Börse am Abend Dax schließt unter 25.000 Punkten, US-Bondrendite auf höchstem Stand seit 24 Jahren

Der Dax hat am Donnerstag weitere Kursverluste erlitten. Mit einem Minus von 1 Prozent auf 24.939,4 Punkte rutschte der deutsche Leitindex am Ende doch noch unter die Marke von 25.000 Punkten. Für den MDax der mittelgroßen Unternehmen ging es letztlich sogar um 1,9 Prozent auf 30.251,4 Punkte bergab. Auch der europäische Leitindex Eurostoxx 50 verabschiedete sich mit einem Verlust von 1,5 Prozent aus dem Handel.

Auf seinem Tagestief bei 24.831 Punkten hatte sich der Dax zwar an der für den langfristigen Trend wichtigen 200-Tage-Linie gefangen. Komplett aufholen konnte er seinen Verlust aber nur kurzzeitig. Dann sorgten neben den schon vorher belastenden, hohen Ölpreisen und Anleiherenditen die schwächelnden US-Börsen für zusätzlichen Druck.

Den Monat September hatte der Dax mit einem Verlust von insgesamt 4 Prozent beendet und war dabei tags zuvor auch noch unter die für den mittel- bis langfristigen Trend wichtige 100-Tage-Linie gesackt. Diese hatte ihm die vergangenen Tage noch Halt gegeben.

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Heidelberg Materials auf Erholungskurs, Fresenius mit Einbußen

An der Dax-Spitze erholten sich die Aktien von Heidelberg Materials nach einem Tief seit April 2025 um 2,8 Prozent. Jefferies-Analystin Glynis Johnson ist zuversichtlich, was das operative Ergebnis des Zementherstellers im dritten Quartal betrifft.

Beim Reifenhersteller Continental reichte es gegen den schwachen Markt für ein Kursplus von 0,4 Prozent. Letzte Signale des Managements vor der wegen der Quartalszahlen Anfang November anstehenden Schweigeperiode waren positiv ausgefallen. So hält UBS-Analyst David Lesne eine Aufstockung der Gesamtjahresziele für möglich.

Die Fresenius-Titel gaben unterdessen um 2,1 Prozent nach. Der Medizin- und Krankenhauskonzern will seine Biopharma-Tochter mAbxience komplett übernehmen. Für die übrigen Anteile im Umfang von 45 Prozent zahlt er bis zu 750 Millionen Euro.

Rote Laterne in Leverkusen, Rüstung uneinheitlich

Dax-Schlusslicht war Bayer mit minus 5,3 Prozent. Laut JPMorgan-Analyst Richard Vosser dürften die frühen Konsensschätzungen für das dritte Quartal des Agrarchemie- und Pharmakonzerns wohl zu hoch sein.

Die Renk-Anteile gaben den vierten Tag in Folge nach und schlossen 2,7 Prozent tiefer. Diesmal litten sie unter einem negativen Analystenkommentar der Bank of America, die ihre Kaufempfehlung für die Rüstungsaktie strich. Für Hensoldt dagegen bekräftigte Branchenexperte David Holmes seine Kaufempfehlung. Außerdem nahm er die Aktien des Anbieters von Verteidigungs- und Sicherheitselektronik in die bankeigene Liste der besten Anlageideen im Nebenwertebereich auf. Die Aktien gewannen 0,9 Prozent.

US-Börsen mit leichten Verlusten

Die wieder steigenden Ölpreise und enttäuschende Konjunkturdaten haben die US-Aktienmärkte am Donnerstag leicht belastet. Der Dow Jones Industrial sank zuletzt um 0,5 Prozent auf 50.640 Punkte. Der marktbreite S&P 500 büßte 0,4 Prozent auf 7.634 Zähler ein. Für den technologielastigen Nasdaq 100 ging es ebenfalls um 0,4 Prozent auf 30.335 Punkte abwärts.

Ein optimistischer Geschäftsausblick des IT-Beratungsunternehmens Accenture ​trieb die gesamte Software- und IT-Branche an. Die US-notierten Aktien des irischen Unternehmens schossen um ⁠fast ⁠18 Prozent nach oben. Die Titel der Konkurrenten Cognizant und IBM legten im Sog um 6 und 2,2 Prozent zu. Auch breiter aufgestellte Software-Werte wie Salesforce zogen an. Nach Einschätzung der Analysten von ​Kepler Cheuvreux ‌stellt der Geschäftsbericht von Accenture das Szenario in Frage, wonach traditionelle IT-Dienstleister zu den Verlierern des KI-Booms gehören.

US-Rendite zehnjähriger Bonds bei 5,3 Prozent

Die Stimmung blieb jedoch angespannt, da die globalen Anleihemärkte erneut unter Druck gerieten. Die Rendite zehnjähriger US-Anleihen stieg auf 5,3 Prozent. Das ist der höchste Stand seit 24 Jahren. Für die Börsen wird das zunehmend zur Belastung und schränkt zugleich den Spielraum westlicher Regierungen ein. Was das für Anleger bedeutet, hat das manager magazin analysiert.

Ölpreis im Rückwärtsgang, Golfexporte erholen sich

Sich erholende Rohölexporte aus der Golfregion und ein überraschender Anstieg der US-Lagerbestände haben die Versorgungsängste am ​Ölmarkt etwas gelindert. Die Preise für die Nordseesorte Brent und das US-Öl WTI fielen am ‌Donnerstag in der Spitze um gut eineinhalb Prozent auf 96,55 und 88,79 Dollar je Fass. Im September hatte sich Brent um rund 14 Prozent, WTI um mehr als 5 Prozent verteuert.

Anleger hofften, dass die USA und Iran ihre Verhandlungen zur Beendigung des seit sieben Monaten ‌andauernden Krieges wieder aufnehmen. US-Präsident Donald Trump (80) hatte ​zuletzt bestritten, ‌Iran eine Lockerung der Sanktionen und die Freigabe eingefrorener Gelder als Gegenleistung für nukleare Zugeständnisse seitens Teherans angeboten zu haben.

Für etwas Entspannung am Ölmarkt sorgte, dass Saudi-Arabien die Ölverladungen von seinem Hafen ‌Janbu am Roten Meer zuletzt wieder aufnehmen konnte. Drohnenangriffe hatten das Königreich am 11. September gezwungen, die sogenannte Ost-West-Pipeline abzuschalten ‌und die Rohölexporte von Janbu ​aus zu stoppen. Daten der ‌US-Energiebehörde EIA zeigten zudem, dass die US-Rohöllagerbestände in der ‌Woche ​bis zum 25. September um 922.000 Barrel auf 427,3 Millionen Barrel gestiegen sind. In einer Reuters-Umfrage ​war ein Rückgang um ⁠264.000 Barrel erwartet worden.