläge zuletzt gestiegen sind. Bis Anfang September, also bis ins Vorfeld der vergangenen EZB-Zinssitzung am 10. September, hatten sich die Spreads in diesem Jahr kaum bewegt. Lediglich Frankreich und Italien verzeichneten einen kleinen Anstieg, um knapp 20 Basispunkte.

Seither haben die Aufschläge überall angezogen – massiv in Frankreich, auffällig stark aber auch in Italien, Belgien und Griechenland.

Athen steht dabei finanzpolitisch gar nicht schlecht da. Seine Altschulden sind zu niedrigen Zinsen langfristig finanziert. Bei kräftigem nominalem Wirtschaftswachstum sinkt die Schuldenquote in Relation zum BIP schnell und dürfte 2026 unter die von Italien fallen.

Deutlich kritischer ist die Lage Belgiens: Schulden und Budgetdefizite liegen hier weit über den EU-Vorgaben, im komplexen föderalen System ist eine Haushaltssanierung politisch mühsam.

Nirgendwo in Europa ist die Situation aber so dramatisch wie in Frankreich. Die Regierung der Mitte wirkt nach den jüngsten Krawallen orientierungs- und hilflos. Eine Etatkonsolidierung ist politisch nahezu unmöglich, denn die Regierung hat nicht einmal eine Parlamentsmehrheit. In den Umfragen für die Präsidentschaftswahl im nächsten Frühjahr liegt die rechtspopulistische Marine Le Pen (58) klar vorn.

Hilfe von der EZB wäre unter diesen Bedingungen ein gravierendes Politikum.