Energiemarkt unter Druck Gaspreis klettert – und der Winter rückt näher
Der Krieg im Iran treibt die Energiepreise in Europa in die Höhe. Für die meisten Haushalte bleibt das vorerst ohne direkte Folgen – doch dies könnte sich ändern.
Der Referenzpreis für europäisches Erdgas hat am Mittwoch erstmals seit 2022 die Marke von 100 Euro pro Megawattstunde überschritten. Der sogenannte TTF-Terminkontrakt, der an der niederländischen Energiebörse als Maßstab für Großhandelspreise gilt, war Anfang September noch für weniger als 70 Euro gehandelt worden. Als Hauptursache gelten die Verwerfungen auf den Energiemärkten infolge des Iran-Krieges.
Im November kann es kalt werden – Sorge um Gaspreise
Zum Anstieg tragen mehrere Faktoren bei. Neben dem Iran-Krieg wächst in Europa auch die Sorge vor einem Kälteeinbruch, der zu einer stärkeren Gasnachfrage führen könnte. Vor allem in Deutschland sind die Gasspeicher aber in diesem Jahr besonders leer. Stattdessen ist Europa auf das deutlich teurere Flüssigerdgas (LNG) angewiesen.
Hinzu kommt eine gestiegene Nachfrage aus Asien. Gaskunden dort, die üblicherweise auf Preise achten, kauften zuletzt auch zu höheren Preisen ein, um Versorgungsengpässe zu vermeiden. Besonders China fragte in den vergangenen Wochen verstärkt kurzfristig gehandeltes Gas nach, da das Land seine Gasspeicher füllen wollte. Zum "Handelsblatt" sagt Martin Senior von Argus Media: "Die anhaltende Nachfrage aus Asien hat LNG-Ladungen von Europa weg und nach Asien verlagert, was die europäischen Preise in die Höhe getrieben hat, um im Wettbewerb um LNG bestehen zu können."
Nach Angaben der europäischen Plattform zur Gasspeicherung (Agsi) sind die Gasspeicher derzeit zu knapp 75 Prozent gefüllt. Zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr lag der Wert bei knapp 83 Prozent. Besonders in Deutschland ist die Lage angespannt: Die Reserven betragen laut Agsi 61,6 Prozent, gegenüber rund 75 Prozent im Jahr 2025.
Zusätzlich könnten Temperaturprognosen die Nachfrage weiter ankurbeln. Für Anfang November werden unterdurchschnittliche Temperaturen erwartet. Geringere Windgeschwindigkeiten in der Arktis in der ersten Novemberhälfte erhöhen laut Experten das Risiko eines Kälteeinbruchs in der zweiten Monatshälfte, was dazu führen könnte, dass Gas schneller aus den Speichern entnommen wird.
Straße von Hormus: Krieg im Iran entscheidend für Gas
Prognosen zufolge könnte die Straße von Hormus bis März 2027 geschlossen bleiben. Bei einem besonders kalten Winter wäre ein Anstieg der Preise zu Beginn des kommenden Jahres auf etwa 130 Euro pro Megawattstunde möglich. Sollte die Straße von Hormus hingegen im Zuge eines sofortigen Friedensschlusses im Iran wieder geöffnet werden, würden die Preise mutmaßlich wieder sinken.
Für Haushaltskunden hat der aktuelle Preisanstieg zunächst keine unmittelbaren Auswirkungen, da die meisten längerfristige Verträge haben. Preisveränderungen an der Börse kommen bei Bestandskunden erst mit zeitlicher Verzögerung an.